Advertisement

Untersuchungen über die Wirkungen organischer Rhodanide

  • Gert Taubmann
Article

Zusammenfassung

Die vorliegende Untersuchung zeigt die organischen Rhodanide als eine Gruppe mit deutlich ausgesprochener eigenartiger Giftwirkung. Die mono- und disubstituierten aliphatischen Rhodanide haben sämtlich den Charakter von Krampfgiften mit Angriff am Hirnstamm. Die Koppelung der Krampfwirkung und Fiebersenkung ist bei manchen der Körper deutlich. Einige andere, die die Temperatursenkung vermissen lassen, zeigen, daß die Lehre vom Krampfgiftcharakter der Antipyretika nicht dogmatisch richtig ist, sondern Ausnahmen zuläßt. Allen oben genannten Körpern ist eine Erregung der Atmung am normalen und morphinbehandelten Tier eigen. Es ist in hohem Grade wahrscheinlich, daß der Angriffspunkt dieser Wirkung zentral ist. Hierfür spricht ihr Bestehenbleiben in tiefer Narkose und unter Morphin. Weiter spricht dafür, daß Rhodanide mit Doppelbindung in dieser Richtung vollkommen unwirksam sind, während ihre lokale Reizwirkung, die bei der Ausscheidung durch die Atmungswege für die Atmungserregung in Frage käme, ganz erheblich ist. Die letztgenannten Körper sind nun aber nicht nur in bezug auf die Atmung, sondern auch in jeder anderen Richtung unwirksam. Sie sind es entweder an sich oder werden es, weil sie wegen der Doppelbindung besonders leicht im Organismus zerstört oder umgewandelt werden. Zu den charakteristischen Wirkungen der Rhodanide gehört offenbar auch die Blutzerstörung, die bei den meisten angedeutet ist, beim Anilinrhodanid schweren Blutgiftcharakter aufweist. Narkotische Wirkung der organischen Rhodanide, die in Analogie zu den organischen Bromiden und Chloriden möglich erschien, wurde beim Warmblüter nicht nachgewiesen. Allgemein läßt sich sagen, daß die Einführung der Rhodangruppe nicht zu Wirkungsbildern führt, die auf Grund von Analogieschlüssen zu erwarten wären. Eine Ausnahme macht hier nur die auch durch ihre Konstitution aus dem Rahmen fallende Rhodanessigsäure, die in ihrer Wirkung der Bromessigsäure sehr ähnlich ist. Eine therapeutische Verwendung dieser Körper kommt nach den geschilderten Befunden nicht in Frage. Von Intersse ist es aber, daß in Genußmitteln (Senf) und Medikamenten (Senföl, Senfpflaster, Rettichextrakt) mit der Anwesenheit von organischen Rhodaniden zu rechnen ist.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. 1).
    v. Dalmady, Wien. klin. Wochenschr. 1912, Bd. 25, S. 794.Google Scholar
  2. 2).
    Birckenbach und Kellermann, Ber. d. dtsch. chem. Ges. 1925, Bd. 58, I, S. 786.Google Scholar
  3. 1).
    Lechner und Goebel, Ber. d. dtsch. chem. Ges. 1921, Bd. 54, S. 2223.Google Scholar
  4. 2).
    A. W. HofmannEbenda 1868, Bd. 1, S. 25 und 169.Google Scholar
  5. 3).
    Cahours, Jahresber. über d. Fortschritte d. Chemie 1875, S. 257.Google Scholar
  6. 4).
    Derselbe Cahours, Liebigs Ann. d. Chem. Bd. 61, S. 95.Google Scholar
  7. 1).
    Schmidt, Zeitschr. f. Chem. 1870, S. 567Google Scholar
  8. 1).
    Julie Lermontoff, Ber. d. dtsch. chem. Ges. 1874, Bd. 7, S. 1282.Google Scholar
  9. 1).
    Hagelberg, Ber. d. dtsch. chem. Ges. 1890, Bd. 23, S. 1083.Google Scholar
  10. 2).
    Gerlich, Liebigs Ann. d. Chem. Bd. 178, S. 85.Google Scholar
  11. 1).
    Gattermann und Hausknecht, Ber. d. dtsch. chem. Ges. 1890, Bd. 23, S. 738.Google Scholar
  12. 2).
    Fichter und Beck,Ebenda 1911, Bd. 44, III, S. 3636.Google Scholar
  13. 1).
    Söderbäck, Liebigs Ann. d. Chem. 1919, Bd. 419, S. 217.Google Scholar
  14. 2).
    Kaufmann und Öhring, Ber. d. dtsch. chem. Ges. 1926, Bd. 59, S. 187.Google Scholar
  15. 3).
    Claesson,Ebenda 1877, Bd. 10, S. 1346.Google Scholar
  16. 1).
    Das Fieber wurde bei den Kaninchen wie üblich durch Injektion von Heuinfus bewirkt. Es handelt sich also um ein unspezifisches Reizfieber. (Siehe Hesse und Taubmann, Arch. f. exp. Pathol. u. Pharmakol. 1928, Bd. 136, S. 239.)Google Scholar
  17. 1).
    Flury-Zangger, Lehrb. d. Toxikologie 1928, S. 212 und 316.Google Scholar
  18. 1).
    Steinauer, Virchows Arch. f. pathol. Anat. u. Physiol. 1874, Bd. 59, S. 65.Google Scholar
  19. 1).
    Pohl, Arch. f. exp. Pathol. u. Pharmakol. 1888, Bd. 24, S. 142.Google Scholar
  20. 2).
    Engel, Pflügers Arch. f. d. ges. Physiol. 1925, Bd. 207, S. 523.CrossRefGoogle Scholar
  21. 1).
    Heffters Handb. d. exp. Pharmakol. 1923, Bd. 1, S. 83.Google Scholar
  22. 2).
    Edinger und Treupel, Münch. med. Wochenschr. 1900, S. 717.Google Scholar

Copyright information

© Verlag von F. C. W. Vogel 1930

Authors and Affiliations

  • Gert Taubmann
    • 1
  1. 1.Institut für Pharmakologie und experimentelle Therapie der Universität BreslauBreslauPolen

Personalised recommendations