Klinische Wochenschrift

, Volume 11, Issue 38, pp 1577–1580 | Cite as

Über Prolanausscheidung bei Chronischem Hirndruck

Zugleich ein Beitrag zur Genese der kleincystischen Degeneration der Ovarien
  • E. J. Kraus
Originalien

Zusammenfassung

Von 30 Fällen, Männern und Frauen, mit chronischer intrakranieller Drucksteigerung, vor allem bedingt durch Tumoren des Gehirns und seiner Häute, konnte in 19 Fällen (= 60,3 %) eine vermehrte Prolanausscheidung im Harn bzw. ein vermehrter Prolangehalt im Blutserum, in 2 Fällen auch im Liquor, nachgewiesen werden.

Der Ausfall der VH.-Reaktion bewegt sich in den untersuchten Fällen von einer bloßen Vergrößerung der Follikel angefangen bis zu einer mächtigen VHR. I und III mit starker Verdickung der Uterushörner und reichlichen Schollen in der Scheide. In denselben Fällen erscheint auch die SB.- Reaktion in der Regel positiv.

Als wahrscheinliche Ursache der vermehrten Prolanausscheidung wird eine Steigerung der inkretorischen Tätigkeit der Hypophyse angesehen, welche Annahme um so eher gerechtfertigt erscheint, als nach meinen Untersuchungen der Vorderlappen der Hypophyse bei lange anhaltendem Hirndruck,namentlich bei Frauen, deren Hypophyse, wie die Schwangerschaftsveränderung derselben lehrt, zu Wucherungsvorgängen besonders neigt, in der Mehrzahl der Fälle hyperplastische Veränderungen, an denen sich alle 3 Zellarten des Vorderlappens beteiligen können, aufweist. (Eine diesbezügliche Ausnahme bilden diejenigen Fälle von chronischem Hirndruck, bei denen entweder die Hypophyse nicht oder nicht lange genug dem Drucke ausgesetzt oder die Verbindung der Hypophyse mit dem Gehirn unterbrochen war.)

Neben dem intrakraniellen, zur Drucksteigerung führenden Prozeß kommt bei Frauen mit erloschener Ovarialtätigkeit aus den vorhin angegebenen Gründen auch noch der Ausfall dieser für die vermehrte Prolanausscheidung ursächlich in Betracht.

Die von mir in etwa 80 % bei Kindern sowie Mädchen und Frauen im geschlechtstüchtigen Alter mit chronischer Drucksteigerung im Schädelinnern nachgewiesene kleincystische Degeneration der Ovarien dürfte eine Folge vermehrter Bildung und erhöhten Angebotes von VLG.-Hormon darstellen.

Durch den Nachweis hyperplastischer Veränderungen in der Orohypophyse in einem großen Teil der Fälle mit chronischem Hirndruck, namentlich bei Frauen, erhält, im Verein mit der Feststellung einer vermehrten Prolanausscheidung, die Annahme, daß die kleincystische Degeneration der Ovarien, wenigstens in einem Teil der Fälle, die Folge einer gesteigerten Hypophyseninkretion im Sinne eines „Hyperprolanismus“ darstellt, eine morphologische und biologische Grundlage.

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Copyright information

© Julius Springer und J. F. Bergmann 1932

Authors and Affiliations

  • E. J. Kraus
    • 1
  1. 1.Pathologischen Institut der deutschen Universität in PragTschechoslowakei

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