Archiv für Gynäkologie

, Volume 23, Issue 1, pp 1–27 | Cite as

Geburtshülfe und Cultur

  • L. Prochownick
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Literatur

  1. 2).
    1. Mos., Cap. III, 16–19. So wie Luther das eine Mal mit Schmerz, das andere Mal mit Kummer wiedergiebt, so redet auch die Vulgata, statt beide Male labor zu gebrauchen, beim Weibe von dolor, beim Manne von labor. cf. Antwerpener Vulgata von 1645.Google Scholar
  2. 3).
    Wellhausen, Geschichte Israëls. Berlin 1878. I, 342 ff. — Ewald, Geschichte des Volkes Israël bis Christus. Göttingen 1843. I, 87 ff.Google Scholar
  3. 1).
    Einige wenige Beispiele dieser rohesten aller Nabelbehandlungen besitzen wir noch aus neuerer Zeit: v. Spix und v. Martius, Reise in Brasilien. München 1823. I, 381; Sitten und Meinungen der Wilden in Amerika. Frankfurt a. M. 1777. II, 378; R. Schomburgk, Reisen in Britisch-Guiana 1840–44. Leipzig 1847. I, 166.Google Scholar
  4. 2).
    Waitz-Gerland, Anthropologie der Naturvölker, VI, 131, 137; auch bei Erörterung des Tabu 343 ff.Google Scholar
  5. 1).
    Ich habe mich bemüht über diesen Punkt die Quellen möglichst aufzusuchen und durchzustudiren. Dieselben ergeben in der Mehrzahl, dass man sie nicht ohne Weiteres für das “Alleingebären wilder Frauen” in Anspruch nehmen darf; manche lassen Zweifel der Beobachtung, manche verschiedene Auslegungsmöglichkeit zu. A. Thevet, Les singularités de la France antarctique etc. (Anvers 1558) p. 79, schreibt: “La femme accouchée quelques autres femmes portent l'enfant tout nud laver à la mer etc., du reste traitent la femme aussi songneusement comme l'on fait par deça.” Père Ive d'Evreux, Voyages dans le nord de Brésil 1613 et 14 ed. F. Denis (Leipzig-Paris 1864), p. 89, schildert von den Miary Assistenz von Frauen, eventuell des Mannes. De Laët, Americae utriusque descriptio Lib. VII (Guatemala), Cap. VIII, p. 329 (Leyden 1633) berichtet: “Marium numerus longe superat, nam foeminas hic minus vivaces esse, quam viros, observarunt Hispani; causa occulta est, nam et nullo paene labore liberos suos pariunt et saepe solae et in triviis, statimque.” Bei dem Jesuitenpater Joseph Gumilla, El orinoco illustrado y defendido, historia natural etc. (Madrid 1745), Tome II, p. 71 ff. heisst es bei der Schilderung der Ursachen des Aussterbens eingeborener Bevölkerungen in Bezug auf den Mädchenmord: Um dieser entwürdigenden Anschauung ihres Aberglaubens willen geht die Indianerin heimlich, wenn sie die ersten Schmerzen nahen fühlt, an das Ufer des Flusses oder an den nächsten Bach und gebiert dort allein; kommt ein Knabe ans Licht, wäscht sie sich und ihn sorgsam und ist sehr vergnügt, ohne andere Erholung oder Räucherung genest sie von der Geburt; kommt ein Mädchen hervor, so bricht sie ihm den Hals oder begräbt es lebendig, dann wäscht sie sich sehr lange und geht zu ihrer Hütte, als ob nichts geschelen wäre. v. Azara, Voyages dans l'Amérique méridionale (Paris 1809), II, 93, berichtet über denselben Gegenstand: Les femmes aussitôt qu'elles se sentent prêtes d'accoucher, elles partent toutes seules et s'en vont en campagne etc. Lafitau in seinem gelehrten Werke: Moeurs des sauvages américains comparées aux moeurs des premiers temps, Paris 1724, schildert von den Indianerinnen Südamerikas, dass während gewöhnlich sie sich von einer anderen Frau ihres Stammes beistehen liessen, sans qu'il y ait pour cela personne en titre d'office, sie sich dann selbst entbänden, wenn sie bei der Heimkehr von der Arbeit von den Wehen überrascht würden. Derselbe Forscher zieht zum