Die Formgesetze der Veratrinkurve des Froschmuskels

  • B. Mostinsky
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Zusammenfassung der Resultate

Die Untersuchung der Gesetzmäßigkeiten der Form des Veratrinmuskels am ausgeschnittenen Präparate führt zu keinen Resultaten, da dieser Muskel seinen physiologischen Zustand beständig ändert, so daß bei konstanten Außenbedingungen verschiedene Kurvenformen auftreten. Dagegen ist der im Tiere belassene Muskel zur Lösung der Aufgabe geeignet. Kontrolliert man den Vergiftungsverlauf nach subkutaner Injektion von 0,01–0,02 mg Veratrin durch fortgesetzte Reizungen, so ergibt sich, daß die endliche Form der Veratrinzuckung sich in stetigen Übergängen verfolgen läßt. Die ersten Andeutungen erscheinen als Rückstandskontraktion, die sich indessen bald zu einer selbständigen in beiden Dimensionen wachsenden gestreckt verlaufenden sekundären Kontraktion entwickelt. Die sekundäre Kontraktion wird größer und größer und rückt immer mehram absteigenden Kurvenaste der primären Kurve empor, um schließlich ganz mit ihr zu verschmelzen. Dementsprechend hat man zwei Formtypen der Veratrinkurve zu unterscheiden: die zweigipflige und die verschmolzene. Die letztere ist die Folge einer stärkeren Vergiftung, als die erstere. — Bei gegebenem Grade der Vergiftung und gleicher Stärke des Reizes ist die Form jeder Einzelzuckung bestimmt durch die Länge der sie von vorhergehender trennenden Ruhepause. Reizt man mit dem Intervalle diese Pause rhythmisch, so bleibt die zugehörige Zuckungsform für alle Einzelzuckungen des Rhythmus konstant. Verändert man beim konstanten Rhythmus die Reizgröße, so ändert sich damit auch die Kurvenform, sie nimmt an Höhe ab und geht eventuell aus der verschmolzenen Form in die zweigipflige über. Die Höhenabnabme der Kurve ist im allgemeinen nicht proportional der Abnahme der Reizstärke, sondern erfolgt kritisch, worin eine Annäherung des Veratrinzustandes des Skelettmuskels an den Zustand des normalen Herzmuskels gesehen werden kann.

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Literatur

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    Außerdem hat G. S. Locke gefunden, daß in einem gewissen Stadium der Äthernarkose der Veratrinzustand quoad Kurvenform dem normalen Platz macht. The Journal of exp. Medicin. Vol. I. Nr. 4. 1896.Google Scholar
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    Anmerkung bei der Korrektur: Die feineren Diffenzierungen der Einzelkurven sind in der Reproduktion verschwunden. Ihre Einzelheiten sind aus Fig. 4. pg. 314 ersichtlich.Google Scholar
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    Einige der von Overend mitgeteilten Versuche mit Variation der Reizstärke zeigen dieselbe Gesetzmäßigkeit wie die meinigen. Da Overend aber den Einfluß der Reizfrequenz, d. h. der Dauer der vorhergehenden Ruhe auf die Zuckungsform nicht bekannt war, scheint diese Gesetzmäßigkeit der Overendschen Kurven nur eine zufällige zu sein.Google Scholar
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    Es sei nochmals besonders darauf hingewiesen, daß alle die entwickelten Gesetzmäßigkeiten nur für die mechanische Zuckungskurve gelten. S. Garten (Pflügers Archiv 1899. Bd. 77. pg. 485) fand, daß die Kurve der negativen Schwankung des Veratrinmuskels die verschmolzene Form zeigt, während gleichzeitig die mechanische Kurve zweigipflig war. Zwischen den beiden Vorgängen bestehen offenbar große zeitliche Differenzen.Google Scholar
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    Fick sieht bekanntlich prinzipiell auch im Skelettmuskel einen besonderen Fall des Herzmuskels und schreibt die Eigenschaft, auf Schwellenwert maximal zu zucken, jeder Art Muskulatur zu. Nach meinen Versuchen ist auch bezüglich seiner Erregbarkeit der Veratrinmuskel eine noch größere Annäherung an den Herzmuskel. — Fick, S. 104–105, Mechanische Arbeit bei der Muskeltätigkeit (1882) schreibt: „Reizanstöße unter einer gewissen, allerdings sehr geringen Stärke wirken gar nicht merklich verkürzend auf den Muskel. Erhebt sich die Stärke des Reizes über diese Grenze, so wird die Verkürzung merklich und wächst annähernd proportional dem Zuwachs der Reizstärke. Aber schon bei einem Werte der Reizstärke, der nur sehr wenig über demjenigen liegt, welcher die erste, eben merkliche Zuckung auslöst, erreicht die Verkürzung eine Grenze, die bei weiterer Steigerung des Reizes nicht mehr überschritten und bei noch so großer Reizstärke mit der Genauigkeit einer Maschine jedesmal eingehalten wird. Den Vorgang dieser größten Verkürzung und Wiederverlängerung nennt man eine „maximale Zuckung”. Man könnte hiernach das Gesetz auch so ausdrücken: Jeder Reizanstoß löst entweder eine maximale oder gar keine Zuckung aus; nur in einem sehr beschränkten Intervalle der Reizskala, das wegen seiner Kleinheit oft faktisch schwer zu treffen ist, liegen Reizstärken, die untermaximale — sozusagen unvollständige — Zuckungen auslösen”.Google Scholar
  12. 1).
    Es ist interessant, daß auch für den in mancher Beziehung dem Veratrinmuskel nahestehenden Glyzerinmuskel Santesson (Skandinav. Archiv f. Physiologie 1903. Bd. XIV. S. 8 des Sep.-Abd) das Gesetz der maximalen Zuckung bestätigt fand. Vielleicht bringen hier Untersuchungen am streng rhythmisch gereizten Präparate noch wertvolle Aufklärungen.Google Scholar
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    Es ist allerdings auch denkbar, daß die beständige rhythmische Tätigkeit derartige langgestreckte Kontraktionen von geringer Höhe irgendwie vernichtet.Google Scholar
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Copyright information

© Verlag von F.C.W. Vogel 1904

Authors and Affiliations

  • B. Mostinsky
    • 1
  1. 1.pharmakologischen Institut der Universität LeipzigLeipzigDeutschland

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