Beiträge zur Kenntniss der Missbildungen in der Kopf- und Halsgegend

  • K. v. Kostanecki
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Literatur

  1. 1).
    Monstrorum sexcentorum descriptio anatomica. 1841. p. 247.Google Scholar
  2. 2).
    Zur Kenntniss der Dignathie, Archiv für patholog. Anatomie Bd. 64. S. 540. 1875.Google Scholar
  3. 1).
    Vergl. Franck, Mittheilungen der Veterinärschule in München. 1863. H. 1. Gurlt, Magazin für Thierheilkunde. Jahrg. XVII. S. 214. Hertwig, Praktisches Handbuch der Chirurgie für Thierärzte. Berlin 1874. S. 807. Heusinger, Die Kiemenfisteln des Menschen und der Thiere. Deutsche Zeitschr. für Thiermedicin. Bd. II. S. 17 (daselbst eine Anmerkung Bollinger's). Lancillotti-Buonsant und Generali. Gazette méd.-vét. III. 1873. Röll, Oesterreichische Zeitschrift für Veterinärkunde. Bd. XXIV. S. 132. Wehenkel, Annales de méd. vétérin. 1873. p. 400. Leider waren mir nur die Arbeiten von Hertwig und Heusinger zugänglich, bezüglich der übrigen musste ich mich auf Referate beschränken.Google Scholar
  4. 2).
    Das Auftreten von Zähnen hat dazu Veranlassung gegeben, die ganze Missbildung als “dislocirte Zähne”, “verirrte Zähne”, “Zahngeschwulst”, “Zahncyste”, “Dermoidcyste” zu bezeichnen. Es braucht wohl kaum hervorgehoben zu werden, dass diese Bezeichnung weder den anatomischen Charakter der Missbildung genauer wiedergiebt, noch auch eine Erklärung desselben liefert. Zudem sind die Ausdrücke “Zahncyste”, “Dermoidcyste” vom pathologisch-anatomischen Standpunkte völlig verfehlt, indem wir als Cyste nur einen mit differentem Inhalt gefüllten Hohlraum verstehen, der gegen die Umgebung durch eine Bindegewebsmembran oder durch complicirter gebautes Gewebe abgeschlossen ist, was auf diese Fälle in keiner Weise sich anwenden lässt.Google Scholar
  5. 1).
    Sichere Angaben über das Vorkommen dieser Fisteln finden wir bei Hertwig (Praktisches Handbuch der Chirurgie für Thierärzte, Berlin 1874, S. 807), der sie öfters am äusseren Rande des unteren Endes der Ohrmuschel gesehen zu haben angiebt. Der Kanal hatte eine rundliche Oeffnung, aus der eine weisse, sehr zähe, mit Eiweiss gemengte Flüssigkeit aussickerte; mit einer Sonde konnte man stets nach abwärts, oft bis 5 cm tief eindringen und zuweilen war der Kanal an seinem Grunde sackförmig erweitert.Google Scholar
  6. 2).
    Bezüglich der morphologischen Stellung dieser Fisteln und ihres Verhältnisses zu den Kiemenfisteln vergl. eine Arbeit, die ich vor Kurzem mit meinem Freunde veröffentlicht habe (K. v. Kostanecki und A. v. Mielęcki, Die angebornen Kiemenfisteln des Menschen. Ihre anatomische Bedeutung und ihr Verhältniss zu verwandten branchiogenen Missbildungen. Dieses Archiv Bd. 120 u. 121. 1890). Ich habe damals bereits hervorgehoben, dass die bei Pferden und Schafen vorkommenden Zahnbildungen am äusseren Ohr mit den gewöhnlichen Ohrfisteln nicht zu homologisiren sind, sondern eine viel complicirtere Entwickelungsstörung darstellen; auch habe ich damals diese Arbeit in Aussicht gestellt. Leonhardt (Zeitschrift für praktische Veterinärärzte. I. Jahrg. S. 11. 1873) beschrieb eine seit Geburt bestehende, in der Mitte zwischen Griffelfortsatz des Oberhauptbeins und dem Winkel des grossen Zungenbeinhorns auf dem M. masto-styloideus und stylo-maxillaris gelegene Oeffnung, von welcher aus man einen von Pflasterepithel ausgekleideten Kanal 3 Zoll nach abwärts verfolgen konnte, der in einem Hohlraum blind endete. Es ist wohl richtig, wenn Leonhardt diese Fistel in die Kategorie der Halskiemenfisteln stellt, mit Unrecht bezweifelt er aber die Angaben anderer Autoren über das Vorkommen von Zähnen in der Ohrgegend und vermuthet, es wären keine eigentlichen Zähne gewesen; falsch ist es auch, wenn er letztere Beobachtungen gleichfalls in die Kategorie der Halskiemenfisteln stellt.Google Scholar
