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Psychologische Forschung

, Volume 17, Issue 1, pp 268–305 | Cite as

Erfolg, Ausdauer und Aktivität beim Säugling und Kleinkind

  • Sara Fajans
  • Kurt Lewin
Untersuchungen zur Handlungs- und Affektpsychologie

Zusammenfassung

  1. I.

    Erfolg und Mißerfolg der Aktionen zeigen sowohl beim Säugling wie beim Kleinkind eine starke Nachwirkung.

    DerMißerfolg äußert sich in einer starkenPassivierung, Einschüchterung, die sich vor allem in der Abnahme der Dauer und Stärke der Zuwendungsaktionen und dem Umkippen der „sachlichen” Situation in einesoziale äußert (Verlegenheit).

    Erfolg führt demgegenüber zu eineAktivierung, die sich vor allem in ausdauernder, aktiverer Zuwendung und einem sehr viet freieren Gesamtverhalten äußert.

     
  2. II.

    Dem Erfolg bzw. Mißerfolg, die nicht nur die Leistung, sondern das ganze Selbstbewußtsein des Kindes verändern, im gewissen Grade äquivalent sindTröstungen durchErsatzbefriedigung undErmunterung durchZuspruch odergute Behandlung während der Pause. Es ergibt sich eine gradweise abgestufte Wirkung von: Erfolg mit Ermunterung, Erfolg, Tröstung, Mißerfolg.

    Viel stärker als beim Erwachsenen treten beim Kinde auch außerhalb der Zone der Leistungsfähigkeit (also bei viel zu schweren Aufgaben) Mißerfolgs- und Erfolgserlebnisse auf.

     
  3. III.

    Sowohl das Verhalten der Säuglinge wie das der Kleinkinder zeigt starke individuelle Unterschiede des Aktivitätsgrades und der Ausdauer, die mit charakterologischen Eigentümlichkeiten und der jeweiligen Einstellung zum sozialen Umfeld zusammenhängen. Das tatsächliche Verhalten kann jedoch durch Erfolg und Mißerfold während des Versuches in weiten Grenzen verschoben werden.

     