Vergleiche eine Stelle aus Strabo's Geographie III, 3 an, jedoch ist das Citat nicht richtig. Strabo sagt an dieser Stelle nicht, wie Lafitau anführt, dass bei verschiedenen alten Völkern Alleingebären vorkäme, sondern nur das männliche Wochenbett, und nur im Anhange dazu referirt er eine Erzählung des Posidonius, dass einmal ein iberisches Weib beim Graben plötzlich niedergekommen sei und sofort zur Arbeit zurückkehrte, “um nicht den Lohn zu verlieren” Eine ähnliche Geschichte als Curiosum erzählt W. Harvey, Exercitationes de generat. animal., London 1661, am Schlusse des Capitels de partu. Aehnliches, wie Lafitau, schildert das anonyme Buch: Sitten und Meinungen der Wilden in Amerika (Frankfurt a. M. 1777), I, 216 von den Peruanern, II, 118 von den Caraïben (Manneshülfe hingegen II, 378 von den Brasilianern). Ebenso Alcid. d'Orbigny, L'homme américain (Paris 1839), I, 192, ebenfalls die Peruaner betreffend. Schomburgk, l. c. R. Schomburgk, Reisen in Britisch-Guiana 1840–44. Leipzig 1847. I, 166. s. Note 1, S. 2), Bd. I, 166, sagt von den Warraus: “Einsam in der Hütte des Waldes erwarten sie den für sie gefahrlosen Moment und kehren mit dem Neugebornen zu den Ihrigen zurück, ohne fremde Beihülfe in Anspruch genommen zu haben. Auf einer meiner Excursionen fand ich selbst eine solche Wöchnerin u. s. w.” Etwas widersprechend klingt dagegen, was er über die Macusis, Bd. II, 313, berichtet: “Sowie die Mutter den Moment der Geburt herannahen fühlt, begiebt sie sich in den nahen Wald, in das Provisionsfeld oder eine unbewohnte Hütte und gebiert dort ohne alle Beihülfe, Der Nabelstrang wird von der Mutter oder der Schwester der Gebärenden abgeschnitten.” v. Spix u. v. Martius, l. c. Reise in Brasilien. München 1823. I, 381; (Note 1, S. 2), I, 381, erzählen von den Coroados-Indianerinnen am Rio Xipoto, dass sie im Walde, vor dem Mondlicht verborgen, meistens ohne Beihülfe niederkommen. Von der Südsee schildert Frauenhülfe eventuell Eintreten des Mannes, jedoch facultativ auch Alleingebären bei schnellem Weheneintritte: Novarareise, ethnographischer Theil von den Papuas, S. 16, von den Maoris, p. 55; von Nordaustralien, Waitz-Gerland, l. c. Anthropologie der Naturvölker. Leipzig 1872. VI, 778; von Neuguinea, Finsch in “Neuguinea und seine Bewohner”, S. 81 und 103. Gleiches gilt nach Weber, 4 Jahre in Africa (Leipzig 1878), I, 330; II, 218 von mehreren Kaffernstämmen. Eine Reihe anderer Quellen, von denen verschiedene Ploss andeutet (H. Ploss, historisch-ethnographische Notizen zur Behandlung der Nachgeburtsperiode in der Credé'schen Festschrift, Leipzig, Engelmann 1881, S. 15) waren mir leider im Original nicht erreichbar. Soviel geht aus allen Angaben sicher hervor, dass noch Niemand ein erstgebärendes Weib sich völlig allein überlassen sah; obige Citate deuten sämmtlich, wie eine genaue Betrachtung von selbst ergiebt, auf Mehrgebärende. Handelt es sich aber um solche, dann fällt das Culturmoment fast in sich zusammen und das individuelle tritt dafür ein; das facultative Alleingebären und das Herumarbeiten gleich am Tage post partum hat in unserer Culturgegend schon jeder beschäftigte Geburtshelfer mehr als einmal erlebt, warum sollte es den abgehärteten, vielgeplagten, niedrig geachteten Frauen der Wilden nicht zur Gewohnheit werden? Dass übrigens die Folgen sich geltend machten, haben ja schon, wie oben citirt, die Spanier vor 250 Jahren beobachtet, wenn sie auch die Gründe nicht erkannten.Google Scholar
  6. 1).
    Waitz-Gerland, Anthropologie der Naturvölker. Leipzig 1872. VI, 778.Google Scholar
  7. 2).