  7. 1).
    Handbuch der pathologischen Anatomie der Hausthiere. Berlin 1832. II. § 195 S. 223 u. § 326 S. 353.Google Scholar
  8. 1).
    Ueber Missbildung und deren Eintheilung durch zwei eigene Fälle erläutert (Ein Schaf mit einem zweiten Munde am rechten Winkel des Unterkiefers). v. Graefe's und v. Walther's Journal der Chirurgie Bd. X. H. 1. S. 65. Taf. II. Fig. 2.Google Scholar
  9. 1).
    Weniger Berechtigung noch, als diese Erörterungen, haben die Bemerkungen Rościszewski's, wo er als Thatsache hinnehmend, dass hier ein zweiter Mund an Stelle des Paukenkanals getreten ist, einen Vergleich zwischen diesem Prozesse und den Vorgängen im Pflanzenreiche zieht, in denen es durch Reduction oder progressive Umbildung zum Ersatz von Kelchblättern durch Laubblätter oder von Blumenblättern durch Staubblätter kommen kann. Aehnlich wie die Botaniker diese Umbildung der Blumenblätter Antholyse bezeichnen, sucht Rościszewski einen für alle solche Fälle (auch im Thierreich) anwendbaren Namen “Morpholyse” einzuführen. Wir nehmen von diesem Vorschlag Rościszewski's Notiz, halten ihn aber auf diese Missbildungsklasse nicht für anwendbar.Google Scholar
  10. 1).
    Ich habe absichtlich in die genauere Erklärung nur die Fälle von Otto, Gurlt, Rościszewski und mir hineingezogen, da mir nur bei diesen das Wesen der Missbildung auf einem und demselben Princip zu beruhen scheint; es giebt aber in der Literatur einige Fälle, die sich hieran eng anschliessen. So namentlich eine von Israel (Ein Fall von Verdoppelung der linken Unterkieferhälfte. Inaug.-Diss. Berlin 1877) bei einem, bis auf Spaltung des Tragus und des Ohrläppchens normal gebildeten, neugebornen Kinde beobachtete Missbildung: an der linken Seite befand sich ein umfangreicher, bis zur oberen Halsgegend sich erstreckender Tumor, in dessen Tiefe ein knöcherner Theil fühlbar war. In der Gegend des Unterkieferwinkels erhob sich eine grössere Vorwölbung, und nach innen und oben von derselben ragte ein schräg verlaufender cylindrischer Wulst, dessen mit einer radiär gestreiften lippenartigen Schleimhaut versehenes Ende fast rüsselartig über das Niveau der Wange hervorragte und einen Spalt aufwies, in den die Sonde bis 1,8 cm weit eindrang. Der Wulst zeigte bei näherer Beobachtung deutliche Bewegungen. Nach dem Mundwinkel zu befand sich ein kleines, eine speichelähnliche, mit Pflasterepithelien vermengte Flüssigkeit beständig secernirendes Grübchen. Nach der Exstirpation erwies sich der im Tumor fühlbare Knochen als eine rudimentäre Unterkieferhälfte, in der fünf Zahnkeime eingebettet waren, und an der Muskelansätze sich fanden. Der Tumor am Unterkieferwinkel rührte her von der Cyste einer rudimentär noch nachweisbaren Speicheldrüse, deren Oeffnung das Grübchen gegen den Mundwinkel darstellte. Der rüsselartige Wulst wird von Israel als verkümmerter Mund aufgefasst, und die nach innen davon sich vorfindende Musculatur nebst der mit Papillae filiformes versehenen Schleimhaut für ein Aequivalent der Zunge. — Dieser Fall kann sicherlich auch durch die Entwickelung eines abnormen Kieferbogenfortsatzes erklärt