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Über das Schicksal des Morphins im Tierkörper

  • E. Keeser
  • H. A. Oelkers
  • W. Raetz
Article

Zusammenfassung

Mit Hilfe einer Abänderung der von Fleischmann angegebenen Methodik gelingt es, Morphin in der Größenordnung, wie sie im Tierkörper vorkommt, quantitativ in allen Organen und in den Ausscheidungen zu bestimmen.

Der Morphingehalt war bei Meerschweinchen, die zu verschiedenen Zeiten nach einer subkutanen Injektion von Morphin getötet wurden, stets am höchsten in den Nieren und in der Leber, weit geringer in der Muskulatur und im Blut, am niedrigsten im Gehirn. 24 Stunden nach der Injektion war nur noch in der Niere und im Blut Morphin in quantitativ bestimmbaren Mengennachzuweisen.

Bei Meerschweinchen, die 3–6 Wochen lang täglich Morphin erhalten hatten, fand sich 16–24 Stunden nach der letzten Injektion in alle Organen-mit Ausnahme der Muskulatur-Morphin in quantitativ erfaßbaren Mengen.

Wurde Meerschweinchen 4 Tage lang täglich Morphin injiziert und darauf der ganze Körper dieser Tiere sowie der während der Versuchsdauer ausgeschiedene Urin und Kot auf Morphin untersucht, so wurden die injizierten Alkaloidmengen annähernd quantitativ wiedergefunden.

Ebenso konnte bei Mäusen, die zu verschiedenen Zeiten nach einmaliger Morphininjektion bzw. im Anschluß an eine sich über längere Zeit erstreckende Morphinapplikation getötet wurden, und bei denen das ganze Tier sowie die während der Versuchsdauer ausgeschiedenen Urinund Kotmengen untersucht wurden, rund 100% der verabfolgten Alkaloidmenge wiedergefunden werden. Hierbei enthielt der Organismus der Mäuse, die längere Zeit hindurch täglich Morphin erhalten hatten — entsprechend dem bei Meerschweinchen erhobenen Befund —, etwa 10% der insgesamt injizierten Morphinmenge; der Rest befand sich in den Ausscheidungen.

Die angestellten Versuche sprechen gegen die Annahme, daß im Organismus der untersuchten Tierarten Morphin in praktisch bedeutungsvollen Mengen zerstört wird, und bilden eine Stütze der Ansicht, daß die Wirkungen des Morphins durch reversible adsorptive Bindung dieses Alkaloids an bestimmte Fermente und hierdurch bedingte Änderungen des Stoffwechsels, deren Art von der Morphinkonzentration abhängt, hervorgerufen werden.

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Copyright information

© Verlag von F. C. W. Vogel 1933

Authors and Affiliations

  • E. Keeser
    • 1
  • H. A. Oelkers
    • 1
  • W. Raetz
    • 1
  1. 1.Pharmakologischen Institut der Universität RostockRostockDeutschland

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