Die neueren urkundlichen Nachrichten über das erste Auftreten der Syphilis im 15. Jahrhundert

  • C. Quist
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Literatur

  1. 1).
    Geschichte der epidem. Krankheiten. 2. Aufl. 1865. S. 184–296.Google Scholar
  2. 2).
    Handb. der histor.-geogr. Pathologie. Bd. 1. S. 335 ff.Google Scholar
  3. 3).
    Erwähnt sind diese unter der Aufschrift „Nuovi documenti per la storia delle malattie veneree in Italia dalla fine del quattrocento alla metà del cinquecento” l. c. erschienenen Mittheilungen in Virchow und Hirsch, Jahresbericht f. 1871. 1. S. 256 und im Archiv f. Dermatol. und Syphilis. III. S. 613. IV. S. 157.Google Scholar
  4. 1).
    Einigen, durch die alterthümliche, auch wohl incorrecte Sprache und Rechtschreibung unverständlichen Stücken ist eine möglichst wortgetreue Uebersetzung beigefügt. Das wichtigste aus den antiquarisch-bibliographischen und biographischen Anmerkungen, welche Corradi jeder einzelnen Schrift beigegeben, hat gleichfalls nicht ausgeschlossen werden können, so sehr auch der Umfang dieser Mittheilungen durch das eine wie das andere leider zugenommen hat. Die jedem Stücke vorgesetzte Zahl bezieht sich auf die betreffenden Ordnungsnummern in Corradi's, überhaupt 33 solcher begreifenden Sammlung.Google Scholar
  5. 2).
    J. 1496. — Den 28. Juni 1496 zeigte sich zuerst eine gewisse Krankheit, genannt die französischen Blattern, und waren diese grossen Pocken ähnlich, auch fand sich kein Mittel dagegen, sondern es wurde das Uebel immer nur ärger. Den 8. Juli 1496. — Um die Zeit begann diese Krankheit sich mehr zu verbreiten, so dass die Stadt voll war von erkrankten Männern und Frauen, fast alle erwachsenen Alters. Den 5. December 1496 war wieder ein Krankheitsfall, nachdem sich bereits mehrere Monate keiner gezeigt hatte. (Dieses bezieht sich auf eine gleichzeitige Pestseuche. Corr's Anm.) Und um diese Zeit war Florenz und sein Gebiet erfüllt von den französischen Blattern, überdies fanden sich dieselben in ganz Italien, in jeder Stadt, waren auch langwierig, ehe sie geheilt wurden, und wenn zurückgetrieben, brachten sie Schmerzen in allen Gelenken und kehrten schliesslich wieder; so gab es auch keine Arznei gegen sie, es starben aber nicht viele an ihnen, obgleich sie schwere Leiden und ein ekles Aussehen verursachten. Den 10. Januar 1496 (nach florent. Style, welcher das Jahr am 25. März anfangen liess, also den 10. Januar 1497 nach gewöhnlicher Zeitrechnung, Corr.'s Anm.) kam Mgr. Begni (Obigny) aus Neapel nach Florenz, er war krank an den französischen Blattern und wurde in einem Tragkorb in das Haus des Jacopo de Pazzi gebracht, wo er seine Wohnung nahm.Google Scholar
  6. 1).
    September 1496. Es wird angemessen sein, der neuen Krankheit zu erwähnen, welche um diese Zeit nach Italien kam und französische Krätze genannt wurde, sich auch in alle Theile der Welt verbreitet hat. Sie verursachte die heftigsten Schmerzen, währte 8 bis 10 Monate, Manchem machte sie wohl auch ein ganzes Jahr hindurch Beschwerden, und zeigte sich am ganzen Körper in Gestalt eines starken Ausschlages oder grosser Pusteln. Sie ging mit garstiger Vereiterung einher und brachte nicht geringe Verunstaltung der von ihr Betroffenen hervor; indessen genasen Viele, auch schien sie nicht sehr ansteckend zu sein.Google Scholar
  7. 1).
