Anaphylaxiestudien. 3. Mitteilung. Die Bedeutung des Komplementes für den akuten Shock bei der aktiven Anaphylaxie

  • M. Loewit
  • G. Bayer
Article

Zusammenfassung

  1. 1.

    Bei der Verwendung von Pferde- und Rinderserum als Antigen kann beim vorbehandelten Meerschweinchen im akuten, tödlichen, anaphylaktischen Shock eine an Größe wechselnde Abnahme des Komplementes im Blute konstatiert werden. Sie kann (bei Pferdeserum) gelegentlich fehlen. Auch normale Meerschweinchen zeigen allerdings nicht in allen Fällen bei intravenöser Zufuhr von Pferdeund Rinderserum eine analoge Komplementabnahme.

     
  2. 2.

    Bei der Verwendung von Hühnereiweiß als Antigen wurde bei vorbehandelten Meerschweinchen in der Mehrzahl der Fälle eine Komplementabnahme im und nach dem Shocke nicht beobachtet, sie kann aber gelegentlich vorhanden sein. Auch normale Meerschweinchen geben nach intravenöser Injektion von (selbst unverdünntem) Hühnereiweiß das gleiche Resultat.

     
  3. 3.

    Bei vorbehandelten Meerschweinchen, bei welchen durch intravenöse Zufuhr eines passenden Antikomplementserums eine vollständige (auch intravitel erwiesene) Komplementfixation bewirkt wird, kann ein sypischer, aktiver, anaphylaktischer Shock ausgelöst werden, zu dessen Zustandekommen mithin die Mitwirkung von freiem, ungebundenem Komplement nicht vorausgesetzt werden muß.

     

