Die Bedeutung des weißen Blutbildes im Verhältnis zur Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit bei der klinischen Beurteilung einzelner Formen der Lungentuberkulose

  • J. Leitner
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Zusammenfassung

Es wird über die Ergebnisse von Untersuchungen der Blutsenkung und des Blutbildes bei 137 Fällen berichtet. Von 109 Kranken mit aktiver Lungentuberkulose zeigten 92 (=84,3%) eine Linksverschiebung der Neutrophilen, während sie in 17 Fällen vermißt wurde (=15,7%). Die Blutsenkungsprobe war in 35 Fällen normal (=32,1%) und in 74 Fällen erhöht (=67,9%). Die Senkung versagte also wesentlich häufiger als das Blutbild; bei 10 Kranken mit normaler SG wurde ein Ansteigen derselben später beobachtet, so daß bei Serienuntersuchungen die Zahl der Versager auf 25 (=22,8%) heruntersank. Bei 26 Kranken mit inaktiver Lungentbc. war nur 2 mal erhöhte SG bzw. ein verändertes Blutbild feststellbar (=7,6%). Wenn im Blutbild außer den Neutrophilen die anderen Zellarten berücksichtigt werden, so wird man bei einem noch höheren Hundertsatz der aktiven Tbc. pathologische Veränderungen feststellen können. In manchen Fällen wird auch das rote Blutbild diagnostisch nützlich sein (Beachtung der Reticulocyten). Wichtiger ist das Verhalten der Monocyten, Eosinophilen und Lymphocyten. Die ersteren sind immer ein Zeichen, daß der tuberkulöse Prozeß noch nicht zur Ruhe gekommen ist, sondern daß sich der Organismus noch im Kampf mit der Krankheit befindet (Abwehrphase), dessen Ausgang von dem gleichzeitigen neutrophilen oder Lymphocytenblutbild gezeigt wird. Die Eosinophilie ist im Gegensatz zu der früheren Auffassung nicht ein Zeichen der Heilung, sondern stets ein Symptom der Aktivität, da sie ja bei hyperallergischen Reaktionen vorkommt. Lymphocytosen mittleren Grades bedeuten noch nicht eine Heilphase, dagegen sind ausgeprägte Lymphopenien in der Regel bei schweren aktiven Tuberkulosen zu finden. Die danach auftretenden Lymphocytosen sind günstig und zeigen eine Besserung im Sinne der Neigung zur Latenz an. Neben diesen Blutbildveränderungen kommt auch den pathologischen Veränderungen der Leukocyten (toxische Granulationen, Kernpyknose) eine gewisse diagnostische Bedeutung zu. Durch Kombination des Blutbildes mit Tuberkulinanwendung und mit dem lokalen Blutbild lassen sich die diagnostischen Möglichkeiten erweitern. Das Blutbild vonSchilling eignet sich für die praktisch-klinische Anwendung besser als dasArnethsche, da das letztere sowohl in der Technik als auch in der Deutung zu kompliziert ist. Die Phasenlehre hat keine allgemeine Gültigkeit, doch ist sie als Anhaltspunkt für die Deutung des Blutbildes nützlich. Die Ausführung der beiden technisch einfachen und für die Tuberkulosediagnostik aufschlußreichen Reaktionen (SG und BB) ist schr empfehlenswert.

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Copyright information

© Verlag von Julius Springer 1935

Authors and Affiliations

  • J. Leitner
    • 1
  1. 1.Leipzig

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