werden, der aber viel näher dem oberen Rande des Unterkieferbogens, gegen die spätere Wangengegend hin sich entwickelt baben muss. —Sodann finden wir bei Gurlt einen Fall verzeichnet (zunächst mitgetheilt in Streit's Schlesische Provinzialblätter, 1828, Februar, S. 166), der ein Lamm betrifft, das an der linken Seite des Halses etwa 21/2 Zoll hinter dem linken Ohr eine Oeffnung hatte mit einem der Oberlippe ähnlichen Auswuchs und unter demselben einen kleinen Zahn. Durch diese Oeffnung athmete nun das Lamm, und beim Fressen wurde der zweite Mund mit bewegt. — Leider ist die Beschreibung zu näheren Schlussfolgerungen zu kurz und ungenau, es scheint uns aber die Missbildung wohl in der Weise entstanden zu sein, dass bier der Theil des Kieferbogens, der zum Oberkieferfortsatz werden sollte, doppelt producirt wurde, und dass der abnorme Fortsatz dann durch das Wachsthum der angrenzenden Theile nach hinten verdrängt wurde. — Auch der Fall von Vallisneri (La Galleria dei Monstri nella Galleria di Minerva. T. V. P. X. p. 269) ist wohl durch einen, dem oben erörterten ähnlichen Vorgang entstanden: ein Kalb hatte einen zweiten Unterkiefer mit 8 Schneidezähnen, der in einen Sack von barter Haut eingeschlossen war.Google Scholar
  11. 1).
    Histoire générale et particulière des anomalies de l'organisation.Google Scholar
  12. 2).
    Handbuch der pathologischen Anatomie der Hausthiere. Berlin 1852.Google Scholar
  13. 1).
    Encyclopädisches Wörterbuch der medicinischen Wissenschaften, Artikel: Monstrum.Google Scholar
  14. 2).
    Diese rein anatomische Bezeichnung ist nicht ganz zutreffend; die Missbildung ist in den Fällen von Rościszewski, Otto und mir ein “Monstrum per excessum”, zugleich aber ein “Monstrum per defectum”, indem eine Paukenhöhle, sowie Theile des äusseren Ohrs (namentlich der Ohrmuschel) fehlen.Google Scholar
  15. 1).
    Beiträge zur Lehre von den Zwilligen. Archiv für Gynäkologie. VII. 1875. S. 211.Google Scholar
  16. 2).
    De la polygnathie chez l'homme. Annales de gynécologie. Tome IV. p. 81. Paris 1875. Die Arbeit war mir im Original unzugänglich; ein genaues Referat über die beiden beobachteten Fälle ist enthalten bei Willy Meyer (Missbildungen im Bereiche der ersten Kiemenspalte und des ersten Kiemenbogens, Archiv für klinische Chirurgie. Bd. XXIX. 1883. S. 511).Google Scholar
  17. 3).
    W. Meyer hat sicherlich Recht, wenn er die Fälle von Ahlfeld und Magitot zur Epignathie und nicht, wie Magitot, zur Polygnathie rechnet. Ich würde als den einzigen Fall von Polygnathie beim Menschen den Fall von Israel (a. a. O.) auffassen. Den Fall von W. Meyer selbst, den er und Ahlfeld als Polygnathie bezeichnen, kann ich nicht als solchen erkennen. Der Fall betrifft ein Mädchen, bei dem nach aussen von der linken Zahnreihe in dem Raume zwischen ihr und der Wange eine mit glatter Schleimhaut überzogene Geschwulst sich befand, auf der ein deutlicher, aus 7 Zähnen gebildeter Zahnbogen hervorgewachsen war; den Boden der Geschwulst bildete Knochensubstanz, die mit der linken Unterkieferhälfte unbeweglich fest verbunden war. In diesem Befunde, der an der lebenden Patientin gemacht wurde, kann ich keine Verdoppelung des Unterkiefers, nur eine Verdoppelung der Zahnreihe sehen, und bin geneigt, die Missbildung auf eine doppelt stattgehabte Einsenkung der Zahnleiste zurückzuführen. Diese Erklärung stimmt viel besser mit den anatomischen Charakteren der Missbildung, ist von vornherein viel wahrscheinlicher, und