    Yves d'Evreux an der S. 3 Note 1 angegebenen Stelle. Ferner Novarareise III, 55: Maori; 118: Hottentoten.Google Scholar
  8. 1).
    So z. B. kann man aus der besonderen Bezeichnung der “ebräischen” Hebammen (2. Mos., I, 15–22), welchen Pharao den bekannten Befehl, die Knaben zu tödten, giebt, nicht nur den Schluss ziehen, dass die Juden in Egypten ihre eigenen Hebammen hatten, sondern sogleich denjenigen anreihen, dass wenigstens dort nur die ebräischen Hebammen bei ihresgleichen benutzt wurden. Schon gewagter ist es, daraus zu entnehmen, dass auch die Egypter Berufshebammen gehabt hätten, wofür uns bisher ein bestimmter Anhalt fehlt. Zuviel gewagt ist übrigens diese Conjectur heute nicht. Wenn es feststeht, dass die Egypter zur Zeit der dort ansässigen Juden die Beschneidung ausübten, wenn es fast zweifellos ist, dass letztere erst dort sie sich aneigneten (cf. Ebers, Egypten und die Bücher Moses [Leipzig 1868], S. 278 ff.; 1. Mos., XII, XVII, 10; Josua V, 5, 9), wenn Herodot II, 84 schreibt, dass den Aerzten-Priestern jedem eine bestimmte Region der Heilkunde zugewiesen war, auf der sie sich specialistisch-kastengeistig ergehen mussten, und Diodor, Biblioth. histor. I, 82, ihren reichen Schatz medicinischer Bücher bestätigt, wenn endlich der Papyrus Ebers (G. Ebers, Papyros Ebers etc. [Leipzig 1875], p. 35, Fol. 93–97) eine ganze Reihe von Recepten für Frauenkrankheiten, schwere Geburten, Geburtsschmerzen enthält, es sind einige Blätter ausschliesslich mit solchen angefüllt, liegt da der Schluss fern, dass bei dieser Entwickelung der Heilkunde Hebammen existirt haben? (Die so peniblen Priester dürften sicher mit derlei unreinen Manipulationen sich nicht befasst haben.) Aehnliches gilt von Assyrern, Persern, Chaldäern. Schon ihre vielfache Berührung und innige Vermischung mit den Israeliten, welche auch die Bibel mehrfach zugiebt, musste ihnen von letzteren, die eine schon recht ausgebildete Geburtshülfe besassen, die Kunst überbringen; wobei nicht ausgeschlossen ist, dass auch umgekehrt die Juden von diesen damals hochentwickelten Völkern gelernt haben können.Google Scholar
  9. 1).
    H. Haeser, Lehrbuch der Geschichte der Medicin u. s. w.; 1875, Bd. I, 37.Google Scholar
  10. 2).
    Ibid., p. 35. Nicht so die Griechen cf. E. C. J. v. Siebold, Versuch einer Geschichte der Geburtshülfe (Berlin 1839), Bd. I, S. 97; selbst Soranus, in dem die Summe alles geburtshülflich-gynäkologischen Wissens der Alten für uns zusammengefasst ist, weiss vom engen Becken nichts. cf Haeser I, 316, 317.Google Scholar
  11. 3).
    Sectio caesarea bei den Indern: H. Haeser, Lehrbuch der Geschichte der Medicin u. s. w.; 1875, I, Haeser I, 37. Von einem eigenthümlichen Rest dieses altindischen Kaiserschnittes erzählt Niebuhr, Reisebeschreibung nach Arabien und den angrenzenden Ländern. Copenhagen 1778. Er fand, dass bei den Hindus der Kaiserschnitt an verstorbenen Schwangeren ausgeführt wird, und zwar, weil das Gesetz vorschrieb, dass Kinder unter 18 Monaten Alter begraben würden, die Mütter hingegen der üblichen Verbrennung anheimfielen! Der Kaiserschnitt bei den Griechen wird von v. Versuch einer Geschichte der Geburtshülfe (Berlin 1839), Siebold, S. 64, trefflich erörtert.Google Scholar
  12. 4).
    Von den Römern kann wohl abgesehen werden, ihre Heilkunde war die griechische; was sie vor deren Einwanderung besassen, verdient nicht entfernt den Namen einer solchen, vollends nicht in Bezug auf Geburtschülfe. cf. H. Haeser, Lehrbuch der Geschichte der Medicin u. s. w.; 1875, I, Haeser I, 257 und Th. Mommsen, römische Geschichte, 6. Aufl., 1868, Bd. I, 944.Google Scholar
  13. 5).