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References

  1. 1.
    Vgl.Hoppe, Erfolg und Mißerfolg. Psychol. Forsch.14 (1930). —Vgl. auchDembo, Der Ärger als dynamisches Problem. Psychol. Forsch.15 (1931).Google Scholar
  2. 2.
    Karl Mannheim, Über das Wesen und die Bedeutung des wirtschaftlichen Erfolgsstrebens. Arch. Sozialwiss. u. Sozialpolitik63, H. 3 (1930). —Gustav Ichheiser, Über die Doppeldeutigkeit im Begriff der Tüchtigkeit. Psychotechn. Z.6, Nr 3 (1931).Google Scholar
  3. 3.
    S. Fajans, Die Bedeutung derEntfernung für die Stärke eines Aufforderungscharakters beim Säugling und Kleinkind. Psychol. Forsch.17 (1933). Wo auf diese Arbeit zurückgegriffen wird, bezeichnen wir sie als I, die gegenwärtige Arbeit als II.Google Scholar
  4. 1.
    Tab. 1 und 1a umfassen nur die Anordnungen I–IV der oben genannten I. Arbeit, da in der Anordnung V der 2. Nah- und der 2. Weitversuch wegen eines eingeschalteten Versuches (vgl. I. Arbeit, a. a. O. S. 238f.) nicht wie in den Anordnungen I–IV an der 3., sondern erst an der 4. Stelle stattfand.Google Scholar
  5. 1.
    Dabei spielt allerdings der dazwischenliegende Versuch in der anderen Entfernung eine Rolle.Google Scholar
  6. 2.
    Vgl.Hetzer u.Wolf, Babytests. Z. Psychol.107, 62 (1928), S. 93 und 94.Google Scholar
  7. 3.
    Vgl.A. Karsten, Psychische Sättigung. Psychol. Forsch.10, 2/4, 149 (1928).Google Scholar
  8. 1.
    Beim Säugling muß man im ganzen allerdings bei der Durchführung der Versuche auf etwaige Ermüdungserscheinungen recht genau achtgeben.Google Scholar
  9. 1.
    Nur wenn das Kind in der Pause sich intensiv mit anderen Dingen beschäftigte, unterließ der Vl. bzw. die Mutter diese Tröstung.Google Scholar
  10. 2.
    Vgl.F. Hoppe, a. a. O. S. 46 f. Erfolg und Mißerfolg. Psychol. Forsch.14 (1930).Google Scholar
  11. 3.
    Diese Annahme ist, wie wir später sehen werden (vgl. S. 290 ff.), nich ganz zutreffend.Google Scholar
  12. 1.
    Wegen der qualitativen Verschiedenheit im Verhalten (dauerndes Springen während der Versuche) wurden aus Tab. 3b 2 Kinder und aus der Tab. 3a 1 Kind ausgeschaltet und besonders aufgeführt. (Auf diese Fälle gehen wir auf S. 297 ein.)Google Scholar
  13. 2.
    Über Ausnahmen vgl. S. 285f. (Hannchen) und S. 291.Google Scholar
  14. 3.
    Das gilt nur durchschnittlich. Für die einzelnen Vpn. ergeben sich Abweichungen, da der Mißerfolg sich bei den passiven Kindern öfters nicht in einer Abnahme der Zuwendungen zeigt, sondern in einer Passivierung, die das Aus-dem-Felde-Gehen erschwert (siehe S. 284).Google Scholar
  15. 1.
    Wir haben uns hier mit nur wenigen Säuglingen begnügt, da das Ergebnis mit dem der früheren Anordnungen übereinstimmt.Google Scholar
  16. 1.
    Um die Wirkung des Mißerfolges mit der des Erfolges in bezug auf das Verhalten eines aktiven Kindes vergleichen zu können, haben wire als Beispiel kein extrem aktives Kind gewählt, da ein solches von vornherein eine so starke Zuwendung zeigt, daß eine Steigerung nach Erfolg kaum möglich ist.Google Scholar
  17. 1.
    AuchAdler weist vielfach auf die Passivierung des Kindes und das Abdrängen vom ursprünglichen Ziel auf Grund eines Mißerfolges hin (vgl.A. Adler, Praxis und Theorie der Individualpsychologie: Verwahrloste Kinder. München: J. F. Bergmann 1924, S. 238ff.). Allerdings hat der Begriff des Abdrängens bei ihm eine stark teleologische Note, während wir in dem Aus-dem-Felde-Gehen und dem damit zusammenhängenden Übergang zu anderen Aufgaben eine Auswirkung der Feldvektoren und der zugrunde liegenden seelischen Spannungen sehen.Google Scholar
  18. 1.
    Man könnte bei dieser Anordnung einwenden, daß die kürzere Zuwendungsdauer nach Mißerfolg nichts mit Passivierung zu tun habe, sondern auf einer einfachenEinsicht in die Unmöglichkeit des Erreichens des Zielobjektes basiere, zu der das Kind im 1. Versuch gekommen sei. Sicherlich spielt bei den Kleinkindern die Einsicht eine wesentliche Rolle. Trotzdem wäre eine solche Erklärung nicht ausreichend; denn wäre die Einsicht allein beherrschend, so bliebe unerklärt, warum sich das Kind überhaupt von neuem dem Zielobjekt zuwendet. Immerhin wäre es gut, unsere Ergebnisse mit einer Anordnung nachzuprüfen, in der der auf Erfolg oder Mißerfolg folgende 2. Versuch in einer andersartigen Aufgabe besteht.Google Scholar
  19. 1.
    Das Divergieren des Verhaltens wird in diesem Beispiel wahrscheinlich durch den Altersunterschied gesteigert, doch zeigt der Gesamtdurchschnitt der Kinder sowie unser nächstes Beispiel, daß der Altersunterschied hier nur eine sekundäre Rolle spielt.Google Scholar
  20. 2.
    Das passive Kind in der Erfolgsanordnung zeigt im 1. Versuch sogar eine geringere Aktivität als das in der Mißerfolgsanordnung.Google Scholar
  21. 1.
    Vgl.Dembo, a. a. O. Der Ängerals dynamisches Problem. Psychol. Forsch.15 (1931). S. 56f.Google Scholar
  22. 1.
    Auch in Tab. 6 werden 2 Kinder (wegen dauernden Springens während der Versuche) besonders angeführt (vgl. S. 278, Anmerkung 1).Google Scholar
  23. 1.
    Vgl.F. Hoppe, a. a. O., Erfolg und Mißerfolg. Psychol. Forsch.14 (1930). S. 60.Google Scholar
  24. 1.
    Irmgard K. (3; 11) und Hilmar W. (3; 6) und Günter Sch. (5; 10). Allerdings dürfte hier, wie erwähnt, auch mitspielen, daß die Kinder sich beim 2. Male deshalb nicht bemühen, weil sie glauben, der VI. werde ihnen zum Schluß schon zu Hilfe kommen. Jedenfalls aber fehlt dem phänomenalen Befunde nach ein deutliches Erfolgserlebnis.Google Scholar
  25. 1.
    Fortsetzung des Beispieles von S. 280.Google Scholar
  26. 2.
    Vgl.F. Hoppe, a. a. O., Erfolg und Mißerfold. Psychol. Forsch.14 (1930), S. 55f.Google Scholar
  27. 1.
    Vgl.Dembo; a. a. O., Erfolg und Mißerfold. Psychol. Forsch.14 (1930) S. 62f.Google Scholar
  28. 2.
    Vgl.F. Hoppe, a. a. O., Erfolg und Mißerfolg. Psychol. Forsch.14 (1930) S. 32ff.Google Scholar
  29. 1.
    Vgl.K. Lewin, Environmental Forces in Child Behavior and Development. inMurchison, Handbook of Child Psychology. Clark University Press. 1931, S. 97 f.Google Scholar
  30. 1.
    Ein Kind verließ im 3. Versuch das Zimmer, die beiden anderen gingen zu einem Spiel über.Google Scholar
  31. 1.
    Die Gruppierung betrifft 10 Kinder der Anordnung IIa und 12 Kinder der Anordnung IIb. Die Tabelle bezieht sich auf den 1. Nahversuch.Google Scholar
  32. 1.
    Ein Kind, das zu der sehr aktiven Gruppe der Säuglinge gehört, geben wir gesondert wegen der großen Abweichung in der aktiven Zuwendung.Google Scholar

Copyright information

© Verlag von Julius Springer 1933

Authors and Affiliations

  • Sara Fajans
    • 1
  • Kurt Lewin
    • 1
  1. 1.Psychologischen Institut der Universität BerlinBerlinDeutschland

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