Zeitschrift für Präventivmedizin

, Volume 15, Issue 1, pp 303–317 | Cite as

Einige psychosoziale Korrelate der Hypertonie in einem Industriebetrieb

  • H. Geser
  • E. Zbinden
Psychohygiene

Zusammenfassung

Bei 600 Arbeitern und Angestellten eines schweizerischen Industriebetriebs der Maschinenbranche wurde der Blutdruck in Beziehung gesetzt zu soziologischen und psychologischen Variablen, die mittels einer Befragung erhoben wurden. Die Korrelationsanalyse ergab:

— positive Beziehungen zwischen Hypertonie und Dauer des Aufenthalts im Betrieb, hoher persönlicher Identifikation mit der Organisation und hoher Anpassung an deren Normen.

— positive Assoziationen der Hypertonie mit psychologischen Variablen, die sich als «Ich-Schwäche» interpretieren lassen: Geringes Selbstvertrauen, hoher Dogmatismus und Rigidität, hohe Prestige- und Arbeitsorientierung.

— eine relativ starke negative Korrelation mit dem Bildungsniveau.

— eine positive Beziehung zwischen Hypertonie und Geschwindigkeit des beruflichen Aufstiegs innerhalb des untersuchten Betriebs, hingegen eine negative Beziehung des Blutdrucks mit häufigem Wechsel des Betriebs.

Fast alle der genannten Beziehungen erschienen ausschließlich bei der Altersgruppe unter 45; bei den Älteren fehlen psychosoziale Zusammenhänge mit Blutdruck fast völlig.

Die theoretische Integration dieser Ergebnisse ergab die Möglichkeit einer kausalen Beziehung zwischen Hypertonie und Mangel an persönlicher Autonomie gegenüber den Einflüssen der sozialen Umwelt. Die Frage der kontextuellen Randbedingungen für die Gültigkeit dieser Hypothese bleibt dagegen offen.

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Copyright information

© Schweiz. Serum- & Impfinstitut 1970

Authors and Affiliations

  • H. Geser
    • 1
  • E. Zbinden
    • 1
  1. 1.Aus dem Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität ZürichSwitzerland

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