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. 1).
    Zeitschr. f. Immunf. Bd. 5. 1910. 125.Google Scholar
  2. 1).
    Ebendas. Zeitschr. f. Immunf. Bd. 3. 1909. 706.Google Scholar
  3. 2).
    Zentralbl. f. Bakter. usw. I Org. Bd. 63. 1912. 243.Google Scholar
  4. 3).
    Biochem. Zeitschr. Bd. 41. 1912. 27.Google Scholar
  5. 4).
    a. a. O. Biochem. Zeitschr. Bd. 41. 1912. S. 34.Google Scholar
  6. 5).
    L. c. Biochem. Zeitschr. Bd. 41. 1912. p. 29. Auch Nadejde (C. r. Soc. Biol. 1911, 1, 288) erwähnt bei wahrscheinlich antianaphylaktischen Meerschweinchen einen nahezu vollständigen Komplementschwund ohne Shock, woraus auf die Unabhängigkeit beider Erscheinungen voneinander geschlossen wird.Google Scholar
  7. 6).
    Zeitschr. f. physiol. Chemie 1909–1911. Bd. 61, 62, 64, 66, 67.Google Scholar
  8. 7).
    Journ. of infect. diseas. 1907. Bd. 4. 476.Google Scholar
  9. 8).
    Zeitschr. f. Immunf. Bd. 11. 1911. 659.Google Scholar
  10. 9).
    Ebendas. Zeitschr. f. Immunf. Bd. 11. 1911. p. 673.Google Scholar
  11. 10).
    Bull. de l'Acad. roy. de méd. de Belgique. Mai 1911. Mit ausführlicher Literaturangabe.Google Scholar
  12. 1).
    Vgl. u. a. H. Dold, Das Bakterien-Anaphylatoxin usw. Jena, Fischer 1912. p. 23.Google Scholar
  13. 2).
    Zeitschr. f. Immunf. usw. Bd. 3. 1909 581.Google Scholar
  14. 3).
    Armand-Delille (Soc. de Biol. Bd. 72. 1912. 869) bestätigt vor kurzem den bereits von Friedberger gemachten Befund, daß bei der passiven Anaphylaxie der Komplementschwund stärker als bei der aktiven ist, findet aber darin keine Stütze der Annahme, daß das Komplement an der Anaphylatoxinbildung beteiligt ist, nachdem auch bei schwachen passiv ausgelösten Vergiftungen ein bedeutend stärkerer Komplementschwund als bei tötlicher aktiver Anaphylaxie nachgewiesen wurde, so daß die Fixation des Komplementes möglicherweise mit der Menge des Präzipitins in Zusammenhang zu bringen ist.Google Scholar
  15. 4).
    Münch. med. Woch. 1907.Google Scholar
  16. 5).
    Zeitschr. f. Immunf. Bd 2. 1909. 133 und Bd. 5. 1910. 580. Bd. 7. 1910. 661.Google Scholar
  17. 6).
    Ebendas. Zeitschr. f. Immunf. Bd. 4. 1910 612.Google Scholar
  18. 7).
    L. c. Zeitschr. f. Immunf. Bd. 2, p. 149 f.Google Scholar
  19. 1).
    l. c. S. 625. Vor kurzem haben Busson und Takahashi (Zbl. f. Bakt. usw. L Orig.-Bd. 65. 1912. 146) eine teilweise Bestätigung und Erweiterung der Angaben Tsurus erbracht und darauf hingewiesen, daß der Komplementschwund bei der Anaphylatoxinbildung als etwas Accidentelles und Sekundäres aufzufassen ist, das von der Art der zur Anaphylatoxinbildung in Reaktion tretenden Substanzen und der zeitlichen Einwirkung ihrer giftigen Produkte und nur zum geringen Teil von der Menge des gebildeten Giftes abhängig ist.Google Scholar
  20. 2).
    Zeitschr. f Immunf. Bd. 7. 1910. 665 und Bd. S. 1911. 239.Google Scholar
  21. 3).
    Zeitschr. f. Immunf. Bd. 6. 1910. 299.Google Scholar
  22. 4).
    Zeitschr. f. Immunf. Bd. 12. 1912. 644.Google Scholar
  23. 5).
    C. r. Soc. Biol. Bd. 72, 1912, 61.Google Scholar
  24. 6).
    Zeitschr. f. Immunf. Bd. S. 1910. 129.Google Scholar
  25. 1).
    Arch. f. klin. Chirurg. Bd. 76. 1905. 1.Google Scholar
  26. 2).
    Arch. f. experim. Pathol. usw. Bd. 55. 1906. 306.Google Scholar
  27. 3).
    Annales Pasteur. Bd. 16. 1902. Nr. 2.Google Scholar
  28. 4).
    Ebendas. Annales Pasteur. Bd. 16. S. 233.Google Scholar
  29. 5).
    Ebendas. Annales Pasteur. Bd. 16. S. 106.Google Scholar
  30. 1).
    l. c. Annales Pasteur. Bd. 16. p. 170.Google Scholar
  31. 2).
    Löffler hat über den Komplementgehalt des Blutes in seinen. Versuchen keine Angabe gemacht; dagegen hat vor kurzem D. Cesa-Bianchi (Arch. di Farmacol. sperim. e. scienze affini. Vol. XIII. 1912. S. 45 d. S. A.) gelegentlich anderer Beobachtungen bei der Löfflerschen versuchsanordnung noch einen nicht unbeträchtlichen Komplementrest im Blute konstatiert (komplete Hämolyse bei 0,1–0,06 Komplement).Google Scholar
  32. 3).