    Haeser I, 38, 73.Google Scholar
  14. 1).
    Haeser I, 206.Google Scholar
  15. 2).
    Ibid., 38.Google Scholar
  16. 3).
    Capper, Geschichte des britischen Indien von den frühesten Urkunden bis zur Gegenwart. Hamburg 1858, Hoffmann & Campe. II, 295. K. F. Neumann, Geschichte des englischen Reiches in Asien. 1857. Brockhaus. II, 225. F. Batazard-Solvyns, Les Hindous, (Paris 1808): Ils (d. h. Les médicins des Hindous) suivent un système de médicine, qui leur est tracé dans les livres sacrés, dont il ne leur est pas permis de s'écarter.Google Scholar
  17. 4).
    Rhangabé, Histoire de la littérature néohellénique. Berlin 1877. Calvary & Cie. p. 107 und 235.Google Scholar
  18. 5).
    Man darf es als einen Atavismus betrachten, dass allezeit Aerzte griechischer Nation alität, welche (wohlgemerkt!) im Auslande studirt hatten, bei den Unterdrückern (Türken) wohl angesehen, und gesucht waren.Google Scholar
  19. 1).
    Haeser, I, 430.Google Scholar
  20. 2).
    Ibid. Haeser, I, 483.Google Scholar
  21. 3).
    Ibid. Haeser, I, 463. Siebold I. 232.Google Scholar
  22. 4).
    v. Siebold Versuch einer Geschichte der Geburtshülfe (Berlin 1839), H. Haeser Lehrbuch der Geschichte der Medicin u. s. w.; 1875, Bd I,Google Scholar
  23. 3).
    Haeser, I, 554. Siebold I. 251.Google Scholar
  24. 6).
    v. Siebold Versuch einer Geschichte der Geburtshülfe (Berlin 1839) I, 283.Google Scholar
  25. 7).
    Ibid. v. Siebold Versuch einer Geschichte der Geburtshülfe (Berlin 1839) I, 294. Man vergleiche die Originalabbildungen, in der Baseler besonders aber in der Oxforder Ausgabe des Albucasis. “Albucasis, de chirurgia arabice et latine. Cura J. Channing, Londinensis, Oxonii 1778.” S. 339 findet man zwei Instrumente dargestellt, von dem einen heisst es: Forma contusoris, quo caput foetus contunditur, es gleicht unserm Kephalothrypter, dann heisst es unter Hinweis auf das zweite Bild: Et quandoque conficitur longus, sicut forcipes, sicut vides, und dieses zweite Bild ähnelt hochgradig dem Kranioklaster der Neuzeit.Google Scholar
  26. 1).
    Grimm's Wörterbuch IVb von Heyne, Leipzig 1877, S. 178. Weigand, deutsches Wörterbuch. 3. Aufl. Giessen 1878. Bd. I, 776. Dieser Autor geht so weit, dass er das “Heben”, gebildet aus hefjan, mit der Sitte der rechtlichen Anerkennung des Neugebornen von Seiten des Vaters durch Emporheben in Connex bringen will; dies dürfte doch zu weit gegangen sein.Google Scholar
  27. 1).
    J. H. Gray: China, A history of the laws, manners and customs of the people. I, 229. London 1878. Ich, habe eine grosse Reihe von Werken über China von Marco Polo an durchsucht, um einige wirklich glaubhafte Angaben über chinesische Geburtshülfe zu finden; die Ausbeute ist sehr dürftig. Gray ist der Einzige, welcher angiebt, dass, wenn auch die Geburtshülfe ausschliesslich in den Händen von Hebammen läge, es doch einige wenige “Accoucheurs” in China gäbe, freilich Leute, “die in hohem Alter zu diesem Gewerbe ihre Zuflucht nehmen.”Google Scholar
  28. 2).
    1. Mos., 38, V. 27–30.Google Scholar
  29. 1).
