Über “liquorstumme Phasen” im Verlauf der streptomycin-behandelten Meningitis tuberculosa

  • Dagobert Müller
Article

Zusammenfassung

Es wird an Hand eines interkurrent verstorbenen Falles einer liquorsanierten Meningitis tuberculosa nachgewiesen, daßtrotz manifesten exsudativen Prozesses an der basis eine geringe fibröse Randschicht genügt, um bei unterbrochener Liquorzirkulation diese Basismeningitis “liquorstumm” werden zu lassen. Von einer “Heilung mit oder ohne Defekt” kann in solchen Fällen keine Rede sein. Erst das Encephalogramm deckt die massiven anatomischen Veränderungen intra vitam auf und ergibt eine entsprechend ungünstige Prognose.

Es ergibt sich daraus, daß entgegen den üblichen Betrachtungen des Liquorsyndroms bei einer Meningitis in den Fällen mit Meningitis tuberculosa dasLiquorbild allein sowohl zur Stellung der Diagnose wie auch der Prognosenicht brauchbar ist. Es kann zu einer förmlichen “Inversion” der Liquorbilder kommen, d. h. hohe Zellzahlen ergeben eine günstige, niedrige Zellzahlen eine ganz ungünstige Prognose. Erst in Verbindung mit dem Encephalogramm ergibt sich die Erklärung dieser Erscheinung.

Es wird daher vorgeschlagen, für derartige Bilder mit ihrem klinisch wechselvollen Verlauf den Begriff des “Rezidives” nicht mehr zu gebrauchen, sondern von “Schüben” bzw. “Rekrudescenzen” im Rahmen einer “liquorstummen Phase” einer Meningitis tuberculosa zu sprechen.

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Copyright information

© Springer-Verlag 1953

Authors and Affiliations

  • Dagobert Müller
    • 1
  1. 1.Kinderklinik des Allg. Krankenhauses Hamburg-Heidberg und der Behandlungszentrale für Meningitis tuberculosa des Kindes in HamburgHamburg-Langenhorn 2

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