Zur Theorie der Atemregulierung im Sauerstoffmange

Zusammenfassung

Es wird an Hand einiger neuerer Befunde das Für und Wider der klassischen Kohlensäurereiztheorie der Atmung geprüft.

  1. 1.

    Die an pernoctonvergifteten Tieren beobachtete Atemregelung durch den Sauerstoffdruck des arteriellen Blutes ist nicht frei von regelnden Kohlensäureeinflüssen: Die durch Erhöhung des Sauerstoffdruckes (Sauerstoffatmung) auftretende Verlängerung der Atempause wird von beträchtlich vertieften Atemzügen gefolgt, obwohl der während der Apnoe wieder absinkende Sauerstoffdruck die Reizschwelle noch nicht erreicht hat. Der zweifellos erheblich erhöhte Kohlensäurespiegel des Blutes mü\te zur Deutung der gesteigerten Atemtiefe herangezogen werden.

  2. 2.

    Auch die Periodik der Atmung kann nicht als ausschlie\lich durch den Sauerstoffdruck des Blutes geregelt verstanden werden: Die periodische Rhythmik bleibt bei Sauerstoffatmung erhalten. Eine Vermittlung der Chemoreceptoren ist für das Auftreten der Perioden nicht erforderlich. Die zentrale Genese der periodischen Atmung ist somit nahegelegt.

  3. 3.

    In einer Versuchsserie über Atemregelung bei Muskelarbeit findet sich ein Tier, dessen Atemgrö\e nicht durch die Kohlensäurespannung des Blutes beeinflu\t wird. Die Kohlensäureerregbarkeit des Atemzentrums ist bis zu alveolären Kohlensäuredrucken von 104 mm Hg vollkommen erloschen. Die Atmung ist durch tiefe Narkose und Operationsshock (Rückenmarksdurchtrennung) gegenüber der Norm stark reduziert. Die alveolären Sauerstoffspannungen sind entsprechend niedrig. Die Atemsteigerung während rhythmischer Tetanisierung der hinteren Extremitäten sind den alveolären Sauerstoffspannungen weitgehend proportional.

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Herrn Prof.W. R. HeΒ zum 60. Geburtstag.

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Kramer, K. Zur Theorie der Atemregulierung im Sauerstoffmange. Pflüger, Arch. 244, 592–602 (1941). https://doi.org/10.1007/BF01756030

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