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Zur Kenntnis des Carcinoma cylindromatodes der Orbitalgegend

  • Charles Barbezat
Article

Zusammenfassung

Es wurde zuerst ein Tumor des Kopfes beschrieben, der die obere rechte Gesichtshälfte sowie die vordere rechte Schädelgrube einer 31 jährigen Patientin einnahm, nachdem er zunächst klinisch die Symptome einer Orbitalgeschwulst gemacht hatte. Der etwas lappig gebaute Tumor besitzt eine grobhöckerige Oberfläche und ist durch eine bindegewebige Kapsel meist scharf begrenzt. Er besteht im wesentlichen aus soliden, netzartig verbundenen Zellsträngen und besitzt daneben alveolär gebaute Partien. Zwischen den Zellsträngen und den Alveolen findet sich fibrilläres Bindegewebe, mit teils spärlich, meist sehr reichlich stark erweiterten Blutkapillaren. An vielen Stellen, besonders in den zentralen Gegenden der Neubildung, ist das Stroma sehr kernarm, aus spärlichen Fibrillen und reichlich homogenen Massen zusammengesetzt. Die Alveolen sind ebenfalls mit homogenen Massen angefüllt. Die letzteren geben stets die Farbreaktionen des epithelialen Kolloids; die homogenen Substanzen des Stromas dagegen geben bald die Reaktion der epithelialen, bald die des interstitiellen Kolloids. Eine im Großhirn gefundene Tumormetastase ist in ihrem Bau mit dem Haupttumor vollkommen identisch.

Bei einem Vergleich dieser Neubildung mit 5 kleineren Speicheldrüsentumoren der Mundhöhle und der Unterkiefergegend ergibt sich, daß jene kleineren Fälle zwar ähnlich gebaut sind wie der erste Tumor, daß aber bei ihnen die Unterscheidung von epithelialem und interstitiellem Kolloid für die Farbreaktion überall durchführbar ist.

Sämtliche beschriebenen Neubildungen sind aus Abkömmlingen von Epithelzellen aufgebaut; daran lassen Form und Anordnung der Zellen an keiner Stelle zweifeln.

Als Ausgangspunkt unserer Geschwulst der Orbitalgegend kann die Tränendrüse ausgeschlossen werden. Auch ist die Entstehung solcher Tumoren aus der Tränendrüse für keinen einzigen Fall bewiesen worden, von dem wir nähere Angaben erhalten konnten. Mit größter Wahrscheinlichkeit ging die Neubildung in unserem Falle von den Nebenhöhlen der Nase aus. Dafür sprechen außer klinischen Daten die weitgehenden Analogien zwischen dem Stroma der Nasen- und Nebenhöhlenschleimhaut einerseits und dem Stroma der genannten Geschwulst andrerseits.

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Copyright information

© Druck und Verlag von Georg Reimer 1917

Authors and Affiliations

  • Charles Barbezat
    • 1
  1. 1.Phatologisch-Anatomischen Institut der Universität BaselBaselSchweiz

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