Archiv für Dermatologie und Syphilis

, Volume 154, Issue 2, pp 292–299 | Cite as

Ulcus molle und Frauenemanzipation

  • A. Spindler
Article

Zusammenfassung

Es wird gezeigt, daß die Erkrankungen an U. molle in Reval nach dem Kriege auf 6% der Vorkriegszahlen gesunken sind, während Gonorrhöe zugenommen hat und Lues nicht weniger ist als in günstigen Jahren vor dem Kriege. Ferner wird nachgewiesen, daß das U. molle verhältnismäßig mehr als Lues, und Lues mehr als Gonorrhöe gerade durch Prostituierte verbreitet wird. Aus einem Vergleich der Ansteckungsquellen vor und nach dem Kriege wird gezeigt, daß als Ansteckungsquelle nach dem Kriege weniger als früher die Prostituierten und mehr Nichtprostituierte in Frage kommen. Der Grund dafür sei hauptsächlich, daß nach dem Kriege in den verschiedensten Betrieben eine Menge weiblicher Angestellter beschäftigt ist, die es früher nicht gab, und daß diese wirtschaftlich selbständigen Mädchen für sich dieselbe sexuelle Freiheit beanspruchen wie früher nur der Junggesell. Dadurch werde der Prostitution das Wasser abgegraben und an ihre Stelle trete die geschlechtliche Promiskuität. Damit Zunahme der Gonorrhöe und Abnahme des U. molle. Das Zahlenverhältnis dieser beiden Krankheiten sei ein Indikator dafür, was zur Zeit die Hauptquelle der Geschlechtskrankheiten ist: Prostitution oder Promiskuität.

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Literatur

  1. 2.
    Daß die Zahlen für den Kreis Reval galten und nicht für die Stadt macht kaum einen Unterschied, da im Kreise Reval so gut wie nie Geschlechtskrankheiten vorkommen, die außerhalb Revals registriert werden.Google Scholar
  2. 3.
    Für die letzten Jahre vor dem Kriege fehlt die Statistik. 1915 finden sich wieder 734 Fälle=54 pro 10000 Einwohner. 1916 und 1917 fehlen wieder alle Zahlen. 1918—im Jahr der deutschen Okkupation—eine auffallende Abnahme auf 321 Fälle=28‱ 1919 (Abzug der deutschen Truppen und Zurückfluten der Nordarmee nach Estland) wieder eine Zunahme auf 461 Fälle=44‱ 1920 nur etwa die Hälfte davon, d. h. 240 Fälle=22‱ 1921:337=29‱ 1922 bloß 111=9‱ 1923: 112=9‱ 1924: 37=2,8‱ Einwohner; 1925: 42=3,2‱Einwohner; 1926 sind auch nur 41 Fälle registriert. (Die Zahlen sind nach den Jahresberichten der Ärzte angegeben, die größer sind als die nach den Meldekarten. Nach den letzteren waren es im Jahr 1922: 20 Männer und 3 Frauen; 1923: 58 Männer und 3 Frauen; 1924: 21 Männer und 7 Frauen; 1925: 21 Männer und keine Frau; 1926:19 Männer und keine Frau.Google Scholar
  3. 1.
    Ein Beitrag zur Statistik der Geschlechtskrankheiten in Dorpat während der Jahre 1909–1918, Dorpat 1921.Google Scholar
  4. 1.
    Im Folgenden sind die Zahlen nach den Meldekarten angegeben und nicht nach dem Jahr derMeldung, sondern nach dem der Infektion. Alle, bei denen der Infektionsmodus unbekannt war oder nicht verzeichnet ist, sind aus der Berechnung fortgelassen.Google Scholar
  5. 1.
    Die Zahl der eingeschriebenen Prostituierten in Reval war 1918: 798, 1919:760, 1920:723, 1921:755, 1922:659, 1923:586, 1924:559, 1925:583 (vgl. Statistisches Jahrbuch der Stadt Reval).Google Scholar

Copyright information

© Verlag von Julius Springer 1928

Authors and Affiliations

  • A. Spindler
    • 1
  1. 1.Reval

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