Beiträge zur Spezifität der Entzündung mit besonderer Berücksichtigung des tuberkulösen Granuloms

  • Fred Roulet
  • Konrad Bloch
Article

Zusammenfassung

Aus bovinen und humanen Tuberkelbacillen konnte nach Extraktion mit organischen Lösungsmitteln nach demAndersonschen Verfahren eine Substanz gewonnen werden, die als Magnesiumsalz einer Phosphatidsäure charakterisiert wurde. Dieser Körper ist der Träger der besonderen „tuberkulogenen” Wirkung der Tuberkelbacillen, ihm verdanken diese Keime ihre Eigenschaft, Tuberkel zu erzeugen. Die Phosphatidsäure entfaltet ihre besondere Wirkung zum Teil auf Grund ihrer chemischen Konstitution, weil sie infolge ihrer Löslichkeitseigenschaften (Löslichkeit in Fetten und Ölen, Bildung stabiler wäßriger Emulsionen) sehr günstigen Rosorptionsbedingungen in den Bindegewebszellen begegnet. Dadurch ist ein rasches Eindringen der Substanz in den Zellkörper in fein disperser Form ermöglicht, mit dem Ergebnis, daß sich die speichernden Bindegewebszellen zu Epitheloidzellen umwandeln. Diese Phosphatidsäure aus Tuberkelbacillen unterscheidet sich von den anderen im Pflanzenreich bekannten Phosphatidsäuren durch ihren Fettsäurenanteil; diese Fettsäuren (Tuberkulostearinsäure und Phthionsäure) sind flüssige, gesättigte Fettsäuren, die im Verlauf der hydrolytischen Spaltung auftreten und sehr wahrscheinlich letzten Endes die Träger der spezifischen Gewebsantwort darstellen. Sie können allerdings nur dann ihre Wirkung entfalten, wenn sie mit dem Gesamtmolekül der Phosphatidsäure von den Zellen aufgenommen worden sind und werden nach einem intracellulären hydrolytischen Spaltungsprozeß frei.

Die Phosphatidsäure aus humanen Tuberkelbacillen wirkt beim Menschen stärker als derselbe aus bovinen Tuberkelbacillen dargestellte Stoff; und umgekehrt ist die Wirkung „boviner Phosphatidsäuren” beim Kaninchen stärker als die der „humanen” Präparate, was einen Hinweis für die „chemische Spezifität” dieser Stoffe darstellt. Die Fortschritte auf dem Gebiete der Serologie der Tuberkulose stehen in Übereinstimmung mit den mitgeteilten Ergebnissen, insbesondere wurde gezeigt, daß die Phosphatidsäure und die Fettsäuren aus Tuberkelbacillen bei tuberkulös infizierten Kaninchen nicht stärker gewirkt haben als bei gesunden Tieren. Dieser Befund ist dadurch zu erklären, daß den Phosphatiden keine Tuberkulinwirkung (wie den Eiweißen aus Tuberkelbacillen) zukommt. Bisher haben nur die Untersuchungen an Tuberkelbacillen Hinweise für die Rolle charakteristischer chemischer Bausteine aus den Bacillenleibern im spezifischen Entzündungsprozeß geliefert.

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Copyright information

© Verlag von Julius Springer 1936

Authors and Affiliations

  • Fred Roulet
    • 1
  • Konrad Bloch
    • 1
  1. 1.pathologisch-anatomische und bakteriologische AbteilungSchweizerischen Forschungsinstitut in DavosDavosSchweiz

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