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Zur Frage der Handlungsfahigkeit bei penetrierender und stumpfer Bauchverletzung

Summary

In the archives of the accident hospitals available, the data of patients who had been hospitalized because of a penetrating or blunt abdominal trauma in the last two years before the surveys were evaluated. Besides the abdominal trauma, at most trivial injuries of other regions were permitted. The data which might give information on how massive the intraabdominal injury was and/or the severity of shock symptoms were taken from the patient record sheets. Afterwards, it was attempted to obtain in an interview details on the external circumstances, the course of the accident event itself and the nature of the reaction to the trauma. Finally, 32 casualties (14 with penetrating and 18 with blunt abdominal injury) were surveyed. Fundamental differences in the behavior of these two subgroups were detected and verified with statistical test techniques. Circumspect behavior after penetrating abdominal trauma was characteristic. Nevertheless, in a few cases there was loss of the ability to act even in limited penetrating injury of the abdominal wall. However, the casualties themselves had the impression of a severe stab injury and this determined the primary reaction to the trauma. A fundamentally different behavior pattern was shown by those who had suffered a blunt abdominal injury. For them, it was typical that they became unable to act immediately or within a few seconds. With regard to the significance of pain, the restriction of motor movements as well as the relation of assumed and clinically verified injury severity is dealt with in respect of the capacity to act in a comparison of the two subgroups.

Zusammenfassung

In den Archiven der zugänglich gemachten Unfallkrankenhäuser wurden die Krankenunterlagen von den Patienten ausgewertet, die in den letzten beiden Jahren vor der Erhebung wegen eines penetrierenden oder stumpfen Bauchtraumas in stationäre Behandlung gelangt waren. Neben dem Bauchtrauma durften andere Regionen allenfalls Bagatellverletzungen aufweisen. Aus den Krankenblättern wurden die Daten ausgezogen, die Aufschluß über die Massivität der intraabdominellen Verletzung und/oder die Schwere einer Schocksymptomatik geben konnten.

Anschließend wurde der Versuch unternommen, in einem Interview nähere Einzelheiten über die äußeren Umstände, den Geschehensablauf selber und die Art der Reaktion auf das Trauma in Erfahrung zu bringen. Letztendlich gelang es, 32 Verletzte — 14 mit penetrierender und 18 mit stumpfer Bauchverletzung — zu befragen. Dabei wurden grundsätzliche Unterschiede im Verhalten dieser beiden Teilgruppen festgestellt und mit statistischen Prüfverfahren gesichert. So war besonnenes Verhalten nach einem penetrierenden Bauchtrauma charakteristisch. Dennoch kam es in einigen Fällen selbst bei auf die Bauchdecken begrenzter penetrierender Verletzung zum Verlust der Handlungsfähigkeit. Hier herrschte jedoch bei den Verletzten selber der Eindruck einer schweren Stichverletzung vor und bestimmte die Primärreaktion auf das Trauma. Ein grundsätzlich anderes Verhaltensmuster boten diejenigen, die eine stumpfe Bauchverletzung erlitten hatten. Für sie war es typisch, daß sie sofort oder innerhalb weniger Sekunden handlungsunfähig wurden. Ausführlich wird im Vergleich der beiden Teilgruppen auf die Bedeutung des Schmerzes, der Einschränkung der Motorik sowie der Relation von angenommener und klinisch gesicherter Verletzungsschwere im Hinblick auf die Handlungsfähigkeit eingegangen.

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Herrn Prof. Dr. G. Dotzauer zum 70. Geburtstag gewidmet

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Saternus, K.S., Bessel, G. & Staak, M. Zur Frage der Handlungsfahigkeit bei penetrierender und stumpfer Bauchverletzung. Z Rechtsmed 91, 101–114 (1983). https://doi.org/10.1007/BF02098775

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  • DOI: https://doi.org/10.1007/BF02098775

Key words

  • Possibility of action, abdominal trauma
  • Abdominal trauma, possibility of action

Schlüsselwörter

  • Handlungsfähigkeit
  • Bauchtrauma