    Und es begann in Bologna von diesem Jahre (1496) an eine fast unheilbare Krankheit zu herrschen, welche das Franzosenübel oder St. Jobs-Uebel genannt wurde, indem es sich zuerst zeigte, als die Franzosen nach Italien kamen; es offenbarte sich dasselbe am Leibe, auf welchem grosse Pocken und Blattern von dem Umfange eines Grossone (eine Münze) auftraten, sowie bei einigen schliesslich auch im Schlunde; manche hatten weniger und manche mehr (von diesen Erscheinungen), je nachdem es Gott gefiel, auch gab es solche, welchen die Krankheit die Nase oder die Hälfte des Gesichts, andere, denen sie das männliche Glied zerstörte; überdies wurden sie von Schmerzen in den Gelenken, besonders der Arme und Beine, gepeinigt, welche sie zu Aufschreien und lauten Klagen zwangen, und es geriethen viele darüber in solche Verzweiflung, dass sie den Teufel anriefen, er möge sie holen, da sie so grosse Martern nicht auszuhalten vermöchten; auch traf das genannte Uebel die Frauen, so gut wie die Männer, und der grösste Theil zog sich dasselbe durch den Beischlaf zu, und es genasen sehr wenige so vollständig davon, dass sie gänzlich befreit geblieben wären; so mancher arme Handwerker verkaufte, von dem Uebel befallen, seine ganze Habe, um nur Heilung zu erzielen, sehr viele vertrieb die Krankheit von Haus und Heerd, mehrere starben daran, niedergedrückt von Ungemach und voller Verzweiflung. Wie es aber Gott gefiel, so erleuchtete er das Herz einiger Gutgesinnten, welche das Spital (im Hause) des Guerini, gleich rechts von San Lorenzo an der Porta Ravegnana, zu einem Hospiz ausschliesslich für arme Kranke dieser Art herrichteten; und sie nahmen dort die Männer getrennt von den Frauen auf, und liessen sie aus Liebe zu Gott (d. h. unentgeltlich) pflegen und mit Arznei versehen, und es lebten (die Kranken) übrigens von den Almosen, welche ihnen, im Anblicke dieses verdienstlichen Werkes, sowohl Einzelne als die Regierung in reichlichem Maasse zukommen liessen.Google Scholar
  8. 1).
    Jahr 1497. Von einer Krankheit. Ich berichte hier über ein Uebel, welches nach Bologna gelangte und die Menschen mit Schmerzen in den Gelenken und Blattern auf dem Rücken befiel, auch hatten sie schwere Leiden, besonders Nachts, auszustehen und riefen laut, es seien sehr grosse Martern, desgleichen fand sich auch kein Arzt, der die Krankheit gekannt hätte; sie wurde das Franzosenübel genannt, begann im Jahre 1495 und währte noch 1496 und 1497. Es starben nur wenige daran, ein grosser Theil gelangte zur Genesung, und es dauerte die Krankheit auch noch in den Jahren 1498, 1499, 1500 und 1501 in einem fort.Google Scholar
  9. 1).
    Jahr 1500. Eine furchtbare Krankheit, genannt das Franzosenübel, fing an die Menschen zu befallen. Ich will einer fremdartigen und furchtbaren Krankheit Erwähnung thun, welche in Italien im Jahre 1494 ihren Anfang nahm und welche ich, F. de U., nicht Acht gehabt habe, an ihre rechte Stelle (in der chronologischen Folge) zu setzen. Als König Carl von Frankreich nach Italien gekommen war, wie bereits gesagt worden, um das Königreich Neapel zu erobern, begann eine fremde, schreckliche Krankheit Männer und Frauen zu ergreifen, so von keinem Arzte erkannt wurde, und hiess es, dass die Franzosen das genannte Uebel nach Italien gebracht hätten, weshalb demselben der Name der Franzosenkrankheit beigelegt wurde; auch war selbiges von mehrfach verschiedener (Erscheinungs-) Art, indem es sowohl mit Hautausschlägen als mit Schmerzen auftrat, und es genasen wenige davon, wober, da es sehr langwierig war, die Mehrzahl der (erkrankten) Personen schliesslich im Verlaufe der Zeit starb; die Krankheit wurde durch Essen und Trinken und durch den fleischlichen Umgang mitgetheilt, und es erwarben viele dieselbe, welche dadurch ihr Aussehen verloren und geschädigt blieben, andere waren am ganzen Leibe von Pusteln verunstaltet