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Über Uran anreichernde Warzen- und Knöpfchensinter an österreichischen Thermen, insbesondere in Gastein

  • F. Scheminzky
  • W. Grabherr
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Zusammenfassung

An den Austritten der Thermalquellen von Badgastein (Salzburg), Hintertux (Tirol) und Kleinkirchheim (Kärnten) wurden bisher unbeachtet gebliebene, besonders gut entwickelte Kalksinter von Warzen-und Knöpfchenform gefunden. Nach Gestalt und Größe, schaligem Bau der Warzen und ihrem Vorkommen in höhlenartig abgeschlossenen Quellfassungen, Stollen, Felsspalten oder Felsnischen erinnern diese Sinter an analoge Formen, wie sie von Höhlen her bereits bekannt sind und die nachMagdeburg unter Mitwirkung von Cyanophyceen entstehen. Auch in den Warzensintern der genannten österreichischen Thermen wurden Blaualgen gefunden, die vermutlich den Gruppen der Chrooccocalen oder Dermocarpalen angehören; es ist daher fast sicher, daß auch diese Sinter sich unter Mitwirkung von Blaualgen bilden, wobei zunächst offen gelassen wird, ob die Kalkabscheidung aktiv durch den Assimilationsprozeß der Algen oder bloß passiv durch das Vorhandensein einer geeigneten Matrix für den Verdunstungsprozeß erfolgt. Von besonderem Interesse ist, daß diese WarzensinterUran enthalten. Bei den besonders uranreichen Sintern der Fledermaus-Quelle (Quelle Nr. X) in Badgastein mit 10−3 g U/g kann eine gelbgrüne Eigenfluoreszenz im filtrierten UV.-Licht mit den charakteristischen Uranbanden im Fluoreszenzspektrum beobachtet werden; der Urangehalt der übrigen Warzensinter (50−5. 10−6g U/g in Badgastein, 30. 10−6g U/g in Hintertux, 1. 10−6g U/g in Kleinkirchheim) ließ sich nur mit der fluoreszierenden Natriumfluoridperle nachHernegger nachweisen. Da das Material der Warzen und Knöpfchen nur aus den Thermalwässern stammen kann, ist durch den Urannachweis im Sinter zugleich auch ein qualitativer Urannachweis in den Quellwässern selbst geführt. Der Urangehalt der untersuchten Warzensinter liegt fast immerüber dem durchschnittlichen Urangehalt der Erdrinde mit 4. 10−6g U/g und stetswesentlich über dem Urangehalt der mit den Sintern chemisch vergleichbaren Kalk- und Dolomitgesteine. Da der Urangehalt je Gramm der genannten Thermalwässer—der eben von Dr.F. Hernegger am Institut für Radiumforschung in Wien untersucht wird—mit hoher Wahrscheinlichkeit wesentlichunter dem Urangehalt der Warzensinter liegen wird, ist in der Sintermasse wohl eine ausgesprochene Urananreicherung anzunehmen.

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Copyright information

© Springer-Verlag 1951

Authors and Affiliations

  • F. Scheminzky
    • 1
  • W. Grabherr
    • 1
    • 2
  1. 1.Forschungsinstitut Gastein in Badgastein (Mitteilung Nr. 54)Innsbrucku. Badgastein
  2. 2.Physiologischen Institut der Universität InnsbruckInnsbruck

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