    Man vergleiche die Schilderung O. Peschel's in: Völkerkunde, 3. Aufl., 1876, S. 176 ff.Google Scholar
  30. 2).
    v. Siebold Versuch einer Geschichte der Geburtshülfe (Berlin 1839) I, 24 ff. Bei den Griechen kann man die Umbildung von der älteren Frau oder Dienerin zur Berufswehmutter in Urkunde und sprachlichem Ausdruck am besten verfolgen, man vergleiche darüber das Capitel über Geburt und Behandlung der Neugeborenen in K. F. Hermann's Lehrbuch der griechischen Privatalterthümer, ed. Blümer, 1882, S. 278 ff. und v. Siebold Versuch einer Geschichte der Geburtshülfe (Berlin 1839) I, 107 ff.Google Scholar
  31. 3).
    2. Buch Mos., Versuch einer Geschichte der Geburtshülfe (Berlin 1839) I, 21. v. Siebold Versuch einer Geschichte der Geburtshülfe (Berlin 1839) I, 110, 133. Was den Kinderreichthum anlangt, so war er bei den Griechen weniger erwünscht, als bei anderen antiken Völkern. Vergl. K. F. Hermann, l.c., Lehrbuch der griechischen Privatalterthümer, ed. Blümer, 1882.Google Scholar
  32. 4).
    Plinius, Hist. nat. Edit. Harduin. (Paris 1741), p. 455; Edit. Sillig (Gotha 1855). Vol. IV, p. 273. Freilich ist der Anspruch auf den Ehrentitel Nobilitas nach unseren Begriffen kein grosser, denn an der betreffenden Stelle sagt Plinius, dass sie zur Heilung von Hautkrankheiten, besonders Pruritus vulvae, keinen andern Saft als alten Urin mit Austernasche verrieben gebrauchten!Google Scholar
  33. 1).
    Hyginus lässt die Jungfrau Agnodice beim Arzte Hierophilus in Männerkleidern Medicin erlernen und verkleidet Gebärenden Hülfe leisten. Sie wird von den Aerzten verklagt und auf Intervention der “Feminae principes” Athens freigesprochen und ein Gesetz erlassen, demzufolge “Athenienses legem emendarunt, ut ingenuae (feminae) artem medicinam discerent.” Schon an sich trägt diese Erzählung den Stempel geringer Wahrscheinlichkeit, cf. v. Siebold Versuch einer Geschichte der Geburtshülfe (Berlin 1839) I, 63 und K. F. Hermann, l.c Lehrbuch der griechischen Privatalterthümer, ed. Blümer, 1882, (Note 3) zu S. 280. Wie nun Poestion in seinem sonst so trefflichen Werke über griechische Philosophinnen (Griechische Philosophinnen. J. C. Poestion. Norden und Leipzig 1882) dazukommt, die athenischen Aerzte als die “privilegirten Geburtshelfer” darzustellen, denen dann der “mannhafte Entschluss” der Agnodice den Garaus machte, ist um so weniger verständlich, als jeder Beweis, bis auf die Erzählung des Hyginus, deren Inhalt Poestion wiedergiebt, mangelt. Nun war aber Hyginus' Schrift, wenn früh entstanden, ein mythologisches Schulbuch der augustinischen Zeit, vielleicht ist es noch später entstanden, von zweifelhaftem Werthe und eine jugendliche Leistung, wie kann man aus dieser so weitgehende Schlüsse ziehen?! Vergl. Teufel's Geschichte der römischen Literatur. 4. Aufl. 1882. S. 568 ff. Die betreffende Fabel des Hyginus siehe: Hygini fabulae edid. M. Schmidt. Jena 1872, S. 149.Google Scholar
  34. 2).
    Platonis Dialogi, Berolini 1817, ed. J. Bekker. Pars II, Vol. 1, p. 189 sqq. Zwei Stellen aus diesem platonishcen Dialog erscheinen mir noch werth, hier berührt zu werden. Erstens sagt Sokrates von den hebammen, “dass keine, die noch selbst schwanger wird und kinder bekommt, Andere entbindet, sondern nur solche es thun, die bereits nicht mehr im Stande sind, Kinder zu bekommen“. Darin liegt gewiss ein Ueberbleibsel der Culturanfänge, die eben nur eine Assistenz von alten Frauen kannte. Zweitens fragt gleich darauf Sokrates den Theaetetus; “Hast Du ferner auch die Eigenschaft an ihnen bemerkt, dass sie auch zum Freien (Heirathsvermitteln) sehr tauglich sind, weil sie sich vorzüglich darauf verstehen, welches Weib und welcher mann sich vermählen müssen, um die besten Kinder zu erzeugen?” Klingt das nicht ganz modern nach Zuchtwahltheorien?!Google Scholar
  35. 1).
