Archiv für Gynäkologie

, Volume 28, Issue 1, pp 14–38 | Cite as

Knabenüberschuss nach Conception zur Zeit der postmenstruellen Anämie

  • Camillo Fürst
Article

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. 1).
    Die Regulirung des Geschlechtsverhältnisses bei der Vermehrung der Menschen, Thiere und Pflanzen, mit einer Vorrede von W. Preyer. Jena 1884. — Die unter I. meiner Mittheilungen gebrachte, unserem Zwecke angepasste Uebersicht der geschlechtsbestimmenden Ursachen ist grösstentheils diesem Werke Düsing's entnommen.Google Scholar
  2. 1).
    Bei höheren Thieren erscheint uns, worauf wir später zurückkommen, dieser Jugendhermaphroditismus hauptsächlich als ein nutzloses palingenetisches Erbstück.Google Scholar
  3. 2).
    Beispiele: Wenn bei den aus befruchteten Eiern hervorgehenden Larven der Bienen, bei denen das weibliche Genitalsystem sich auszubilden anfängt, durch verminderte und schlechtere Nahrung die vollständige geschlechtliche Ausbildung (zu Königinnen) unterdrückt wird, auf dass sich geschlechtsunfähige Weibchen (Arbeiterinnen) entwickeln sollen, so geschieht es (nach Siebold) häufig, dass das Maass der Nahrungsentziehung überschritten wird, dass sich spät noch theilweise das männliche Geschlechts-system entwickelt und so Hermaphroditen entstehen. Bei den Cladoceren (Wasserflöhen), bei welchen im sommerlichen Ueberflusse ungeschlechtlich nur Weibchen erzeugt werden (thelytokische Parthenogenesis), bei Eintritt des Nahrungsmangels im Herbste aber ein Generationswechsel mit Auftreten von Männchen und weiterhin geschlechtlicher Fortpflanzung erfolgt, bemerkt man (nach W. Kurz) beim Beginne dieses Generationswechsels Zwitterformen, deren Zustandekommen auch dadurch zu erklären ist, dass Nahrungsmangel die Geschlechtsorgane in ihrer Ausbildung überraschte, auf die schon begonnene Entwickelung des weiblichen Systemes hemmend und zur Entwickelung des männlichen fördernd einwirkte.Google Scholar
  4. 1).
    Bei Zwillingsgeburten scheint der Knabenüberschuss durchschnittlich nicht höher zu sein, als bei einfachen Geburten, trotz der gleichfalls bestehenden Nahrungsconcurrenz; nach Düsing deshalb, weil bei Zwillingen dieser der Entscheidung zum männlichen Geschlechte günstige Factor noch aufgewogen wird durch die mit der höheren Prosperität verbundene Tendenz zur Zeugung des weiblichen Geschlechtes.Google Scholar
  5. 2).
    Düsing, l. c., Düsing deshalb, weil bei Zwillingen dieser der Entscheidung zum männlichen Geschlechte günstige Factor noch aufgewogen wird durch die mit der höheren Prosperität verbundene Tendenz zur Zeugung des weiblichen Geschlechtes. S. 145.Google Scholar
  6. 1).
    “Hat z. B. die Bienenkönigin nur mangelhafte Flügel und kann daher im Fluge nicht begattet werden, oder hat sie im Alter ihren vorräthigen Samen erschöpft, oder ist ihr Receptaculum zufällig oder absichtlich verletzt, oder sind endlich die Samenfäden durch Frost getödtet worden, so legt sie unbefruchtete Eier, aus denen nur mänuliche Individuen hervorgehen.” (Düsing, l. c., Düsing deshalb, weil bei Zwillingen dieser der Entscheidung zum männlichen Geschlechte günstige Factor noch aufgewogen wird durch die mit der höheren Prosperität verbundene Tendenz zur Zeugung des weiblichen Geschlechtes. S. 41.) Wenn auch in scheinbarem Widerspruche damit bei der thelytokischen Parthenogenesis, von welcher wir bereits oben ein Beispiel erwähnten, aus unbefruchteten Eiern andererseits wieder nur weibliche