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Zeitschrift für Ernährungswissenschaft

, Volume 2, Issue 3, pp 159–182 | Cite as

Die Einwirkung einer fettreichen Mahlzeit auf die Gerinnbarkeit des Blutes

I. Bei fettarm und bei fettreich sich ernährenden (fettungewohnten und fettgewohnten) jungen Leuten
  • K. Wachholder
  • H. Egli
  • K. Kesseler
  • H. Buscha
  • E. Felderhoff
Originalarbeiten

Zusammenfassung

Es werden die möglichen Gründe erörtert für die so widerspruchsvollen Angaben über den Einfluß einer fettreichen Kost auf die Gerinnbarkeit des Blutes. Es wird dargelegt, daß diese nur zum Teil in methodischen Unzulänglichkeiten zu sehen sind, vielmehr darüberhinaus vor allem in falschen gedanklichen Voraussetzungen bei der Durchführung und Auswertung der Versuche. Zu diesen gehören
  1. 1.

    die Außerachtlassung des phasischen Charakters der vegetativen Reaktionen,

     
  2. 2.

    die Annahme, daß es sich um ein bei allen Menschen gleiches Geschehen handele und daß daher die bei einem bestimmten Personenkreis wie gesunden Soldaten oder älteren Patienten erhaltenen Ergebnisse unbedenklich als für alle Menschen gültig anzusehen seien und schließlich

     
  3. 3.

    die Nichtberücksichtigung der noch innerhalb eines hinsichtlich Alter, Gesundheit, Ernährung einheitlichen Personenkollektives bestehenden erheblichen interindividuellen Reaktionsunterschiede.

     

Unter Berücksichtigung alles dessen wurden eigene Untersuchungen durchgeführt über die Einwirkung einer Fettmahlzeit, welche hauptsächlich aus 200 g mit 75 g Butterschmalz gebratenen Kartoffeln bestand und 932 kcal mit einem Fettanteil von 73,6% enthielt. In dieser 1. Mitteilung wird über die Ergebnisse an 31 gesunden Studierenden im Alter von 21–26 Jahren berichtet, von denen sich 15 fettarm und 16 fettreich zu ernähren pflegten.

Im Thrombelastogramm sowie im Thrombinbildungstest zeigten sich große individuelle Reaktionsunterschiede von Verkürzungen über Nichtbeeinflussung bis zu Verlängerungen der Gerinnungszeit; doch waren bei unserem Personenkreis und unter unseren Versuchsbedingungen, zumal im Thrombelastogramm, stärkere Verkürzungen weitaus überwiegend. Sie entwickelten sich bei den Fettungewohnten besonders früh, meist noch vor der Lipämie und hielten auch länger an als bei den Fettgewohnten. Die Verkürzungen der Gerinnungszeit gingen zwar mehrfach bis an die untere Grenze des Normbereiches, unterschritten sie jedoch in keinem Falle. Im Hinblick darauf und insbesondere wegen des Ausbleibens einer stärkeren Steigerung der Thrombuselastizität scheint bei gesunden Jugendlichen selbst eine ganz ungewohnte fettreiche Mahlzeit keine zeitweise Hyperkoagulabilität oder Thrombophilie hervorzurufen vermögen.

Auch für die untersuchten fördernden Einzelfaktoren (Ptb, V,VII, VIII, IX und X) fanden sich individuell stark unterschiedliche Reaktionen, wobei es zu stärkeren Steigerungen der Aktivitäten weit seltener kam als in unseren früheren Untersuchungen auf anstrengende körperliche Betätigung. Es fanden sich keine festen Beziehungen zwischen den Ausgangswerten der globalen Gerinnungszeiten sowie deren Veränderungen auf die Fettmahlzeit und den Aktivitäten einzelner dieser fördernden Faktoren oder einer Kombination von ihnen.

Solche Beziehungen fehlten auch zu den untersuchten Hemmfaktoren (Antithrombin II, Progressiv-Antithrombin III), von denen nur das letztere auf die Fettmahlzeit eine Veränderung erfuhr und zwar im Sinne einer mehr oder minder starken Zunahme der Aktivität, die bei den fettungewohnten Vpn. besonders ausgeprägt war.

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Schrifttum

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Copyright information

© Dr. Dietrich Steinkopff Verlag 1962

Authors and Affiliations

  • K. Wachholder
    • 1
  • H. Egli
    • 1
  • K. Kesseler
    • 1
  • H. Buscha
    • 1
  • E. Felderhoff
    • 1
  1. 1.Physiologischen Institut der Universität BonnDeutschland

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