Die Kulturpflanze

, Volume 7, Issue 1, pp 37–54 | Cite as

Mutationsversuche an Kulturpflanzen XI. Die Erzeugung von somatischen Mutationen mittels Röntgenstrahlen beim Obst

  • K. Gröber
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Zusammenfassung

1. Die Methode der lokalisierten Behandlung der Reiser gestattet eine weitere Erhöhung der Strahlendosis, ohne daß die sonst bei Ganzbestrahlung beobachteten Verluste auftreten; selbst bei der Applikation von 7,500 r entwickelten sich im Durchschnitt bei den verwendeten Apfelsorten noch 80% der gepfropften Reiser. Dieser Befund wird mit der relativ größeren Empfindlichkeit der kambialen Schichten erklärt, die gegenüber den Knospen stärkere Schädigungen aufweisen. Letztere sind außerdem in der Lage, innerhalb der hier auftretenden spezifischen Strahlenschäden, die sich häufig nur auf die jüngsten Zellen des Vegetationspunktes beschränken, eine bedeutende Regenerationsfähigkeit zu entwickeln.

2. Die am einjährigen Sproß auftretenden Primäreffekte nach Röntgenbehandlung gehen auf entwicklungsphysiologische Störungen zurück, die ihre Ursache in der Direktschädigung der jüngsten Zellen der embryonalen Sproßund Blattanlagen finden. Ein Zusammenhang mit genetisch abgeänderten Sektoren ist deshalb nicht zu erwarten.

3. Hinsichtlich des Phänomens der Triebgabelung besteht eine auffällige Korrelation derart, daß auch innerhalb einer Behandlungsgruppe mit zunehmender Triebstärke die Anzahl der sich ausbildenden Sproßverbänderungen und -gabelungen ansteigt.

4. Die starke modifikative Variabilität der Fruchtmerkmale beim Apfel gestattet an Hand von nur wenigen Früchten keine sichere Aussage über den Charakter der auftretenden Veränderungen. Eine Ausnahme macht die von uns als Testmerkmal benutzte Veränderung zu „roter Fruchtfarbe“ beim ‘Weißen Klarapfel’. Von 1956 bis 1958 sind von dieser Sorte insgesamt 1132 Fruchtproben geerntet worden, von denen 54 (= 4,8%) diese Abweichung in unterschiedlich starkem Maße aufwiesen. Die empirischen Befunde geben uns die Berechtigung, die beobachteten Veränderungen als röntgeninduzierte somatische Mutationen zu betrachten.

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Authors and Affiliations

  • K. Gröber

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