Tabakrauch

Ein Beitrag zur Wirkung von Tabakfeuchthaltemitteln
  • Hans -Joachim Küchle
  • Arnold Loeser
  • Gerda Meyer
  • Carl Gottfried Schmidt
  • Egon Stürmer
Article

Zusammenfassung

Rauchtabak wurden die mehrwertigen Alkohole 1,3-Butandiol oder Glycerin als Feuchthaltemittel zugesetzt, die — zumindest zum Teil — unverändert in den Rauch übergehen. Da es sich bei der Aufnahme der beiden Substanzen mit dem Tabakrauch durch die Schleimhäute und die Epithelien des Atmungstraktes um einen anders gearteten Resorptionsvorgang handelt als bei oraler Applikation, mußte untersucht werden, ob 1,3-Butandiol und Glycerin — bzw. ihre möglicherweise entstehenden Verbrennungsprodukte — hier ebenso unschädlich sind, wie bei innerlicher Anwendung.

Unter Wahrung der Konstanz aller „Rauchfaktoren“ — Zughäufigkeit (absolut und in der Zeiteinheit), Zugvolumen, Zugzeit, Verbrennungsdauer und Länge der Reste, Feuchtigkeitsgehalt — wurde die Wirkung des Rauches von Tabak, der mit Zusatz von 1,3-Butandiol oder Glycerin als Feuchthaltemittel zubereitet war, verglichen mit der des Rauches von Tabak ohne Feuchthaltemittel.
  1. 1.

    Im Verlaufe des Rauchvorganges dem tierischen Organismus beigebrachtes, d. h. dem Tabak zugesetztes 1,3-Butandiol oder Glycerin — in Substanz oder möglicherweise auch durch den Rauchvorgang chemisch verändert — erwies sich als indifferent (keine Abweichungen im Allgemeinverhalten, keine Gewichtsabnahme, keine Zeichen von Schäden der Leber oder anderer Körperorgane, des Blutes und der endokrinen Drüsen, keine zusätzliche örtliche Reizwirkung). Die Art der Anwendung und die Besonderheiten der Resorptionsbedingungen ändern nichts an der praktischen Ungiftigkeit von 1,3-Butandiol und Glycerin, wie sie für die orale Applikation wesentlich höherer Mengen dieser Substanzen a. a. O. gezeigt werden konnte. Effekte, die über die Wirkung des Tabakrauches an sich hinausgingen und auf die Zusätze — 1,3-Butandiol oder Glycerin — zu beziehen wären, kamen trotz Anwendung hoher Dosen dieser Stoffe nicht zur Beobachtung. Die Zusätze spielten in den angestellten Versuchen insofern eine gewisse Rolle, als durch Glycerin — bei Anwendung 10fach größerer (30%) als der üblichen Zusätze (3%) — eine merkbare Änderung der Rauchdichte hervorgerufen wird; damit im Zusammenhang steht eine etwas stärkere Ablagerung von Staubteilchen im Alveolarepithel der Lunge; 1,3-Butandiol-Zusatz war ohne sicheren Effekt.

     
  2. 2.

    Der Sauerstoffverbrauch von mit Tabakrauch durchströmten Hefesuspensionen wurde um mehr als die Hälfte eingeschränkt. Die Atmungshemmung war unabhängig von Art und Menge des dem Tabak zugesetzten Feuchthaltemittels (1,3-Butandiol bzw. Glycerin).

     
  3. 3.

    Die bekannte Wirkung des Tabakrauches auf empfindliche Schleimhäute (Kaninchenauge) wird unter den angegebenen Bedingungen durch Zusätze von 1,3-Butandiol oder Glycerin zum Tabak nicht verstärkt.

     
  4. 4.

    Bei freiwilligen Versuchspersonen, die während 14 Tagen Zigaretten mit 1,3-Butandiol- oder Glycerin-Zusatz rauchten, traten weder subjektive Beschwerden noch Reizerscheinungen oder Zeichen von Unverträglichkeit auf.

     

Aus den mitgeteilten Ergebnissen läßt sich ableiten, daß der zweiwertige Alkohol 1,3-Butandiol ebensowenig wie der dreiwertige Alkohol Glycerin — dem Tabak als Feuchthaltemittel zugesetzt — schädliche Wirkungen verursacht, welche über die des Tabakrauches an sich hinausgehen.

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Copyright information

© Springer-Verlag 1952

Authors and Affiliations

  • Hans -Joachim Küchle
    • 1
  • Arnold Loeser
    • 1
  • Gerda Meyer
    • 1
  • Carl Gottfried Schmidt
    • 1
  • Egon Stürmer
    • 1
  1. 1.Pharmakologischen Institut der Universität Münster i. WestfalenDeutschland

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