Die Wirkungsstärke von Chloroform und Tetrachlorkohlenstoff

  • Hermann Fühner
Article

Zusammenfassung

Chloroform bewirkt bei innerlicher Verabreichung an Kaninchen Narkose, doch nur in tödlichen Gaben. Tetrachlorkohlenstoff tötet innerlich, macht aber selbst in zehnfach tödlicher Menge keine Narkose. Subkutan ergibt sich für beide Chlorprodukte an weißen Mäusen dasselbe Wirkungsverhältnis; auch hier wirkt nur Chloroform narkotisch.

An Mäusen und Fröschen wurde festgestellt, daß bei der Einatmung Chloroform wirksamer ist als Tetrachlorkohlenstoff. Dagegen zeigt sich an Fröschen bei Narkoseversuchen mit wässerigen Lösungen das umgekehrte Verhalten beider Substanzen, wie es schon von der Narkose des Froschherzens und anderer biologischer Objekte bekannt ist.

Nach quantitativen Bestimmungen nehmen Mäuse und Frösche bei der Einatmung weniger Tetrachlorkohlenstoff als Chloroform auf, so daß die schwächere Wirkung des ersteren hierdurch teilweise verständlich wird. Bei Bestimmungen der Verteilung beider Narkotika an Meerschweinchen zeigte sich aber, daß der Tetrachlorkohlenstoff zwar etwas reichlicher von der Lunge aufgenommen wird als das Chloroform, daß jedoch vor allem sehr viel größere Mengen des Tetra- als des Trichlorproduktes im Gehirn gespeichert werden. Für das Zentralnervensystem selbst ist also der Tetrachlorkohlenstoff ein schwächeres Narkotikum als das Chloroform.

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Copyright information

© Verlag von F.C.W. Vogel 1923

Authors and Affiliations

  • Hermann Fühner
    • 1
  1. 1.Pharmakologischen Institut der Universität LeipzigLeipzigDeutschland

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