Über Makrulie

  • Friedrich Gerling
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Zusammenfassung

Es werden 2 Fälle von Vergröberung des Zahnfleisches beschrieben. Im ersten handelt es sich um eine diffuse Hyperplasie des Zahnfleischbindegewebes; sie hatte sich bei einem 10jährigen Mädchen in den letzten 5 Jahren im Anschluß an eine Encephalitis mit folgender Halbseitenlähmung entwickelt; außerdem waren nach der Encephalitis die Zeichen frühzeitiger Pubertät aufgetreten. Beide Besonderheiten werden mit der Entstehung der Zahnfleischvergröberung in Zusammenhang gebracht. Das Schrifttum kennt Beobachtungen, bei denen infolge geistiger Verblödung oder Lähmung der Gesichtsmuskeln bei dauernd offenstehendem Mund diffuse Zanfleischhvergröberungen aufgetreten sind; ebenso berichtet es über Wulstungen des Zahnfleisches bei innersekretorischen Störungen.

Im zweiten Falle lag eine akute Myeloblastenleukämie vor, die sich im Laufe von 2–3 Monaten entwickelt hatte. Die Zahnfleischwulstungen waren hier stärker ausgeprägt, lappig bis polypös. Sie fanden sich nur im Bereiche noch vorhandener oder an der Alveole kürzlich entfernter Zähne; an zahnfreien Kieferabschnitten war auch die Zahnfleischvergröberung nicht vorhanden. Histologisch bestehen die Zahnfleischveränderungen aus gewuchertem myeloblastischem Gewebe. Bemerkenswert war noch ein Nebenbefund: Auch die Zahnpulpa war an einzelnen Stellen in myeloblastisches Gewebe umgewandelt.

Die Zahnfleischvergröberungen haben bisher noch keine zusammenfassende systematische Bearbeitung erfahren. Auch mit der vorliegenden Arbeit wird dies nicht bezweckt. Um jedoch die allgemeine Aufmerksamkeit darauf zu lenken, wird in Anlehnung an die Wortbildungen Makroglossie und Makrocheilie für die Gesamtheit der diffusen Zahnfleischvergröberungen die Bezeichnung Makrulie vorgeschlagen.

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Schrifttum

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© Verlag von Julius Springer 1933

Authors and Affiliations

  • Friedrich Gerling
    • 1
  1. 1.Pathologischen Institut der Universität BerlinBerlinDeutschland

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