Individuen hervorgehen, so handelt es sich in letzterem Falle doch keineswegs um einen wirklichen Gegensatz, denn die thelytokische Parthenogenesis ist von der arrenotokischen nicht nur in ihrer Wirkung, sondern auch in ihrer Ursache gänzlich verschieden. Erstere ist eine phylogenetische Erscheinung, durch welche es ermöglicht wird, dass die Weibchen infolge des Ueberflusses an Nahrung, ohne der Befruchtung zu bedürfen, sich ungeschlechtlich rasch vermehren, um diesen Ueberfluss zu Gunsten der Erhaltung der Art möglichst auszunutzen. Diese hingegen ist eine ontogenetische Erscheinung, bei welcher das befruchtungsbedürftige Weibchen infolge zufälliger Nichtbefruchtung disponirt ist, das fehlende andere Geschlecht zu zeugen.Google Scholar
  7. 1).
    Auch andere Gründe, so der Einfluss des Alters der männlichen Individuen, kommen hier in Betracht. (Vergl. L. Büchner: “Der Gottesbegriff u. s. w.” S. 34, Leipzig 1874.)Google Scholar
  8. 1).
    Die bedeutendste Stütze dieses Satzes bildet eine von Düsing gesammelte Massenstatistik von 861 640 Fohlengeburten. Während das durchschnittliche Sexualverhältniss derselben 98,31 ♂ zu 100 ♀ war, betrug das Sexualverhältniss in 292 381 Fällen, wo 55 oder mehr Stuten von einem Hengste im Laufe eines Jahres gedeckt wurden, 100,77 bis 101,19 ♂ zu 100 ♀; in der übrigen circa doppelt so grossen Anzahl von Fällen aber, bei welchen jährlich nur 20 bis 54 Stuten von einem Hengste gedeckt wurden, war das Sexualverhältniss 96,60 bis 97,92 ♂ zu 100 ♀.Google Scholar
  9. 2).
    Dass auch andere Ursachen, ja sogar “ausserhalb des Geschlechtslebens liegende äussere Momente von Einfluss” auf die Geschlechtsbestimmung sein können, hat bereits Pagenstecher in seiner kritischen Bearbeitung der Denkschrift von Thury angenommen (siehe Zeitschrift für wissenschaftliche Zoologie III, S. 4, oder Sonderabdruck S. 41. Leipzig 1884).Google Scholar
  10. 1).
    Eine oben erkläte Ausnahme davon bildet der Knabenüberschuss älterer Erstgebärender.Google Scholar
  11. 2).
    Bei allen trifft auch dies nicht zu, so wurde jüngst eine Statistik von mehr als 200 000 Geburten aus der norwegischen Bevölkerung von Hg. Berner (Ueber die Ursachen der Geschlechtsbildung, Christiania 1883) mitgetheilt, die dem Hofacker-Sadler'schen Gesetze direct widerspricht.Google Scholar
  12. 3).
    Sitzungsberichte der K. Akademie der Wissenschaften zu Wien 1854 philosophisch-historische Klasse und Zeitschrift für Ethnologie 1881.Google Scholar
  13. 1).
    In einer von Düsing (l. c. Düsing deshalb, weil bei Zwillingen dieser der Entscheidung zum männlichen Geschlechte günstige Factor noch aufgewogen wird durch die mit der höheren Prosperität verbundene Tendenz zur Zeugung des weiblichen Geschlechtes. S. 171.) gesammelten Statistik von mehr als 1012 Millionen Geburten betrug der Knabenüberschuss durchschnittlich 106,287: bei den im April bis August Geschwängerten durchgehends weniger (am wenigsten im Juni 105,92); bei den im September, October, November, Januar und März Geschwängerten stets mehr als das Mittel (am meisten im Anfange der kälteren Monate: im September 106,77, im October 106,75).Google Scholar
  14. 1).
    “In Sachsen fand Ploss in einer Höhe bis 500 pariser Fuss das Sexualverhältniss 105,9, zwischen 1000 bis 1500 Fuss schon 107,3, und endlich zwischen 1500 bis 2000 Fuss 107,8 (Düsing, l. c., Düsing deshalb, weil bei Zwillingen dieser der Entscheidung zum männlichen Geschlechte günstige Factor noch aufgewogen wird durch die mit der höheren Prosperität verbundene Tendenz zur Zeugung des weiblichen Geschlechtes. S. 170).Google Scholar
