Schädlingsbekämpfung bei Erhaltung einer gesunden und reizvollen Erholungslandschaft am Beispiel des Stechmückenproblems

  • Ingram Iglisch
Article

Zusammenfassung

Die Anwendung von „Giftstoffen” zur Bekämpfung von Schadorganismen gehört zu den naturwidrigen Maßnahmen. Aber auch die Umformung der natürlichen. Umwelt in die menschliche — ein Prozeß, der nicht aufgehalten werden kann — zählt hierzu, sofern es nicht gelingt, sich für die Gestaltung von Landschaften, für die Gestaltung unserer Umwelt schlechthin, auf Maßnahmen zu besinnen oder bewußt solche zu entwickeln, die letztendlich nicht zerstörerisch, sondern aufbauend, d. h. stets im „Lebendigen” wirken. Dies bedeutet, daß Lebensbedingungen für die betreffenden Schadorganismen ungünstiger zu gestalten sind, bei Erhaltung einer gesunden Landschaftsstruktur.

Lange Zeit galt die Entwässerung von Gebieten als eine der elegantesten Maßnahmen zur Lösung von Stechmückenproblemen. Entwässerungen sind aber nur dort durchzuführen, wo menschlichen Eingriffen zufolge der Grundwasserspiegel nicht bereits bedenklich abgesunken ist. Und wo können wir uns noch eine weitere Senkung desselben leisten? Die Stechmücken stehen in engsten Wechselbeziehungen mit den Wasserstandsverhä ltnissen ihrer Umgebung und bilden mit dem Wasserhaushalt einer Landschaft, der wiederum witterungsbedingt ist, eine Ganzheit höherer Ordnung. Um hier in die Massenentwicklung plageerregender Stechmücken landschaftsschonend einzugreifen, ist der Wasserhaushalt entsprechend zu regulieren. Mit einer über das Jahr hin gleichmä ßigen Bewässerung von Mückenbrutgebieten und der annähernden Konstanthaltung des Wasserspiegels wird den in unseren Breiten zur Plage werdenden Mückenarten der GattungAëdes die Möglichkeit zur Massenentwicklung genommen, denn die im Trockenen liegenden Eier sind zum Schlüpfen der im Wasser lebenden Larven auf Überflutungen angewiesen, die nun nicht mehr eintreten können.

Summary

Conservation of a natural human environment inspite of pest control especially measures against mosquitoes

The application of “poisonous substances” in pest control means a measure contradicting natural conditions. However, the conversion of the natural environment into a human environment — a process which cannot be stopped — would also have to be counted under this heading unless it will be possible to recall, or develop intentionally, measures for landscape development, for shaping the human environment as such that eventually will not have destructive but rather constructive effect, i. e. that take effect within the context of life. This means that the living conditions of the pests concerned will have to be designed to be less favourable for them while a sound landscape structure is maintained. For all long time, drainage has been considered as one of the most elegant measures to resolve mosquito problems. Drainage can be formed, however, only in situations where, due to human interference, the groundwater level has not yet decreased to a critical degree. And where could we still afford a reduction beyond the present level? The life of mosquitoes is closely interrelated with water levels in their habitat. Together with the hydrologic conditions of a given region which in turn depend on climate, a superordinate entity is formed. In this case, control of a mass development of mosquitoes as a pest does not affect the environment, is achieved by a corresponding adjustment of hydrologic conditions. A uniform water supply to mosquito breeding areas and maintenance of an approximately constant water level over the year will eliminate the risk of a mass development of mosquitos of the genusAëdes meaning pests at our geographical latitude, because flooding (which cannot take place any more) will be required for the eggs deposited at dry sites; otherwise, the larvae which are aquatic could not hatch.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literaturverzeichnis

  1. Bockemühl, J., 1964: Aufgaben des Menschen an die Natur. In Naturwissenschaftliche Grundfragen, 7 bis 37. Philosoph.-Anthroposophischer Verlag, Dornach, Schweiz.Google Scholar
  2. Franz, J. M.;Krieg, A., 1972: Biologische Schädlingsbekämpfung. Verlag Paul Parey, Berlin-Hamburg, 208 S.Google Scholar
  3. Iglisch, I., 1971: Stechmückenplagen in Großstädten Teil I: Zur Lebensweise der Stechmücken und zur Prognose eines Massenauftretens, Bundesgesundheitsbiatt14, 53–60.Google Scholar
  4. Iglisch, I. 1973: Umweltschutz und Schädlingsbekämpfung. Gegensatz oder Einheit? Natur u. Landschaft48, 49–53.Google Scholar
  5. Peus, F., 1932: Die Stechmückenplage im Spreewald und die Möglichkeiten ihrer Bekämpfung. Z. f. Gesundheitstechnik u. Städtehygiene24, 133–142 u. 181–202.Google Scholar
  6. Peus, F., 1940: Die Stechmückenplage und ihre Bekämpfung II. Teil. DieAëdes-Mücken, Z. f. Hyg. Zoologie32, 49–79, siehe auch Merkblatt Nr. 16 aus der Preußischen Landesanstalt für Wasser-, Boden- und Lufthygiene.Google Scholar
  7. Scheffer, F.;Ulrich, B., 1960: Humus und Humusdüngung. Lehrbuch der Agrikulturchemie und Bodenkunde III. Teil. Ferdinand Enke Verlag Stuttgart, 266 S.Google Scholar
  8. Sukopp, H., 1970: Charakteristik und Bewertung der Naturschutzgebiete in Berlin (West) Natur u. Landschaft45, 133–139.Google Scholar

Copyright information

© Verlag Paul Parey 1974

Authors and Affiliations

  • Ingram Iglisch
    • 1
  1. 1.Institut für Wasser-, Boden- und Luftgygiene des Bundesgesundheitsamtes1 Berlin 33

Personalised recommendations