    Darauf deutet schon die mythische Darstellung; während die Eleutho oder Eileithyia für gewöhnlich als geburtshelfende Göttin angeführt wird (Homer, Iliad. XI, 270; XIX, 203, und viele andere Stellen Vergl. darüber: Die Realion in der Iliade und Odyssee. Erlangen 1851. J. B. Friedreich. S. 672 u. 674.)), wird Dionysos durch Sectio caesarea, von Hermes auf Zeus' Befehl an der todten durch dieselbe Operation, von Apollo an der Coronis vollzogen, zur Welt gebracht (Pausanias, hellas II, 26). Vergl. ferner v. Siebold Versuch einer Geschichte der Geburtshülfe (Berlin 1839) I, S. 85 ff. Auch noch bei Aul. Cornel. Celsus. Lib, VII, Cap. 29, ist die ganze Geburtshülfe als chirurgisches Capitel abgehandelt.Google Scholar
  36. 2).
    v. Siebold Versuch einer Geschichte der Geburtshülfe (Berlin 1839) I, 97.Google Scholar
  37. 1).
    Die echten und unechten hippokratischen Schriften beweisen sicher, dass wenn auf obstetricischem Gebiete sehr wenig Beobachtungen gemacht wurden, doch auf gynäkologischem den Aerzten reichliches Untersuchungsmaterial vorgelegen haben muss; besonders die anatomischen und pathologischen Schilderungen und die empfohlene uteriner Erkrankungen erhärten dies.Google Scholar
  38. 2).
    Poestion, l.c. Norden und Leipzig 1882, S. 289 ff.Google Scholar
  39. 3).
    v. Siebold Versuch einer Geschichte der Geburtshülfe (Berlin 1839). I, 215, im Abschnitt über Aëtius, betreffend die Aspasia medica, und Poestion, l. c. Norden und Leipzig 1882, S. 336.Google Scholar
  40. 1).
    Haeser I H. Haeser, Lehrbuch der Geschichte der Medicin u. s. w.; 1875, I, 404, v. Siebold I, 133. Poestion l. c. Norden und Liepzig 1882, 352.Google Scholar
  41. 2).
    Dass die Bestrebungen einzelner Frauen, sich mit Medicin zu befassen nie authörten, liegt auf der Hand, datirt dieses Streben doch schon in die älteste Mythenzeit (Hekate, Circe, Medea) hinein. Auch nach dem Augusteïschen Zeitalter finden wir die Salernitaternnen, die heilige Hildegard und Andere (Haeser I, 641, 651). Aber als Signatura temporis, ein Andrang des weiblichen Geschlechts and die heilkunde tritt eigentlich erst im 19. Jahrhundert wieder ein.Google Scholar
  42. 3).
    v. Siebold Versuch einer Geschichte der Geburtshülfe (Berlin 1839) I, S. 141, 156, 177. Haeser I, 307.Google Scholar
  43. 4).
    Ibid. v. Siebold Versuch einer Geschichte der Geburtshülfe (Berlin 1839)., I. 216.Google Scholar
  44. 5).
    Ibid. v. Siebold Versuch einer Geschichte der Geburtshülfe (Berlin 1839) I, 264, 273, 301.Google Scholar
  45. 6).
    Es ist, da es einen absoluten Stillstand in der Wissenschaft nicht giebt, sondern nur einen relativen, selbstverstädlich, dass auch in Zeiten nacharabischer Cultur einzelne Männer und Frauen sich mit Geburtshüle befasst haben, man vergleiche zu diesem Behufe die betreffenden Abschnitte in sämmtlichen Geschichtswerken der Geburtshülfe, allein ein Fortschreiten, eine irgendwie nennenswerthe Leistung ist für die ganze Zeit nicht zu verzeichnen.Google Scholar
  46. 7).
    v. Siebold Versuch einer Geschichte der Geburtshülfe (Berlin 1839) II, 120. Castro war eines der angesehensten Mitglieder einer Colonie portugiesischer Juden, welche sich damals von Spanien-Portugal nach Hamburg wandte und hier Aufnahme fand. Unter der Gesammtheit der arabischen Aerzte spielen diejenigen israelitischer Abkunft eine bedeutende Rolle, da dic Toleranz der Araber dem Studium und den Culturbestrebungen der spanischen Juden grossen Vorschub leistete.Google Scholar
  47. 1).