  15. 2).
    Siehe “Aussterben der Rassen” und “das relative Verhältniss der Geschlechter” in Darwin's gesammelten Werken, übersetzt von Carus, V. Bd., S. 238 u. 335.Google Scholar
  16. 3).
    Archiv für mikroskopische Anatomie 1884, Bd. XXIII.Google Scholar
  17. 1).
    Selbst dann noch, wenn man die Löwenthal'sche Menstruationstheorie nur theilweise (Nyhoff, Centralblatt für Gynäkologie 1885, Nr. 26) oder gar nicht acceptirt, und eine Befruchtung des Eies auch, respective nur, am Ovarium oder an den Tuben zugiebt, kann der Einfluss der postmenstruellen Anämie auf die Ernährung des neubefruchteten Eies nicht ganz ausgeschlossen werden, zumal die Zeitdauer, welche das Ei braucht, um den Tubenkanal beim Menschen zu durchwandern, noch unbekannt, also vielleicht keine allzulange ist.Google Scholar
  18. 1).
    Dieses Archiv, Bd. XXIV, Heft 2.Google Scholar
  19. 2).
    Man könnte geneigt sein, dagegen einzuwenden, die Annahme, dass die Ernährung des Eies zu dieser Zeit eine mangelhafte ist, widerspreche der allgemein verbreiteten Lehre, dass die Conceptionsfähigkeit zur selben Zeit eine relativ grosse ist. Dagegen wäre aber zu bedenken, dass letztere mehr durch die günstigen mechanischen Verhältnisse und durch das meist zur selben Zeit geringere Alter des Eies genügend erklärt werden kann, da ja das Ei doch mit jedem Tage seinem Absterben näher rückt, also an Lebensfähigkeit in der späteren Zeit der Menstruationspause in der Regel abnimmt. Es handelt sich also hier nicht um einen Widerspruch, sondern höchstens um zwei ganz verschiedene, sich entgegenwirkende Ursachen, die nur zum Theil zur gleichen Zeit vorhanden sein können.Google Scholar
  20. 1).
    In 14 Fällen “nach den zuverlässigsten Angaben verschiedener Freunde” soll jede Conception acht Tage nach Ende der Menstruation zur Zeugung von Knaben und solche in den drei ersten Tagen stets zur Zeugung von Mädchen geführt haben, während sich der fünfte und sechste Tag als schwankend erwiesen habe (citirt von Düsing, Düsing deshalb, weil bei Zwillingen dieser der Entscheidung zum männlichen Geschlechte günstige Factor noch aufgewogen wird durch die mit der höheren Prosperität verbundene Tendenz zur Zeugung des weiblichen Geschlechtes. S. 35.)Google Scholar
  21. 2).
    “Determination of sex by the data of conception”, Boston med. and surg. Journ., 26. Sept. 1878. Swift schliesst aus 20 mitgetheilten Fällen, dass in den acht ersten Tagen der Menstruationspause Knaben, in der späteren Zeit Mädchen erzeugt werden.Google Scholar
  22. 3).
    Swift dachte sich, dass bald nach der Menstruation das im Uterus befindliche Ei von einer grösseren Zahl von Samenfäden befruchtet werde, in der späteren Zeit das vom Uterus entfernte Ei von einer geringeren Zahl.Google Scholar
  23. 4).
    In der Regel wird letzteres dann von der Pflegebefohlenen ohne weitere Frage damit motivirt, dass mindestens geraume Zeit vorher und nachher kein geschlechtlicher Umgang gepflogen wurde. Je weniger man in dieser Richtung zu fragen braucht, um so eher ist den Angaben Vertrauen zu schenken.Google Scholar
  24. 1).
    Derzeit Professor in Triest.Google Scholar
  25. 1).
    Nach Löwenhardt's Zusammenstellung der Fälle von Ahlfeld, Duncan und Stadfeld.Google Scholar
  26. 2).
