Proben vom Rindermuskel (post rigor) wurden auf verschiedene Temperaturen zwischen − 5° und −196 °C mit unterschiedlicher Geschwindigkeit eingefroren und bei Zimmertemperatur aufgetaut. Die Aktivitäten der Mitochondrien-Enzyme Lipoamid-dehydrogenase, Citratsynthase und β-Hydroxyacyl-CoA-dehydrogenase wurden im Überstand des Gewebehomogenats in Phosphatpuffer (Gesamtaktivität des Enzyms) sowie im Preßsaft des unzerkleinerten Gewebes (Enzymaktivität im Sarkoplasma) bestimmt.
Weder die Temperatur noch die Geschwindigkeit des Gefrierens (variierend zwischen 25,5 und 0,01 min/°C) zeigten eine signifikante Wirkung auf die Gesamtaktivität der Enzyme. Gefrieren bei −5° und −10°C (bei unterschiedlicher Geschwindigkeit, doch ohne intracelluläres Gefrieren) und Auftauen führten zu keiner nennenswerten Freisetzung der Enzyme. Unterhalb von −10°C nahm die Freisetzung der drei Enzyme aus ihrer Bindung an die innere Membran des Mitochondrions in die Flüssigkeit des Sarkoplasmas bei schnellem Gefrieren mit abnehmender Gefriertemperatur, d. h. mit zunehmender intracellulärer Eisbildung zu, während es bei langsamem Gefrieren, d. h. bei ausschließlich extracellulärer Eisbildung, unterhalb −20°C zu keiner weiteren Freisetzung der Enzyme kam. Bei Gefriertemperaturen unter −20°C führte rasches Gefrieren zu einer signifikant stärkeren Freisetzung der Enzyme als langsames Gefrieren.
Aus diesen Ergebnissen wurde gefolgert, daß die Schädigung von Mitochondrien-Membranen bei raschem Gefrieren primär auf der intracellulären (und möglicherweise auch intramitochondrialen) Eisbildung beruht, während die Membranschädigung bei langsamem Gefrieren im wesentlichen der Dehydratation zuzuschreiben ist, die durch die osmotisch bedingte Wanderung des Wassers aus den Muskelfasern in den extracellulären Raum hervorgerufen wird. Die Konzentrierung von Salzionen im nichtausfrierenden Teil des Gewebewassers dürfte für die Desintegration der Mitochondrien-Membranen nur von untergeordneter Bedeutung sein.