    Biochem. Zeitschr. Bd. 31. 1911. 113. Wien klin. Wochen. 1911. Nr. 4.Google Scholar
  33. 4).
    Zeitschr. f. Immunf. Bd. 12. 1911. 85.Google Scholar
  34. 5).
    l. c. Zeitschr. f. Immunf. Bd. 12. 1911. 85.Google Scholar
  35. 1).
    Arch. di Farmacol. sperim. etc. 1911, Bd. 12. p. 450. Referiert im Zentralbl. der experim. Med. usw. Bd. I. 1912, 216.Google Scholar
  36. 2).
    Arch. f. exper. Path. usw. Bd. 65, 1911, 337 und Bd. 68, 1912, 83.Google Scholar
  37. 3).
    l. c. Arch. f. exper. Path. usw. Bd. 65, 1911, 337Google Scholar
  38. 1).
    Zeitschr. f. Immunf. usw. Bd. 3. 1909. 598.Google Scholar
  39. 2).
    Zeitschr. f. Immunf. usw. Bd. 3. 1909. 581.Google Scholar
  40. 3).
    l. c. Zeitschr. f. Immunf. usw. Bd. 3. 1909. p. 595.Google Scholar
  41. 1).
    Das zur Reinjektion verwendete Pferdeserum war stets gut abgelagert und erwies sich auch bei einer Dosis von 4–5 ccm Vollserum atoxisch. Ebenso war das Rinderserum bei den verwendeten Reinjektionsdosen völlig ungiftig; Hühnereiweiß ergab selbst unverdünnt bei Meerschweinchen keine akuten Vergiftungserscheinungen.Google Scholar
  42. 1).
    Auch Busson und Takahashi (l. c.. p. 151. Nr. 3 und 4) führen analoge Befunde an.Google Scholar
  43. 2a).
    l. c.. p. 599.Google Scholar
  44. 1).
    l. c.. p. 156.Google Scholar
  45. 2b).
    l. c.. p. 621/22.Google Scholar
  46. 3).
    l. c.. p. 160.Google Scholar
  47. 4).
    Auch hier macht sich (Meerschw. Nr. 78) die Erscheinung geltend, daß der Komplementschwund nach Rinderseruminjektion bei einer späteren Blutentnahme größer als bei der vorausgehenden ist, während diese Erscheinung im Versuche Nr. 68 bei Verwendung von Pferdeserum nicht nachweisbar ist.Google Scholar
  48. 1).
    Mediz. Klinik 1906. 21.Google Scholar
  49. 2).
    Zeitschr. f. Immunf. usw. Bd. 5. 1910. 580.Google Scholar
  50. 1).
    Zentralbl. f. Bakter. I. Orig. Bd. 34. 1903. 831.Google Scholar
  51. 2).
    Zeitschr. f. experim. Path. u. Therap. Bd. 4. 1907. 282.Google Scholar
  52. 3).
    Vgl. Landsteiner und Stankovic, Zentralbl. f. Bakter. usw. I. Orig. Bd. 52. 1906. 353; ferner Biltz, Much u. Siebert, in Behrings Beiträgen z. exper. Therap. Heft 10. 1905. 44. Für die Herstellung und Überlassung eines sehr wirksamen Argofermentes sind wir der chem. Fabrik von Heyden, Radebeul zu großem Danke verpflichtet.Google Scholar
  53. 4).
    Arch. f. Hyg. Bd. 36. 1901. 270. 459.Google Scholar
  54. 1).
    Zeitschr. f. Hyg. u. Infktkrankh. Bd. 37. 1901. 173 f.Google Scholar
  55. 1).
    a. a. O. Zeitschr. f. Hyg. u. Infktkrankh. Bd. 37. 1901. S. 184.Google Scholar
  56. 1).
    Einmal trat bei einem Normalmeerschweinchen (Versuch vom 18. April 1912, Gewicht 415 g) nach fraktionierter Injektion (3 Portionen innerhalb 10 Min.) von im ganzen 8 ccm Antikomplementserum II, das seit dem 12. April im dunkeln und kühlen Raum aufbewahrt wurde, ein plötzliches Sistieren der Atmung unter den gleichen Erscheinungen wie beim anaphylaktischen Shock ein. Das Serum enthielt einen deutlichen Bodensatz, wurde jedoch steril befunden.Google Scholar
  57. 2).
    Ferrata, Berl. klin. Wochenschr. 1907. Nr. 13, 366.Google Scholar
  58. 1).
    Vgl. Nedvigailov u. Budkewicz. Zeitschr. f. Immunf. Bd. 12. 1912. 695.Google Scholar
  59. 2).
    Die Injektion von 8–10 ccm normales inaktiviertes Kaninchenserum erzielte in zwei Versuchen an vorbehandelten Meerschweinchen (Hühnereiweiß) eine Komplementabnahme von ca. 50 Proz. (maximum).Google Scholar
  60. 1).
    Zeitmarkierung je 5 Sek. in allen 3 Figuren.Google Scholar
  61. 2).
    Auch bei Verwendung von Rinderserum (Nr. 139).Google Scholar
  62. 1).
    Für 4 ccm Rindervollblut kommen 0,2 ccm eines 1000 fachen Kaninchenrinderblutambozeptor zur Verwendung.Google Scholar

Copyright information

© Verlag von F. C. W. Vogel 1912

Authors and Affiliations

  • M. Loewit
    • 1
  • G. Bayer
    • 1
  1. 1.Institut für experim. Pathologie der k. k. Universität InnsbruckInnsbruckÖsterreich

Personalised recommendations