Albrecht von Graefes Archiv für Ophthalmologie

, Volume 129, Issue 3, pp 339–352 | Cite as

Experimentelle Untersuchungen über das Verhalten der lebenden Hornhaut gegenüber kurzwelligem Ultrarot, mit Spaltlampenbeobachtungen an Bindehaut, Hornhaut und Iris des arbeitenden Glasbläsers

  • Hans Wagner
Article

Zusammenfassung

In den vorstehenden Untersuchungen wird zunächst die hochgradige Durchlässigkeit von Wasser und Quarz für penetrierendes Ultrarot, das eine strömende kalte Wasserschicht und eine Jod-Jodkalischicht passiert hat, physikalisch festgestellt. Derselbe Versuch wird an der frischen Hornhaut von Mensch und Tier durchgeführt und ergibt, daß diese sogar dann verschont bleibt, wenn die durch die Hornhaut gelangte Strahlung ausreicht, ein berußtes Thermometer auf 200–300° zu erwärmen. Wir verstehen auf Grund dieses Versuches, daß auch die Hornhaut des Glasbläsers und Gießers von diesem penetrierenden Ultrarot verschont bleibt, während, wie der Tierversuch lehrt, die Linse sich trübt. Stellt es doch, wie die unter Leitung vonVogt in der Glashütte Bülach durchgeführten Messungen ergeben, die einzigepraktisch in Betracht kommende Strahlungsart dar, welche ins Augeninnere einzudringen vermag,ohne die Hüllen zu schädigen. Sie schädigt, wie der Versuch zeigt, die Hornhaut auch in einer Strahlungsintensität nicht, die imstande ist, nach Passieren der durchsichtigen Hornhaut schwarzes Papier in wenigen Sekunden zu entzünden! Wird dagegen langwelliges, nicht penetrierendes Ultrarot auf die Hornhaut appliziert, dann tritt rasche Veränderung, Austrocknung und Verbrennung auf, letzteres auch dann, wenn das langwellige Ultrarot wesentlich viel weniger intensiv ist als das penetrierende kurzwellige. Wir erblicken in diesen Versuchen die Bestätigung des Satzes: Ohne Absorption keine Schädigung.

Die Spaltlampenuntersuchungen am Auge des arbeitenden Glasbläsers ergaben nicht nur Intaktheit der dem Ultrarot und der Konvektionswärme unmittelbar exponierten Bindehaut und Hornhaut, sondern vor allem auch Intaktheit der Iris, woraus schon allein auf die Unhaltbarkeit der vonGoldmann behaupteten, aber niemals weder klinisch noch experimentell erwiesenen exogenen Wärmeschädigung der Linse des Glasmachers geschlossen werden darf.

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Copyright information

© Verlag von Julius Springer 1933

Authors and Affiliations

  • Hans Wagner
    • 1
  1. 1.Aus der Universitäts-Augenklinik ZürichSwitzerland

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