und von Schmerzen geplagt; auch wollten die Spitäler denjenigen nicht Aufnahme und Obdach gewähren, welche mit einem derartigen Uebel behaftet waren, und so geschah es, dass eine Menge armer Leute, sowohl Männer als Frauen, nicht hatten, woher sie sich mit dem Nöthigen versorgen sollten; es waren aber einige gute Leute in der Stadt, welche ein Spital für solche Krankheit gründeten und dort Betten so wie anderen Bedarf aufstellten, und zwar in dem Krankenhause von San Lorenzo de Guerini, und wurde es das Spital von St. Job genannt, welchem in der Folge zahlreiche Almosen gespendet wurden, und war selbiges erfüllt von den genannten armen Kranken, Männern und Frauen, welche daselbst sorgfältig gepflegt wurden.Google Scholar
  10. 1).
    1496. — Dieses Jahr herrschte in Bologna und in ganz Italien eine gewisse Krankheit, genannt das Franzosenübel, und waren die davon Befallenen mit blatternähnlichem Ausschlage bedeckt und von Schmerzen geplagt, so dass sie sich nicht vom Lager erheben konnten, auch fanden sich keine Aerzte, welche es verstanden hätten, ein ordentliches Mittel dagegen zu reichen; solche Krankheit währte bei manchen ein Jahr, bei anderen anderthalb; wenige starben daran, es waren aber einige, welche sich das Uebel (in den Körper) zurücktreiben wollten und diese gingen daran zu Grunde; von den Leichen dieser wurden etliche geöffnet und es fand sich, dass sie innerlich ähnliche Geschwülste hatten, wie aussen am Körper; manche Aerzte nannten die Krankheit eine besondere Art von Pocken, andere den Aussatz St. Jobs. Und es gab kein anderes Heilmittel dagegen, als der Sache ihren Lauf zu lassen, auch fand es sich, dass die Frauen das Uebel an den Geschlechtstheilen hatten und aus diesem Grunde wurden viele öffentliche Dirnen aus Bologna, sowie aus Ferrara und anderen Orten ausgewiesen.Google Scholar
  11. 1).
    Jahr 1496. Den ... December. Das Franzosenübel begann sich bei vielen in diesem Lande zu zeigen, so auch in ganz Italien, und es scheint dasselbe unheilbar zu sein, da es die Krankheit St. Jobs ist; die Männer bekommen es, wenn sie mit unreinen Frauen zu thun haben; die Mehrzahl geht daran zu Grunde, es treten Schmerzen in den Knochen und Sehnen auf, auch sehr grosse Blattern am Körper.Google Scholar
  12. 1).
    Jahr 1496. In diesem Jahre begann in Italien eine Krankheit, welche das Franzosenübel genannt wurde; sie kam mit Schmerzen in den Gelenken und einem Ausschlage am Körper, so wie an den Brüsten, an Händen und Füssen, und es waren Tage und Monate zur Heilung erforderlich, einige wurden sogar nie geheilt, auch fand sich kein Arzt, der die Krankheit zu heben verstand, noch findet sich gegenwärtig ein solcher; ferner ist dieselbe ein ansteckendes Uebel.Google Scholar
  13. 1).
    Sommersberg, de, F. W., Scriptores rerum silesiacarum etc. Lips. 1730.Google Scholar
  14. 2).
    Geschichte, Pathologie und Therapie der Syphilis, Würzburg 1867, S. 240: „Die Möglichkeit von Syphilis könnte man vielleicht dann zugeben, wenn das Bestehen derselben um jene Zeit nicht erst durch diesen Fall bewiesen werden sollte.”Google Scholar
  15. 1).
    Cronica di Firenze di Donato Velluti dall'anno 1300 in circa fin al 1370 (gedr. Firenze 1731).Google Scholar
  16. 2).
    Erwähnt in Virchow und Hirsch, Jahresbericht f. 1867. I. S. 367. Auch in der zu Florenz erscheinenden Zeitschrift Lo Sperimentale Tom. 28. 1871. p. 382 ff. findet sich eine kritisirende Meldung desselben.Google Scholar
  17. 1).
