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Studien zur Bionomie und Ökologie der GraseuleSideridis pallens L. (Lep., Noctuidae)

Ein Beitrag zur Agrarökologie
  • Wolfgang Tischler
Article

Zusammenfassung

Sideridis pallens, ursprünglich in der Litoraea-Landschaft heimisch, hat sich von dort her auch in der Agrarlandschaft eingebürgert. Obwohl sie sich an Getreide entwickeln könnte, paßt ihre Generationenfolge schlecht in den Rhythmus der Bewirtschaftung der Kulturfelder, so daß sie nicht zu einem landwirtschaftlichen Schädling wurde.

Im Jahreslauf kommen in Norddeutschland gewöhnlich 2 Generationen vor. Die Herbstgeneration überwintert als Larve 4 mit Vorliebe in Stoppeln und anderen hohlen Pflanzenstengeln. Zur Weiterentwicklung nach dem Winter benötigt sie noch 6-8 Wochen bis zum Schlüpfen der Falter. Die Sommergeneration durchläuft dagegen in 6-8 Wochen ihre gesamte Entwicklung vom Ei bis zur Imago.

Junglarven reagieren positiv phototaktisch, spinnen Haltefäden, sind tagaktiv und zeigen Schabefraß. Bereits bei Larve 2 verliert sich die Phototaxis, es beginnt Übergang zum Lochfraß; Larve 3 bildet keine Haltefäden mehr. Von Larve 4 an sind die Raupen vorwiegend nachtaktiv.

Die schnellste Entwicklung findet bei etwa 28° C statt; 30° liegt bereits im Pejus. Bei teilweise suboptimalen Verhältnissen ist eine lang same Entwicklung noch möglich: Larval- und Puppenentwicklung dauerten bei Kurztag und 20° fast 6 Monate, bei Langtag und 15° fast 5 Monate; bei Kurztag und 15° gingen mit Ausnahme eines Individuums, das 5 Monate benötigte, alle zugrunde.

Sogar bei Langtag und 20° kann ein kleiner Teil Entwicklungsver zögerung haben, die über 6 Monate dauert. Selbst aus dem gleichen Ge lege können einige Individuen trotz optimaler Bedingungen spontan dia-pausieren, während sich die Mehrzahl ohne Diapause normal schnell weiter entwickelt. Dadurch kann für einen Teil der Population die Sommergeneration ausfallen. Diese genetische Variabilität wird als wichtige ökologische Anpassung an die Umwelt gedeutet.

Die Nachkommen von Tieren, die mit Entwicklungsverzögerung auf gewachsen waren, zeigten alle die gleiche Entwicklungshemmung, obwohl sie zeitlebens bei Langtag und 20° C gehalten wurden. Die Sensibilisierung für Diapause muß daher schon das Muttertier betroffen haben.

Normalerweise werden 6 Larvenstadien durchlaufen, die durch 5 Häutungen getrennt sind. Jedoch führen die Entwicklungsverzögerungen zu einigen zusätzlichen Häutungen im Verlauf des 4. und 5. Stadiums. Das Wachstum der Larven geht nicht gleichmäßig geometrisch nach der Dyarschen Regel vor sich, vielmehr ändert sich der Wachstumsfaktor im 4. Stadium.

Sideridis pallens, hat eine fakultative Larvaldiapause, die nach der Terminologie vonH. J. Müller (1966) am besten als „diapausäre Oligopause” bezeichnet werden könnte.

Summary

Sideridis pallens, now common in the agrarian landscape, originated from habitats of the “Litoraea formations”. Under field conditions in NW Germany it has 2 generations per year. It belongs to the type with facultative larval diapause which is induced by short day and low temperature. According to the terminology ofH. J. Müller (1966) it could be best designated as diapauselike Oligopause. The summer generation develops in 6–8 weeks from the egg to the imago. The winter generation, from eggs laid in September, overwinters as larva 4 mainly in the stalks of plants and needs still 6–8 further weeks to continue the development to the adult during the spring. Young larvae differ from older ones in their behaviour, in their way of feeding and in the time of day activity. The developmental optimum lies at 28° C. At partly suboptimal conditions (short day and 20°, 15° and long day) the development is not completely arrested but retarded to 5–6 months. Even at optimal conditions a part of the population can undergo a spontaneous diapause with retarded development, this concerns likewise individuals hatched from the same egg cluster. The genetical variability of the diapause behaviour is regarded as an important ecological factor of adaptation to the environment. The offspring from individuals with delayed development showed the same retarded growth even when optimal conditions were given throughout their life. It is supposed therefore, that the stimuli releasing diapause already must have effected the parental generation. At normal development 6 larval stages occured, while at retarded deve- *** DIRECT SUPPORT *** AX104104 00003

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Copyright information

© Springer-Verlag 1967

Authors and Affiliations

  • Wolfgang Tischler
    • 1
  1. 1.Lehrstuhl für ÖkologieZoologisches Institut der Universität KielKiel

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