Über vestibulären Nystagmus nach Exstirpation von allen sechs Augenmuskeln beim Kaninchen; Beitrag zur Wirkung und Innervation des Musculus retractor bulbi

  • J. G. Dusser de Barenne
  • A. de Kleyn
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Zusammenfassung

  1. 1.

    Nach kreuzweiser Transplantation der horizontalen geraden Augenmuskeln beim Kaninchen findet man am betreffenden Auge in mehreren Fällen noch ganz normalen vestibulären Nystagmus (der Richtung nach); das operierte und das intakte Auge schlagen sodann synchron in derselben Richtung, als wäre keine Kreuzung vorgenommen worden.

     
  2. 2.

    Bei anderen Kaninchen dagegen findet man nach einer solchen Transplantation, daß die Richtung des vestibulären Nystagmus am operierten Auge gegensinnig zur normalen Richtung ist; die beiden Augen schlagen sodann zwar synchron, aber in entgegengesetzter Richtung.

     
  3. 3.

    Nach Exstirpation aller 6 äußeren Augenmuskeln ist noch normaler, horizontaler und vertikaler Nystagmus durch vestibuläre Reizung hervorzurufen. Nur rotatorischer Nystagmus war, mit Ausnahme eines Falles, nicht mehr auszulösen.

     
  4. 4.

    Dieses sub 3 erwähnte Ergebnis beruht darauf, daß beim Kaninchen an einem solchen Auge noch die 4 Zipfel des M. retractor bulbi vorhanden sind; diese Muskeln wirken wie die entsprechenden 4 geraden äußeren Muskeln.

     
  5. 5.

    Es gelingt denn auch, mit der Methode vonv. Topolamski-Bartels, von den isolierten Retractorzipfeln normalen, vestibulären (kalorischen) Nystagmus zu registrieren, wobei die 2 einander diametral gegenüberstehenden Zipfel reziproke Innervation zeigen.

     
  6. 6.

    Bei verschiedenen Kaninchen ist die Entwicklung der äußeren geraden Augenmuskeln gegenüber den zugehörigen Retractorzipfeln individuell verschieden. Das sub 1 mitgeteilte Ergebnis ist so zu deuten, daß in solchem Falle die Retractorzipfel stärker sind als die geraden Muskeln, während das sub 2 gefundene Verhalten auf stärkerer Entwicklung der geraden Muskeln beruht; im ersteren Falle ziehen die Retractoren das Auge noch in der normalen Richtung, während im zweiten Falle der Nystagmus am operierten Auge gegensinnig zum normalen ist, weil jetzt die 2 gekreuzten, geraden Muskeln überwiegen.

     
  7. 7.

    In bezug auf die Innervation der beiden Retractorzipfel, welche dem M. rectus internus und externus entsprechen, konnte das Folgende festgestellt werden:

     
  1. a)

    Beim kalorischen Nystagmus des sog. M. retractor internus kommt die Innervation fast immer nur über den N. oculomotorius zustande, beim Nystagmus des M. retractor externus findet jedoch die Innervation sowohl durch den N. oculomotorius als durch den N. abducens statt.

     
  2. b)

    Die Innervation bei der wirklichen Retractorfunktion (schnelle, synchrone Zusammenziehungen von beiden horizontalen Retractorzipfeln) wird nur vom N. abducens bewirkt.

     
  3. 8.

    Bei der Analyse der Augenbewegungen des Kaninchens müssen nicht nur die Funktionen der 6 äußeren Augenmuskeln, sondern auch diejenigen der Retractorzipfel in Zukunft mit in Betracht gezogen werden.

     

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Copyright information

© Verlag von Julius Springer 1929

Authors and Affiliations

  • J. G. Dusser de Barenne
    • 1
  • A. de Kleyn
    • 1
  1. 1.Pharmakologischen Institut der Reichsuniversität Utrechtdie Niederlande

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