    Derselbe lautet: Roderici a Castro Lusitani Philos. ac Med. D. per Europam notissimi De Universa muliebrum morborum Medicina Novo & antehac a nemine tentato ordine opus absolutissimum; Et Studiosis omnibus utile, Medicis vero pernecessarium. Die mir vorliegende Ausgabe war die vierte. Hamburg 1662. Sie ist als “auctior et emendatior” bezeichnet, wer aber, da der Verfasser schon 1627 gestorben ist, der Auctor und Emendator gewesen sein mag, ist leider nicht angegeben.Google Scholar
  48. 2).
    In vorerwähnter Ausgabe S. 433, Lib. IV, Cap. I. Von der Hinzuziehung des Chirurgus spricht er S. 462. Nur die Sectio caesarea soll “praesente etiam medico” gemacht werden; der Ausführende ist aber natürlich auch da der Chirurg. S. 445.Google Scholar
  49. 3).
    Versuch einer Geschichte der Gebustshülfe (Berlin 1839) v. Siebold II, 116.Google Scholar
  50. 4).
    Ibid. Versuch einer Geschichte der Gebustshülfe (Berlin 1839) v. Siebold II, 74.Google Scholar
  51. 1).
    Die ersten Anfänge des Hôtel Dieu in Paris datiren bis in die Zeit der Merovinger zurück, die Maternité hat in Mauriceau's Lernzeit sicher schon existirt (1650), sie ist da schon ein althergebrachtes Institut, ihre ersten Anfänge aus bezüglichen Geschichtswerken vermochte ich nicht nachzuweisen.Google Scholar
  52. 1).
    Ist doch selbst heute noch die seit 1797 vom Hôtel Dieu nach der Maternité verlegte älteste und grösste Entbindungsanstalt Frankreichs mit mehr als 300 Betten den studirenden Medicinern gänzlich untersagt, und existirt erst seit zwei Jahren in der Clinique d'accouchements ein wirklich würdiges Institut für das Studium der Geburtshülfe! Cf. Das medicinische Paris von Dr. J. Schreiber. Wien 1883. S. 123 ff.Google Scholar
  53. 2).
    Versuch einer Geschichte der Gebustshülfe (Berlin 1839). v. Siebold II, 133.Google Scholar
  54. 3).
    Ibid. Versuch einer Geschichte der Gebustshülfe (Berlin 1839). v. Siebold II, 188.Google Scholar
  55. 4).
    Ibid. Versuch einer Geschichte der Gebustshülfe (Berlin 1839). v. Siebold II, 191.Google Scholar
  56. 1).
    In seinen Exercitationes de generatione animalium etc. (London 1661) eifert Harvey ganz besonders gegen übereilte Maassnahmen, besonders gegen wehentreibende Arzneien der Hebammen. Capitel de partu, in der Originalausgabe S. 265.Google Scholar
  57. 2).
    Versuch einer Geschichte der Gebustshülfe (Berlin 1839). v. Siebold II, 350 ff.Google Scholar
  58. 1).
    Versuch einer Geschichte der Gebustshülfe (Berlin 1839). v. Siebold II, 195.Google Scholar
  59. 1).
    Naegele, Ueber den Mechanismus der Geburt. Meckel's Archiv 1819, Bd. V, Heft 4, S. 523 ff.Google Scholar
  60. 1).
    Die ersten Anstalten in London traten 1745–50 ins Leben, zuerst dem Unterrichte von Geburtshelfern diente das von John Leake 1765 ins Leben gerufene Westminster lying-in Hospital. Cf. v. Siebold Versuch einer Geschichte der Gebustshülfe (Berlin 1839). II, 365. In Kopenhagen ward 1760 die erste Anstalt unter J. Ch. Berger's Directorat eröffnet.Google Scholar
  61. 1).
    M. Tenon, Memoires sur les hôpitaux de Paris (Paris 1788), p. 230–270. Eine Schrift von höchstem Interesse, welche mit grossem Fleisse und vieler Umsicht ein Bild der damaligen Pariser Hospitalzustände giebt und der Anstoss zur Entfernung der Maternité aus dem Hôtel Dieu war.Google Scholar

Copyright information

© Verlag von August Hirschwald 1884

Authors and Affiliations

  • L. Prochownick

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