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Über den Einfluß der Ausschaltung der Hypophyse und der Nebennieren auf die Erregbarkeit der Froschgefäße

  • S. Nogaki
Article

Zusammenfassung

Die vorliegenden Versuche lassen sich in ihren Ergebnissen wohl nur derart deuten, daß sowohl Nebennieren als auch die Hypophyse die Gefäße maßgebend in der Richtung beeinflussen, daß sie ihre Empfindlichkeit gegenüber verschiedenen chemischen Reizen erhalten oder steigern; ihr Wegfall bewirkt eine bedeutende Herabsetzung der Erregbarkeit der Gefäßwände. Es ist wohl anzunehmen, daß gleichzeitig mit der verminderten Reaktionsfähigkeit der Gefäßwände auch eine tiefgreifende Änderung des ganzen vegetativen Stoffwechsels eingesetzt hat, als deren Ausdruck eben u. a. auch die veränderte Anspruchsfähigkeit der Gefäße auf bestimmte Reize anzusehen ist. Wenn man berücksichtigt, daß die Gefäße normaler Tiere noch mehrere Tage nach dem Tode recht gut erregbar bleiben, so wird man leicht den Einfluß der beiden Organe, welcher sich nach ihrer intravitalen Entfernung in der herabgesetzten Ansprechbarkeit kundgibt, bewerten können. Die eingangs aufgeworfene Frage, ob intravital die beiden innersekretorischen Drüsen, Nebennieren und Hypophyse, an der Beeinflussung des Gefäßapparates beteiligt sind, scheint uns also durch vorstehende Versuche im bejahenden Sinne beantwortet zu sein. Am deutlichsten ist der Einfluß an dem beiderseitigen Ausfall der Organfunktion zu merken, während die einseitige Entfernung der Hypophyse oder der Nebennieren, wenn auch deutlich, so doch wesentlich schwächer wirksam ist; es summieren sich also in dem ersteren Falle beide Schädigungen. Es geht daraus hervor, daß bei voller Ausschaltung der einen Drüse die zweite bis zu einem gewissen Grade die Reaktionsfähigkeit der Gefäße aufrecht zu erhalten vermag, sowie auch von vornherein zu erwarten ist, daß der Ausfall der hypophysären Funktion einen qualitativ durchaus verschiedenen Gefäßzustand schafft, wie jener der Nebennierenausschaltung. Dieser Umstand dürfte auch für die Erklärung der an Säugetieren vermißten Reaktionsänderungen heranzuziehen sein, falls die eine oder andere Drüse, zumal in kurzdauernden Versuchen, entfernt worden war. Da es sich in unseren Versuchen stets um die Entfernung des ganzen Organs gehandelt hat, so vermögen sie naturgemäß nicht mit voller Sicherheit auszusagen, welche Teile der Drüse an den Versuchsergebnissen beteiligt sind; da aber bei den Nebennieren das aus dem Mark stammende Adrenalin, bei den Hypophysen die aus dem Hinterlappen und dem Infundibulum stammenden Präparate nach unseren bisherigen Kenntnissen in erster Linie die Gefäße beeinflussen, während von den anderen Teilen dieser Drüsen vorläufig eine Änderung der Gefäßreaktion unbekannt ist, so sind wir geneigt, die beobachteten Ausfallserscheinungen vorwiegend auf den durch längere Zeit währenden Entfall dieser Hormone zurückzuführen. Die Frage, welche Teile der Gefäßwand durch den Ausfall der hormonalen Wirkungen Schaden genommen hatten, kann mit einiger Wahrscheinlichkeit beantwortet werden; wie die veränderte Wirkungsweise sowohl des Adrenalins, wie auch des Pituglandols nämlich erschließen läßt, kann die herabgesetzte Erregbarkeit nicht allein die Nervenelemente, sondern muß auch die kontraktilen Apparate der kleinen Gefäße und Kapillaren betreffen, da diese die Angriffspunkte der Hypophysenpräparate darstellen; durch den Funktionsausfall der Nebennieren und der Hypophyse werden daher zweifellos auch diese Erfolgsorgane, wenn auch etwas später, als die sympathischen Vasokonstriktoren, in ihrer Erregbarkeit herabgesetzt. Besonders bemerkenswert erscheint uns aber, daß nach Entfernung der Hypophyse die Reaktion der Extremitätengefäße auf Hypophysenpräparate sich völlig umkehrt, indem die normalerweise eintretende Gefäßerweiterung in eine Gefäßverengerung übergeht, ein Beispiel dafür, wie sehr der Einfluß innersekretorischer Drüsen für die Gefäßreaktion bestimmend sein kann.

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Copyright information

© Verlag von F. C. W. Vogel 1924

Authors and Affiliations

  • S. Nogaki
    • 1
    • 2
  1. 1.Pharmakologischen Institut der Wiener UniversitätWienÖsterreich
  2. 2.Japan

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