Advertisement

Deutsche Zeitschrift für Nervenheilkunde

, Volume 149, Issue 5–6, pp 284–301 | Cite as

Ein Beitrag zur Frage der traumatischen Hirnstammschädigung und zum Commotionsproblem

Article

Zusammenfassung

Es wird über eine eigentümliche Verletzung berichtet, bei der die Spitze eines Floretts vom rechten unteren Orbitalrand durch die Fissura orbit. sup. bis zum Hirnschenkelfuß vordringt und neben einer peripheren Lähmung aller gleichseitiger Augenmuskelnerven eine umschriebene Läsion im Hirnstamm setzt, bei der vorwiegend die Pyramidenbahn betroffen wird, so daß eine, der Weberschen Lähmung sehr ähnliche, gekreuzte Hemiplegie entsteht.

Ein Vergleich mit einem von Kral veröffentlichten Fall, bei dem es zu einer gleichfalls umschriebenen Läsion in der Fossa interpeduncularis gekommen war, ergibt, daß die Vielzahl der im Hirnstamm gelegenen funktionellen Einheiten eine sehr genaue neurologische Lokaldiagnose derartiger umschriebener Verletzungen erlaubt, die sich in beiden analysierten Fällen mit dem durch die Verlaufsrichtung des Traumas bestimmten Verletzungsort deckt.

Der Fall zeigt erneut mit experimenteller Deutlichkeit, daß die commotionellen Symptome von der mesodiencephalen Übergangsregion her ausgelöst werden können. Er zeigt aber weiterhin auch, daß diese Symptome nicht nur infolge direkter traumatischer Schädigung, sondern auch auf dem Umweg über reaktive Veränderungen im Gefolge einer Hirnwunde auftreten können. Dabei unterscheiden sie sich aber in ihrem zeitlichen Ablauf vom typischen Commotionssyndrom.

Wegen dieser sekundären Veränderungen, die sich im Anschluß an eine Hirnverletzung entwickeln und deren Ausmaß nicht beurteilt werden kann, ist die lokalisatorische Bedeutung auch derart umschriebener Verletzungen für die sogenannte Commotionspsychose, die sich im Gegensatz zum Commotionssyndrom erst nach einem längeren Intervall an das Trauma anschließt, in Frage gestellt.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. Bay, E.: Zbl. Neurochirurg.1939, 119.Google Scholar
  2. Dege, A.: Neue dtsch. Chirurg.18, I (1920).Google Scholar
  3. Gamper, E.: Mschr. Psychiatr.99, 542 (1938).Google Scholar
  4. Klein und Kral: Z. Neur.149, 134 (1933).Google Scholar
  5. Kleist, K.: Gehirnpathologie. Leipzig: Johann Ambrosius Barth 1934.Google Scholar
  6. Környey, St.: Bumke-Foersters Handbuch der Neurologie5 (1936).Google Scholar
  7. Kral, A.: Arch. Psychiatr.101, 729 (1934)Google Scholar
  8. Med. Klin.1935 II.Google Scholar
  9. Reichardt, M.: Handb. der normalen und pathologischen Physiologie10 (1927).Google Scholar
  10. Schröder, P.: Neue dtsch. Chir.18, III (1916).Google Scholar
  11. Tönnis, W.: Nervenarzt1935, 573.Google Scholar
  12. Trabaud, M. J.: Rev. neur.1933 I, 465.Google Scholar

Copyright information

© Verlag von F. C. W. Vogel 1939

Authors and Affiliations

  • E. Bay
    • 1
  1. 1.Neurologischen Klinik am Hansaplatz BerlinDeutschland

Personalised recommendations