Die elastischen Eigenschaften thorakaler Hochdruckaorten

  • Sebastian Karnbaum
  • Martin Sperling
Article

Zusammenfassung

Thorakale menschliche Hochdruckaorten verschiedenen Alters wurden nach der Methodik vonWagner u.Kapal einer Dehnung unterworfen, wobei folgende Ergebnisse festgestellt werden konnten:
  1. 1.

    Das Original-Druckvolumen-Diagramm der menschlichen thorakalen Hochdruckaorta zeigt schon altersmäßig bei den durchgeführten Untersuchungen den Verlust der gegen die Volumenabszisse konkaven Krümmung; entsprechend dem andernorts nachgewiesenen, grundsätzlich größeren Querschnitt und Volumen der thorakalen Hochdruckaorta im Vergleich zu den normalen Altersaorten werden die Dehnungskurven zufolge des zunehmenden flachen Anfangsstückes der Kurve mit wachsendem Druck immer länger.

     
  2. 2.

    Für die alternden thorakalen Aorten ist nachWagner u.Kapal ein fortschreitendes Ansteigen des Verlaufes derκ-Kurve (Ausdruck der elastischen Gefäßwandeigenschaften pro Volumeneinheit) festzustellen, was in analoger Weise altersmäßig auch für die thorakalen Hochdruckaorten gilt. Darüber hinaus wird dieκ-Kurve in ihrem flachen Anfangsteil mit steigendem Hochdruck immer kürzer und in ihrem Endstück immer steiler. Beim Vergleich derκ-Kurven thorakaler Hochdruckaorten mit essentieller und renaler Hypertonie zeigt sich grundsätzlich kein Unterschied in deren Form und Verlauf. Da experimentell und rechnerisch durch die Beziehungκ=ϱc 2 ein Zusammenhang zwischen dem Volumenelastizitätsmodul und der Pulswellengeschwindigkeit besteht, ist für die einzelnen Altersgruppen der Verlauf der Kurve vonκ und der PWG grundsätzlich der gleiche.

     
  3. 3.

    Für die Herzdynamik ist wesentlich, daß die zunehmende Starrheit des Aortenwindkessels mit dem Alter nachWagner u.Kapal eine Minderung der Windkesselfunktion zur Folge hat, wodurch sich das Verhältnis von Druck- zu Beschleunigungsarbeit des Herzens zugunsten des letzteren verschiebt. Das gleiche gilt für die Hochdruckaorten und ihre Funktion; doch fällt beim Hochdruck die Steigerung der Herzarbeit durch Vergrößerung der Druckarbeit wesentlich stärker ins Gewicht, was schon aus dem physiologischen Verhältnis der Druck- zur Beschleunigungsarbeit von etwa 0,14/0,00057 (mkg) hervorgeht.

     
  4. 4.

    Die Starrheit des Aortenwindkessels im Alter und noch mehr beim Hochdruck hat für die Blutdruckregelung der Nn. depressores 2 Wirkungen: Durch Verminderung der Dehnbarkeit der verdickten, dehnungsempfindlichen Gefäßabschnitte wird die Reizschwelle erhöht; dieselbe Füllungszunahme in der Aorta im Alter und insbesondere beim Hochdruck wird eine stärkere Reizung der Receptorenfelder hervorrufen, da der Spannungszuwachs in der Gefäßwand unter sonst gleichen Bedingungen größer ist — was an der jeweiligenκ-Kurve ohne weiteres direkt abgelesen werden kann.

     

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Copyright information

© Springer-Verlag 1957

Authors and Affiliations

  • Sebastian Karnbaum
    • 1
  • Martin Sperling
    • 1
  1. 1.Chirurgischen Klinik und dem Physiologischen Institut der Universität MünchenDeutschland

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