Pathologisch-anatomische Untersuchungen über Entstehung und Ausbreitung thrombotisch-entzündlicher Vorgänge im Halsvenensystem unter besonderer Berücksichtigung der nach Gaumenmandelentzündung entstehenden Formen

  • A. Greifenstein
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Zusammenfassung

Die eingehende makro- und mikroskopische Untersuchung von Fällen tödlicher septischer im Bereich des Halsvenensystems sich abspielender Entzündungen ergab folgendes:
  1. 1.

    Für die postanginösen septischen Infektionen scheint die AnsichtUffenordes von dem überwiegenden Vorkommen der phlegmonöslymphangitischen Ausbreitung der Entzündung auf das Venensystem Gültigkeit zu haben.

     
  2. 2.

    Die auf dem Lymphweg fortgeleitete Infektion kann nach Überschreiten der benachbarten Lymphknoten auf dem Wege über die großen Lymphstämme zu einer unmittelbaren Keimeinschwemmung in die Blutbahn führen.

     
  3. 3.

    An je einem Falle von vom Ohr bzw. Zähnen ausgehender Sepsis konnte dargetan werden, daß die fortschreitende Thrombophlebitis auf zahlreichen, zum Teil schwer auffindbaren venösen Seitenbahnen (z. B. über die Vena vertebralis) die Vena jugularis interna umgehen und den kleinen Kreislauf erreichen kann.

     
  4. 4.

    Cavernosusthrombose und Sepsis nach Nasenfurunkel entstehen meist durch endophlebitische Fortleitung über die Vena angularis und ophthalmica. Bemerkenswert ist dabei in einem Falle das Ergriffensein der Venen der entgegengesetzten Seite beim Sitz der Eingangspforte auf der anderen Seite.

     
  5. 5.

    Der Nachweis von sog. Intimaknötchen in den Venen bei den hier beschriebenen septischen Veränderungen legt die Möglichkeit nahe, daß sie, entsprechend der Auffassung vonDietrich undSiegmund, als Grundlage für sekundäre thrombotische Ablagerungen in Betracht kommen können, die dann als diskontinuierliche Thrombosen in Erscheinung treten.

     

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Schrifttum Ausführliche Literaturangaben finden sich in folgenden Referaten

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Copyright information

© Verlag von Julius Springer 1931

Authors and Affiliations

  • A. Greifenstein
    • 1
  1. 1.Pathologischen Institut der Universität MarburgMarburgDeutschland

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