Die chromatische Naheprobe

Zusammenfassung

Korrigiert man akkommodationslose Augen vor der KL in verschiedenen LSch-Abständen bis zu einem bestimmten Farbenbilde, so findet man als Ausdruck der optischen Starre einen Korrektionsunterschied, der dem Unterschiede der LSch-Entfernung entspricht. Auch bei akkommodationsfähigen Augen ist ein Korrektionsunterschied vorhanden (unvollständige Naheeinstellung), und zwar in einem für das betreffende Auge bestimmten Ausmaße.

Durch die Methode der Farbenzerstreuung können zwar kleinste Änderungen der Akkommodation zur Wahrnehmung gebracht werden, bei einäugiger Prüfung junger Augen ist aber die chromatische Einstellung für eine bestimmte Nähe nicht der Einstellung des Auges im Weißlichte für dieselbe Entfernung gleichzusetzen, weil durch die KL nur ein Teil der möglichen Akkommodation (reflektorischer Anteil) aufgedeckt wird. Für jenen Teil der Akkommodation, welcher, je nach Bedarf, die Beseitigung merklicher Unschärfen vervollständigt (Feineinstellung = Willensanteil) fehlt jeder Anreiz, weil die farbigen Bilder der ZK immer scharf sind.

Die Größe des reflektorischen Anteils wird beeinflußt durch den Zustand des Endorgans und verringert sich mit zunehmendem Alter in gleichmäßiger Weise bis zum 65. Lebensjahre; außerdem vom Zustande des nervösen Zentralapparates, so daß das Ausmaß des reflektorischen Anteiles der Akkommodation in gewissem Sinne als Gradmesser der zentralen Impulse gelten kann.

Jenseits der Akkommodationsgrenze entspricht die chromatische Einstellung der des Auges im Weißlichte und die chromatische Korrektion bei einer bestimmten LSch-Entfernung der besten Korrektion für diese Entfernung.

Der Astigmatismus kann sich bei der Naheeinstellung in einer nicht vorher zu bestimmenden Weise ändern; es kommen sowohl Größenänderungen (in 32%) als auch Lageänderungen (in 18%) vor — sie sind selbst noch bei Augen über 70 Jahren beobachtet worden — so daß eine eigene Naheprüfung nicht zu umgehen ist.

Augen, welche keinen Unterschied der astigmatischen Abweichung zwischen Fern- und Naheeinstellung zeigen, vertragen die volle Zylinderkorrektion gut, bei veränderlichem Astigmatismus ist, insbesondere für Dauergläser, das erträgliche Mindestmaß der Zylinderkorrektion zu verordnen, weil sich bei ihnen der Astigmatismus gleitend ändert.

Eine direkte Naheglasbestimmung mit Hilfe der KL ist erst nahe der Akkommodationsgrenze (vom 52. Lebensjahre ab) möglich; durch sie kann man auf kürzestem Wege die genaue Korrektion für jede gewünschte Arbeits- oder Lesedistanz finden.

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Rößler, F. Die chromatische Naheprobe. Graefes Arhiv für Ophthalmologie 141, 305–325 (1939). https://doi.org/10.1007/BF01854530

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