    Lamberto wurde geboren (es ist der Vater des Betreffenden, welcher erzählt) am 19. März 1341. Er war ein prächtiges Kind, weiss und roth, von frischer Farbe und schönem Gesichte, und als er im ersten Jahre in die Kirche zur Einsegnung (nach einem alten Ritus, Corr.) gebracht wurde, suchten alle ihn zu Gesicht zu bekommen und die Amme konnte sich vor dem Andrange der Frauen kaum wehren. Sei es dass er zuviel geherzt und dadurch erhitzt worden, sei es in Folge fehlender Milch bei der Amme, oder aus natürlicher Anlage, welche jetzt zum Ausbruche kam, kurz, es bildete sich bei ihm um diese Zeit eine kleine Geschwulst (Beule) am Rücken, welche ihn aufrieb („verzehrte”), so dass auch die Amme, welche ihn immer an ihrer Seite hatte, und die von sehr gesunder Körperbeschaffenheit war, davon „ganz erfüllt” wurde und sich angegriffen und ausgetrocknet zeigte. Ich schickte beide in's Bad nach Macerato; es half ihnen ein wenig, der Amme sogar recht bedeutend, als sie aber zurückgekehrt waren, fing ich an zu fürchten, es möge die Amme durch ihre „Hitze” Schuld am Uebel (des Kindes) sein; ich nahm es ihr daher weg und übergab es einem Mädchen von gemässigtem Temperament, mit frischer Milch, aber sogleich wurde auch dieses „davon erfüllt”, und so erging es einem jeden, bei dem das Kind schlief. Deshalb wurde es entwöhnt und, nachdem es unter grosser Noth und Sorge ein wenig aufgezogen worden, auf einem gesonderten Lager schlafen gelassen, wo es sich aber Tag und Nacht kratzte und sehr viel schrie („ein gutes Maul hatte”); schliesslich wurde es aber doch von diesem (Uebel) befreit. Ich schickte es nun (abermals) in's Bad und es erholte sich ein wenig. — Der Knabe wuchs heran, ich that ihn in die Schule, er lernte lesen und zeigte gute Anlagen u. s. w. .... Er war klein von Wuchs, mit einem Fehler am Rücken und obgleich er später (noch einmal) nach Vignone und Rapolano in's Bad ging, welches ihm ein wenig half, so kehrte das Uebel doch bald wieder. Er war ein grosser Esser und Trinker und suchte gern die Gesellschaft junger Leute, denen zu Liebe er recht viel Aufwand zu machen pflegte. Im Juli 1363 (also im Alter von 21 Jahren) nahm der früher erwähnte Fehler (am Rücken) eine (Entzündungs-) Röthe an und es bildete sich daran ein Schorf, er nahm Arznei dafür und hielt sich reichlich einen Monat zu Hause (eingeschlossen), nach welcher Zeit er wieder auszugehen anfing. Schliesslich bildete sich aber bei ihm ein Uebel an der Ruthe, wofür er anfangs keine Hülfe noch Heilung suchte, später jedoch unzuverlässige Aerzte um solche anging, wobei die Sache aber so weit vorschritt, dass der ganze vordere Theil, das ist die Eichel (caperozolo: das Köpfchen) entfernt werden musste, wobei er jedoch keinen Schmerz empfand, da das Fleisch ganz abgestorben war und die Krankheit tief eingegriffen hatte; (bald) ward es wieder nöthig (das Mortificirte), und zwar dicht am Schamberge (pettignone) abzulösen; es half aber nichts, denn endlich starb er, im Alter von 22 Jahren, den 26. December 1363, und ich liess ihn mit allen Ehren bestatten.Google Scholar
  18. 1).
    Abgesehen von der alterthümlichen Schreibart, scheinen sich an ein paar Stellen Mängel im Texte zu finden.Google Scholar
  19. 1).
    R. Diaz de Isla ist, wie man weiss, bisher nur bekannt gewesen durch ein in's Lat. übersetztes Fragment in Welsch, Sylloge curationum et observationum medicinalium, Ulm 1668, in einer Anmerkung zu den dort mitgetheilten Observationes des Marcellus Cumanus, deren Urschrift gleichfalls nicht mehr existirt.Google Scholar

Copyright information

© Druck und Verlag von Georg Reimer 1875

Authors and Affiliations

  • C. Quist
    • 1
  1. 1.Helsingfors

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