Untersuchungen über den sog. Totstellreflex der Arthropoden

2. Mitteilung. III. Über Tenthrediniden-Reflexe
  • L. Löhner
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Zusammenfassung

  1. 1.

    Arge pagana Panz. gehört zu jenen Tenthrediniden, die als ausgebildetes Insekt den Totstellreflex, als Afterraupen neben diesem aber auch noch einen Schreckstellungsreflex zeigen.

     
  2. 2.

    Der Totstellreflex der Imagines gleicht vollkommen den entsprechenden Immobilitätsreflexen anderer fliegender Insekten (Cynipiden, Noktuen usw.); bei den Afterraupen erscheint er wie bei vielen Lepidopterenraupen in der Form eines Spiralreflexes.

     
  3. 3.

    Beim Schreck- oder Warnstellungsreflex der Afterraupen wird der Hinterleib blitzschnell in die Höhe geschleudert und bei reifen Tieren in doppelter S-förmiger, bei jüngeren in einfacher parabolischer Krümmung erhoben gehalten, während ausschließlich die Brustfüße das Festhalten an der Unterlage (Blattrand) vermitteln.

     
  4. 4.

    Als auslösende Reize für die Schreckstellungsreflexe kommen mechanische (Druck-, Berührungs- und Erschütterungsreize) und optische Reize in Betracht. Gewöhnlich ist hierfür aber Voraussetzung, daß sich die Tiere noch an ihren natürlichen Standorten (Blättern) befinden. In anderer Umgebung lösen obige Reize meist nur den Totstellreflex aus.

     
  5. 5.

    Reizwiederholung während des Schreckstellungsreflexes ruft meist pendelnde Abwehrbewegung des Hinterleibsendes hervor, ohne daß die Reflexstellung aufgegeben wird. Weitere Reizapplikation oder Intensitätssteigerung der Reize bewirkt die Ablösung des Schreckstellungsreflexes durch den Totstellreflex.

     
  6. 6.

    Von biologischen „akzessorischen Unterstützungsfaktoren“ der Bereitschaftsstellung wäre die Ausstattung der Afterraupen mit „allgemeinen Warnfarben und -zeichnungen“ anzuführen. Schwarzgefärbte, ovalgestaltete Vorwölbungen auf gelbem Grunde bedingen den Gesamteindruck eines Schachbrettmusters.

     
  7. 7.

    Engere Beziehungen zwischen dem Schreckstellungsreflex und der Schreckfärbung erhellen aus dem Umstande, daß sie beide den jüngsten Larven noch fehlen oder höchst unvollkommen angetroffen werden und sich erst allmählich mit zunehmendem Alter herausbilden.

     

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Nachträge und Ergänzungen zur Literaturübersicht der 1. Mitteilung

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© Verlag von Julius Springer 1920

Authors and Affiliations

  • L. Löhner
    • 1
  1. 1.Physiologischen Institut der Universität GrazÖsterreich

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