Advertisement

Untersuchungen zur Lehre von der Wechselwirkung der Sehfeldstellen

Article

Zusammenfassung

  1. 1.

    Es werden messende Methoden entwickelt zur Beantwortung der Frage, wie grosse Helligkeitsverschiedenheiten zwischen zwei aneinander grenzenden Feldern durch Erhellung des Umfeldes unmerklich gemacht werden können. Es wird gezeigt, dass so selbst Lichtstärkenunterschiede von 1∶800 „ausgelöscht“ werden können: ohne die Kontrastverdunkelung erscheint das eine der beiden Felder tiefdunkel, das andere hell weiss; damit ist der zahlenmässige Nachweis erbracht, dass durch Erhellung der Umgebung nicht nur „geringe“, sondern sogar sehr grosse Helligkeitsdifferenzen zweier aneinander grenzender Felder unmerklich werden können.

     
  2. 2.

    Es wird gezeigt, dass die Farben eines Infeldes nicht nur durch Erhellung des Umfeldes unmerkbar werden, sondern auch durch Verdunkelung des letzteren. Ein in heller Umgebung farbig erscheinendes Feld von nicht zu grosser Sättigung und Ausdehnung wird farblos weiss gesehen, sobald man die Lichtstärke seines Umfeldes entsprechend herabsetzt.

     
  3. 3.

    Die Angabe, der simultane Farbenkontrast komme gerade bei schwacher Färbung der Umgebung besonders deutlich zur Anschauung, wird einer erneuten Prüfung mit einfachen Methoden unterzogen. In Übereinstimmung mit dem schon von Hering Gefundenen wird die Irrigkeit der fraglichen Angabe dargetan und gezeigt, dass die Kontrastfarbe des kontrastleidenden Feldes deutlicher wird, wenn die Sättigung der kontrasterregenden Farbe zunimmt.

     
  4. 4.

    Es werden bisher nicht bekannte phasische (oszillatorische) Regungen im Sehorgan unter zwei Bedingungen nachgewiesen:

     
  5. a)

    Infolge plötzlicher Zunahme der Lichtstärke eines Umfeldes bei konstant bleibendem Infelde (Irisblendenversuch).

     
  6. b)

    Infolge plötzlicher Änderung der Lichtstärke des Gesamtsehfeldes solcher Augen, in welchen aneinander grenzende Sehfeldteile sich in wesentlich verschiedenen Zuständen befinden, wie zum Beispiel bei Nachbildern.

     
  7. 5.

    Die unter 1–4 besprochenen Tatsachen stehen in Widerspruch mit der von Helmholtz und seiner Schule vertretenen Auffassung des Simultankontrastes als einer Urteilstäuschung; sie bringen neue Beweise für die Richtigkeit der Lehre Ewald Hering's von der Wechselwirkung der Sehfeldstellen.

     
  8. 6.

    Die neuen Beobachtungen über das sogenannte Purkinje'sche Nachbild, insbesondere auch über dessen foveales Auftreten, sowie die Versuche mit der Methode der Nachbildgleichungen beweisen abermals die Unhaltbarkeit der Erklärung dieses Nachbildes aus einem verspäteten Stäbcheneffekte. Die Angaben, es fehle in der Fovea, bei rotem Lichte und bei ausgiebiger Dunkeladaptation, lassen sich auch mit diesen neuen Methoden leicht als unrichtig erwiesen.

     

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Copyright information

© Verlag von Julius Springer 1920

Authors and Affiliations

  • C. Hess
    • 1
  1. 1.München

Personalised recommendations