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Der Einfluß der Schreibgeschwindigkeit und des Schreibraumes auf die allgemeinen Schriftmerkmale

  • B. Mueller
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Zusammenfassung

Die Untersuchungen haben bestätigt, daß es absolut konstante allgemeine Schriftmerkmale nicht gibt, da sie sämtlich hin und wieder durch äußere Einflüsse, z. B.durch Änderung der Schreibgeschwindigkeit und Veränderung des Schreibraumes, auch ohne daß der Schreibende bewußt eine Änderung wünscht, gewissen Veränderungen unterliegen können. Es wird daher nicht gut möglich sein, allein auf Grund von Übereinstimmungen oder Verschiedenheiten der allgemeinen Schriftmerkmale unter bewußter Vernachlässigung der speziellen Schriftmerkmale (Eigenheiten der einzelnen Buchstaben) Gutachten abzugeben. Zu einem Resultat können wir beim Schriftvergleich immer nur kommen auf Grund einer Addition von möglichst zahlreichen Einzelindizien, die einmal von höheren, andermal von geringerem Wert sind. Hieraus ergibt sich mit Notwendigkeit, daß unser Schlußgutachten manchmal bestimmter, manchmal aber auch weniger bestimmt lautenmuβ. Ein Schriftsachverständiger, der sich anheischig macht, in jedem Falle nur ein glatt negatives oder ein glatt positives Gutachten abzugeben, wird sich erhöhter Gefahr eines Fehlgutachtens aussetzen.

Sind die allgemeinen Schriftmerkmale auch nichtabsolut konstant, so sind sie dochrelativ konstant, und den Grad ihrer Konstanz kennenzulernen, soweit dies nach dem vorliegenden, zahlenmäßig nicht sehr großem Material möglich erscheint, war Zweck dieser Untersuchungen. Es hat sich gezeigt, daß die Oberzeichen ebenso wie die Gestalt der unteren Schleifen, die mitunter bei Schriftgutachten hoch bewertet worden sind, doch nichtsoweit konstant sind, als man bisher vielleicht angenommen hat. Dagegen haben sich die Formen der oberen Schleifen, die Größenverhältnisse der Buchstaben zueinander und das Verhältnis der Oberlängen zu den Unterlängen und auch die Formen der Schlußhäkchen als recht konstant und nur selten bzw. vereinzelt verändert erwiesen. Es ist daher richtig, wenn man ihnen bei der Vornahme eines Schriftvergleiches erhöhte, wenn auch nicht ausschließliche Aufmerksamkeit schenkt.

In der Praxis wird man versuchen müssen, etwaige sich aus einer Änderung des Schreibraumes und der Schreibgeschwindigkeit ergebende Fehlerquellen dadurch auszuschalten, daß man dafür sorgt, daß die Probeschriften möglichst unter den gleichen Verhältnissen zustande kommen, unter denen überschläglich das Original angefertigt worden ist. Wir haben uns bei der praktischen Sachverständigentätigkeit nicht gescheut, die Justizbehörden in wichtigen Fällen darum zu bitten, daß der Verdächtigte beauftragt wird, zur Abgabe der Schriftprobe persönlich beim Schriftsachverständigen zu erscheinen; dieser Bitte ist auch willfahrt worden.

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Copyright information

© Verlag von Julius Springer 1933

Authors and Affiliations

  • B. Mueller
    • 1
  1. 1.Gerichtlich-medizinischen Institut der Universität MünchenDeutschland

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