Archiv für Ohren-, Nasen- und Kehlkopfheilkunde

, Volume 181, Issue 5, pp 408–417 | Cite as

Morphologische und funktionelle Untersuchungen zur Stimmgebung der Primaten

  • B. Minnigerode
Article

Zusammenfassung

Morphologische Untersuchungen an makroskopischen Präparaten und mikroskopischen Schnittserien des Primatenkehlkopfes deuten daraufhin, daß trotz zahlreicher Übereinstimmungen im anatomischen Bau, insbesondere im Verhalten des Vocalissystems, grundlegende Unterschiede zwischen dem Stimm-Mechanismus des Menschen und der Primaten bestehen. Von wesentlicher Bedeutung für die Phonation bei den Primaten sind: der Bau des weichen und harten Gaumens, der Hochstand des Kehlkopfes mit retropalatinaler Lage der Epiglottis, Ursprung und Insertion des M. vocalis und seine Verbindung zu dem elastischen System der Plica vocalis, der Bau des Aryknorpels mit konstanter Ausbildung eines Hiatus intervocalis sowie das Verhalten der Wrisbergschen Knorpel und der Taschenbänder bei der Phonation, das ebenso wie der Glottisverschluß wesentlich vom Funktionszustand des M. laryngo-pharyngicus und M. cricothyreoideus beeinflußt wird. Funktionelle Untersuchungen am unfixierten Pharynx-Larynxpräparat und die Beobachtung lebender Affen während der Stimmgebung sowie deren phonographische Registrierung lassen zwei grundsätzlich verschiedene Vorgänge erkennen: Pfeifbzw. Schrilltöne, denen der Mechanismus der Lippenpfeifen zugrunde liegt, und Krächz- oder Zwitschertöne, deren Entstehungsform sich am ehesten mit dem Verhalten durchschlagender Zungenpfeifen vergleichen läßt. Die Erzeugung beider Tonarten stellt eine noch ungeordnete phonische Produktionsform dar, von denen die erstere mit den Schrilltönen menschlicher Säuglinge weitgehend identisch zu sein scheint.

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Copyright information

© Springer-Verlag 1963

Authors and Affiliations

  • B. Minnigerode
    • 1
  1. 1.Universitäts-Hals-Nasen-Ohrenklinik GöttingenGöttingen

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