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Untersuchungen über den Mechanismus der Arsenwirkung

  • L. Lendle
  • E. Reinhardt
Article

Zusammenfassung

Die Arsenikwirkung auf den Nerven in der Zahnpulpa, die wohl einen Teil der allgemeinen zellnekrotisierenden Wirkung dieser Substanz darstellt, ist zuletzt von Wasmuth als Folge einer Lähmung der Atmungsfermente des Pulpagewebes gedeutet worden. Nach vergleichenden quantitativen Feststellungen der lähmenden Arsenkonzentrationen für die Funktionen von Nerv und Muskel sowie für die Zellatmung wurde die Frage erhoben, ob diese atmungshemmende Wirkung als ursächlich für die Funktionslähmung gelten kann.

Die Bestimmung der wirksamen Arsenikkonzentration an Nerv und Muskel ergab große Unterschiede bei Zugrundelegung verschiedener Einwirkungszeiten; bei 8 stündiger Beobachtung mußten 150–300 fach und bei 24 Stunden 30 fach stärkere Konzentrationen als bei 48 Stunden Versuchsdauer verwendet werden. Die Arsenikwirkung hängt also weitgehend von der Dauer ab.

Bei 48 Stunden Versuchsdauer erwies sich der Muskel als empfindlicher (1∶250000) denn der Nerv (1∶70000).

Die Beeinflussung der Zellatmungsvorgänge wurde mittels Nitroreduktionsmethode nach Lipschitz am Froschmuskel und an Hefe (lange Einwirkungsdauer) geprüft. Eine vollständige Hemmung konnte auch mit starken Konzentrationen 1∶1000 bzw. 1∶3000 nicht beobachtet werden. Mit Konzentrationen, die an Nerv und Muskel schon funktionslähmend waren, trat nur eine teilweise Herabsetzung der Reduktionsprozesse ein. Eine Entscheidung, ob diese allein als ausreichende Ursache für die zellnekrotisierende Wirkung anzusehen ist, kann nicht gefällt werden, weil unsere Kenntnisse über die Größe des für die Funktionserhaltung notwendigen Zellstoffwechsels noch nicht genügen. Die Möglichkeit soll nicht ausgeschlossen werden, wenn auch vergleichende Versuche über die Lähmung von Funktion und Zellatmung durch Blausäure an Nerv und Muskel teilweise dagegen sprechen.

Eine weitere vergleichende Bestimmung der wirksamen Arsenkonzentration an den Kapillaren des Frosches bei Durchströmung der Hinterpfoten, ergab, daß sich in solchen kurzfristigen Versuchen eine Kapillarlähmung nicht mit Sicherheit feststellen läßt.

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Copyright information

© Verlag von F.C.W. Vogel 1931

Authors and Affiliations

  • L. Lendle
    • 1
  • E. Reinhardt
    • 1
  1. 1.Pharmakologischen Institut der Universität LeipzigLeipzigDeutschland

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