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Zur angeborenen und erworbenen Atropinresistenz des Kaninchens

Ein Beitrag zur Immunisierung mit abiuretischen Giften
  • Hans Rudolf Schinz
Article

Zusammenfassung

Die angeborene Resistenz der Kaninchen gegen Atropin, gemessen an der Dauer der Vaguslähmung, ist sehr verschieden.

Ein höherer Grad von Atropinresistenz geht stets einher mit der Fähigkeit des Blutes, Atropin in vitro zu zerstören. Dieser Abbau ist aber offenbar chemisch nicht sehr weitgehend, da aus dem Blut-Atropingemisch, das physiologisch fast unwirksam ist, das Atropin nach Vitali quantitativ nachgewiesen werden kann.

Werden Tiere mit hoher und solche mit geringer Resistenz gegen Atropin, chronisch mit diesem Gift behandelt, so steigert sich bei den ersteren die Resistenz in vivo und die Zerstörungsfähigkeit des Blutes in vitro bedeutend, die Zerstörung wird jetzt auch durch die Vitali-Reaktion angezeigt, die Ausscheidung im Urin beträgt nur noch 25% der eingespritzten Menge. Bei den letzteren gewinnt das Blut keine zerstörenden Fähigkeiten, dementsprechend scheiden diese Tiere auch 50% des Atropins im Harne wieder aus. Bei allen Tieren kommt ferner die Leber als entgiftendes Organ in Betracht.

Die atropinzerstörende Fähigkeit des Kaninchenblutes- und-serums, welche durch Immunisierung noch gesteigert worden, ist passiv auf andere Kaninchen und Katzen übertragbar. Durch Inaktivieren verliert das Serum seine spezifische Wirkung. Serum von Kaninchen, welche chronisch mit Atropin behandelt wurden, deren Blut aber kein Atropin abbaut, besitzt keine Wirkung.

Unklar bleibt, warum nur einzelne Tiere die Fähigkeit besitzen, Atropin im Blute zu zerstören, und warum diese Fähigkeit nur bei diesen Tieren künstlich zu steigern ist und bei den andern nicht hervorzurufen ist.

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Copyright information

© Verlag von F.C.W. Vogel 1917

Authors and Affiliations

  • Hans Rudolf Schinz
    • 1
  1. 1.Pharmakologischen Institut der Universität ZürichZürichDeutschland

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