    Düsing, l. c. Düsing deshalb, weil bei Zwillingen dieser der Entscheidung zum männlichen Geschlechte günstige Factor noch aufgewogen wird durch die mit der höheren Prosperität verbundene Tendenz zur Zeugung des weiblichen Geschlechtes. S. 177.Google Scholar
  27. 1).
    Dasselbe lautet: “Ein Weib, welches nach dem Verlaufe des Monats den Blutfluss leidet, soll sieben Tage abgesondert sein” (3. Buch Moses, Kapitel 15, V. 19). Aus verschiedenen Commentaren geht hervor, dass diese sieben Tage vom Beginne der Menstruation zu zählen sind. Ueberdies wird die Zahl 7 im alten Testamente meist nur als eine beiläufige Zahlangabe benutzt.Google Scholar
  28. 2).
    Nach Darwin (l. c. Dasselbe lautet: “Ein Weib, welches nach dem Verlaufe des Monats den Blutfluss leidet, soll sieben Tage abgesondert sein” (3. Buch Moses, Kapitel 15, V. 19). Aus verschiedenen Commentaren geht hervor, dass diese sieben Tage vom Beginne der Menstruation zu zählen sind. Ueberdies wird die Zahl 7 im alten Testamente meist nur als eine beiläufige Zahlangabe benutzt.) hatte die Bevölkerung auf den Sandwichsinseln vom Jahre 1832 bis 1872 um achtundsechzig Procent abgenommen. Dabei war 1856 das Verhältniss der männlichen zu den weiblichen Individuen aller Altersklassen bereits 109,49∶100 und der männlichen zu den weiblichen unter 17 Jahren 112,3∶100. Nach der Volkszählung im Jahre 1872 betrug das Verhältniss der männlichen zu den weiblichen Individuen aller Altersklassen 125,36∶100. Wie Darwin mit Recht hervorhebt, muss das Sexualverhältniss der Geburten ein noch ungleicheres gewesen sein. Eine ähnliche Steigerung des Knabenüberschusses wurde beobachtet bei dem Aussterben der Eingeborenen Neuseelands und Tasmaniens. Dagegen ist die Meinung Darwin's, dass dieses abnorme Sexualverhältniss zum Theil als Nachwirkung des vor Abschaffung des Fetischdienstes in den vorhergegangeneu Generationen in grosser Ausdehnung geübten weiblichen Kindesmordes anzusehen sei, heute wohl nicht mehr aufrecht zu erhalten, da wir wissen, dass Mangel an dem einen Geschlechte die Zeugung desselben in den folgenden Generationen begünstigt, nicht aber, dass, wie Darwin sagt, weiblicher Kindesmord “dahin neigt, eine Rasse zu bilden, welche männliche Nachkommen producirt”. Dies zeigten auch die von Darwin selbst mitgetheilten Resultate der Volkszählungen der Inseln Kauai und Oahu, welche ergaben, dass 20 Jahre nach Aufhören des Kindesmordes das Sexualverhältniss Erwachsener sowohl als das jugendlicher Individuen nahezu gleich gross war und bei 125∶100 betrug. So wie mit dem gesteigerten Bedürfnisse nach männlichen Individuen zur Vertheidigung eines in der Existenz bedrohten Volkes dessen Knabenüberschuss steigt, ebenso lassen sich auch aus dem Thierreiche unzählige Beispiele erbringen, welche zeigen, dass Veränderungen des Sexualverhältnisses vom relativen Nutzen der Geschlechter in hohem Grade abhängig sind.Google Scholar
  29. 1).
    Darwin (l. c. Dasselbe lautet: “Ein Weib, welches nach dem Verlaufe des Monats den Blutfluss leidet, soll sieben Tage abgesondert sein” (3. Buch Moses, Kapitel 15, V. 19). Aus verschiedenen Commentaren geht hervor, dass diese sieben Tage vom Beginne der Menstruation zu zählen sind. Ueberdies wird die Zahl 7 im alten Testamente meist nur als eine beiläufige Zahlangabe benutzt., S. 319).Google Scholar

Copyright information

© Verlag von August Hirschwald 1886

Authors and Affiliations

  • Camillo Fürst
    • 1
  1. 1.Geburtshülfe und Gynäkologie in GrazGrazÖsterreich

Personalised recommendations