vor Allem stehen ihr keine Schwierigkeiten im Wege, die W. Meyer nicht gestatteten, “zu einer endgültigen Entscheidung über die Entstehung dieser merkwürdigen Missbildung”, da er sie als Verdoppelung des Unterkiefers auffasste, zu kommen. Dass es unmöglich ist, anzunehmen, dass ein überzähliger, zunächst unter dem normalen eigentlichen Unterkiefer gelegener, Unterkiefer “seitlich nach links und oben auf die äussere Fläche des anderen hinaufgezogen oder-geschoben sein sollte”, liegt bei näherer Ueberlegung auf der Hand; eine solche Wanderung ist ohne die tiefgreifendsten Störungen in den umgebenden Theilen, die sich durch mannichfache äussere Deformitäten kundgeben müssten, gar nicht denkbar, davon war aber in dem Falle nichts bemerkt worden. — Völlig verfehlt ist der vergleichend-embryologische Erklärungsversuch Meyer's: Indem er daran erinnert, dass bei niederen Thieren die Kiemenbogen in grösserer Anzahl angelegt sind, könnte man, meint er, annehmen, “dass sich hier ursprünglich ein überzähliger Kiemenbogen entwickelt hatte”, der den Pseudokiefer producirte. — Wenn ein überzähliger Kiemenbogen sich entwickelt hätte, so könnte er nur das Gebilde darstellen, das er im niederen Thierreiche darstellte. Es giebt aber kein Geschöpf mit zwei normalen Unterkieferbogen. Was ein solcher überzähliger Bogen, wenn er wirklich entstünde, darstellen würde, wollen wir nicht erörtern, bietet ja die Homologisirung der normalen Bogen Schwierigkeiten genug für die vergleichende Embryologie.Google Scholar
  18. 1).
    So z. B. der Fall von Etienne Geoffroy Saint-Hilaire (Muséum d'histoire naturelle. T. XIII. p. 108. 1825).Google Scholar
  19. 1).
    Dass es keine Uebertreibung meinerseits ist, wenn ich auf diese Gefahr hinweise, mag folgender Abschnitt aus W. Meyer's Arbeit beweisen: “Herr Professor Ahlfeld” (der Verfasser theilt die erbetene Ansicht desselben über seinen Fall mit) “ist geneigt, diese Missbildung an die Fälle von Diprosopus distomus, einer Unterabtheilung der Duplicitas anterior (Ahlfeld, Missbildungen. I. S. 74 u. 75) anzureihen.” ... “Mit dieser Anreihung unseres Falles an die Diprosopi ist nun auch eine Möglichkeit der Entstehung ausgesprochen: es würde die vorliegende Missbildung beruhen auf einer Spaltung des Fötus am Kopfende. Dieselbe hat aber nur den Unterkiefer betroffen. Auch mir scheint diese Deutung am ehesten annehmbar, da sich der Fall dadurch an etwas schon Bekanntes, wenn auch in exceptioneller Weise anlehnt.”Google Scholar
  20. 1).
    Bezüglich der Literatur vergl.: Otto, Lehrbuch der pathologischen Anatomie. Bd. I. § 129 und Isidore Geoffroy Saint-Hilaire, Histoire générale des anomalies. Bd. I. p. 284–286. In beiden Werken findet sich die ältere casuistische Literatur (die Arbeiten von Meyer, Réaumur, Hamburger).Google Scholar
  21. 1).
    Herrn Geheimrath Prof. Hasse, Director des anatom. Instituts in Breslau, möchte ich auch an dieser Stelle für die gütige Erlaubniss, den Fall hier zur Veröffentlichung zu bringen, meinen Dank aussprechen.Google Scholar
  22. 2).
    Vergl. die oben bereits erwähnte Arbeit: K. v. Kostanecki und A. v. Mielęcki, Die angebornen Kiemenfisteln des Menschen, wo auch die Abbildungen von Ahlfeld wiedergegeben sind.Google Scholar

Copyright information

© Druck und Verlag von Georg Reimer 1891

Authors and Affiliations

  • K. v. Kostanecki
    • 1
  1. 1.I. anatomischen Institut in BerlinBerlinDeutschland

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