Beiträge zum Studium des vegetativen Nervensystems

III. Mitteilung. Der Einflu\ des Vestibularapparates auf das Gefä\system
  • E. A. Spiegel
  • Th. D. Démétriades
Article

Zusammenfassung

  1. 1.

    Kalorische und galvanische Reizung des Labyrinths führt bei Kaninchen zu Senkung des Blutdruckes, ein Effekt, der ziemlich rasch nach Beginn des Reizes einsetzt und erst allmählich wieder zurückgeht. Die gleiche Wirkung lä\t sich auch bei mechanischer Reizung des im Porus acusticus internus freigelegten Nerv. VIII beobachten.

     
  2. 2.

    Durch Drehen der Versuchstiere lie\ sich ebenfalls eine Senkung erzielen, die schon während des Drehens oder erst mit dem Aufhören desselben e nsetzt, weiterhin manchmal einer nachträglichen leichten Blutdrucksteigerung Platz machen kann. Diese Depression tritt schon bei Anwendung von minimalen Reizen, ja schon nach einer einzigen Drehung auf.

     
  3. 3.

    Nach einseitiger Acusticusdurchschneidung ruft kalorische Reizung der operierten Seite keine Depression mehr hervor (galvanischer Reiz nach dieser Operation wurde nicht geprüft); nach Cocainausschaltung des Labyrinths war ein Effekt der galvanischen Reizung erst bei 20–25 Milliamp. (vielleicht durch Reizung des VIII. Stammes selbst) zu erzielen.

    Nach doppelseitiger Labyrinthausschaltung durch Cocainjektion konnte teils Rückgang resp. Aufhebung der Blutdrucksenkung, teils Verstärkung einer manchmal schon normalerweise zu beobachtenden kurzdauernden initialen Blutdrucksteigerung konstatiert werden. Diese Beobachtung spricht vielleicht dafür, da\ die geschilderte depressorische Wirkung bei Reizung des Vestibularapparates pressorischen Effekten, die durch Reizung anderer Nerven bei Drehen der Versuchstiere ausgelöst werden, superponiert ist.

     
  4. 4.

    Die geschilderte Blutdrucksenkung bleibt nach Vagus- und Halssympathicus-Durchschneidung bestehen, sie verschwindet fast ganz nach Durchschneidung des Rückenmarks ober dem Abgang der Nn. splanchnici; wenn man nach der Splanchnici-Durchschneidung den Blutdruck auf der alten Höhe erhält, kann man aber durch Vestibularisreizung noch eine deutliche Depression erzielen, was dafür spricht, da\ ähnlich wie bei der Reizung des N. depressor neben der Splanchnicuswirkung noch andere Gefä\gebiete am Zustandekommen der Depression beteiligt sind.

     

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Copyright information

© Verlag von Julius Springer 1922

Authors and Affiliations

  • E. A. Spiegel
    • 1
  • Th. D. Démétriades
    • 1
  1. 1.Neurologischen Institut der Universität WienÖsterreich

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