Untersuchungen über die Desinfektionskraft des Sublimats

  • Max Steiger
  • A. Döll
Article

Zusammenfassung

  1. 1.
    In Bestätigung und durch Erweiterung der Versuche von Ottolenghi, Kroner und Naumann konnten wir feststellen: Die bisher geltende Annahme, daß Sublimat in wässeriger Lösung von 1∶1000 innerhalb kurzer Zeiträume die pathogenen Bakterien abtötet, ist nicht mehr aufrecht zu erhalten. Durch Neutralisieren des Sublimats mittels Schwefelwasserstoffs nach der Formel
    $$HgCl_2 + H_2 S = 2HCl + HgS$$
    ist man imstande nachzuweisen, daß nur ein Teil der mit dem Sublimat in Kontakt gebrachten Mikroben wirklich abgetötet wird.
     
  2. 2.

    Bei Verwendung quantitativer Methoden lassen sich von den in Sublimatlösungen befindlichen Mikroorganismen etwa 2·5 Promille als entwicklungsfähig nachweisen, selbst nach 30 Minuten langer Einwirkung dieses Desinfiziens.

     
  3. 3.

    Obwohl es auf Grund der Auswaschungsversuche wahrscheinlich ist, daß das Sublimat anscheinend nicht nur oberflächlich absorbiert, sondern in den Zellen selbst verankert ist, bedarf diese Frage wegen ihrer praktischen Wichtigkeit noch weiterer Klärung.

     
  4. 4.

    Die Virulenz der in den Sublimatlösungen während gewisser Zeiträume suspendierten Mikroben wird bei den einen in relativ geringem (Pneumokokken), bei anderen in etwas stärkerem Grade (Paratyphus B) abgeschwächt, wenn man durch nachträgliches Zugeben von Schwefelwasserstoff das Sublimat neutralisiert.

     
  5. 5.

    Da Sublimat in Gegenwart vonEiweiß viel weniger wirksam ist als in rein wässerigen, eiweißfreien Medien, so ist trotz der Anschauung, daß es eines der wirksamsten Desinfektionsmittel in der chirurgischen Praxis sei, die Desinfektion mit Quecksilberbichlorid jedenfalls da, wo Blut, Eiweiß usw. vorhanden ist, nicht sehr hoch einzuschätzen.

     
  6. 6.

    Bei der heute noch von vielen Ärzten unterschätzten Giftigkeit des Sublimats in stärkeren Konzentrationen sind die oben mitgeteilten Resultate von großer praktischer Bedeutung, auch für die Händedesinfektion.

     

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References

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Copyright information

© Verlag von Veit & Comp. 1913

Authors and Affiliations

  • Max Steiger
    • 1
  • A. Döll
    • 1
  1. 1.Institut zur Erforschung der Infektionskrankheiten der Universität BernBernSchweiz

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