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Über eine ungewöhnliche Form der Radiumvergiftung in der Leuchtfarbenindustrie

  • P. Rößing
Article

Zusammenfassung

Es wird über eine 34jährige Montiererin berichtet, welche sieh beim Auftragen stark radioaktiver Leuchtfarben eine Radiumvergiftung zuzog. Durch Strahlenmessung in Urin, Stuhl und Nasensekret konnte die Aufnahme radioaktiver Stoffe nachgewiesen werden. Besonders stark war die Strahlung einer Nasensekretborke. Bei Auflegen der Borke auf einen unbelichteten Film trat in etwa 3facher Ausdehnung Schwärzung des Filmes ein. Im Vordergrund der klinischen Symptome stand eine hochgradige Hypersomnie mit tiefstem Schlaf bis zu 21 Stunden und eine Grundumsatzerniedrigung von — 15,2%.

Die Erscheinungen werden erklärt als direkte lokale Strahlenwirkung auf die Zwischenhirnregion, ausgehend von einem in der oberen Nase haftenden, mit aktiver Substanz vermischten Nasensekretstück. Ob die Schädigung in erster Linie auf Radium oder auf Mesooder Radiothorium zurückzuführen ist, bleibt ungeklärt, da alle drei Substanzen in der Leuchtfarbe enthalten waren.

Wie die Besichtigung des Arbeitsplatzes zeigte, war besonders fahrlässig mit den radiumhaltigen Stoffen gearbeitet worden. Weder die Arbeiterinnen noch der Betriebsleiter waren sich der Gefahr der Strahlung bewußt. Zur Vermeidung weiterer Erkrankungsfälle wurden die Anbringung einer metallenen, siebförmigen Tischplatte, eines Exhaustors zur Absaugung der Emanation, Benutzung eines dauernd feucht zu haltenden Lappens zum Abwischen der überschüssigen Farbe, Tragen Von Schutzkleidung und Gummihandschuhen, häufigerei Arbeitsplatzwechsel und Kürzung der Arbeitszeit angeordnet.

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Copyright information

© Springer-Verlag 1942

Authors and Affiliations

  • P. Rößing
    • 1
  1. 1.Universitätsinstitut für Berufskrankheiten BerlinDeutschland

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