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Der Energieverbrauch in der Blutbahn

  • Josef Schleier
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Zusammenfassung

Die Aufgabe, die experimentell gemessenen Kräfte des Blutstromes mit den theoretisch berechneten zu vergleichen, liess sich bis heute nicht lösen, da über das Gefälle in der arteriellen Bahn noch keine Einigkeit unter den verschiedenen Autoren erzielt werden konnte, und insbesondere die Fick'sche Messung des Gefälles in einem der Blutbahn nachgebildeten Schema von Glasröhren in Widerspruch mit den Erfahrungen des Tierexperimentes und mit der Theorie stand. Da vermutet wird, dass das Fick'sche Ergebnis auf Störungen der geradlinigen Strömung durch Wirbelbildung zurückzuführen ist, wird im ersten Teil der Abhandlung das Gefälle in einem aus Kapillarröhren hergestellten Schema untersucht. Um das Gefälle auch theoretisch nach dem Poiseuille'schen Gesetz verfolgen zu können, mussten die Dimensionen des Schemas (Zahl, Länge und Durchmesser der einzelnen Röhren) genau festgestellt werden, was die Herstellung sehr umständlich und mühsam macht. An diesem Schema wird nun das Gefälle experimentell bestimmt und theoretisch berechnet, mit dem Ergebnis, dass das Poiseuille'sche Gesetz auch auf ein System verzweigter Röhren angewandt werden darf, und dass der Hauptdruckverlust nicht auf der venösen Seite, wie im Fick'schen Schema, sondern vor den Kapillaren erfolgt. Der Unterschied gegen das Ergebnis von Fick ist auf Turbulenz der Strömung in dessen Versuch zurückzuführen.

Im zweiten Teil wird die Berechnung des Energieverbrauches an zwei Bahnen des Tierkörpers vorgenommen, deren Gefässverzweigung und Dimensionen uns durch anatomische Untersuchungen ausreichend bekannt sind: an der Bahn der Arteria mesenterica und pulmonalis vom Hund, mit dem Ergebnis, dass die Grösse des Energieverbrauches in beiden Bahnen annähernd gleich der experimentell bestimmten ist. Der grosse Unterschied im Druckverbrauch der Körper- und Lungenbahn erklärt sich aus dem geringeren Widerstand der letzteren, und dieser ist in erster Linie durch die erheblich grösseren Querschnitte der Arterien, insbesondere im präkapillaren Gebiet, bedingt; in zweiter Linie durch die geringere Länge der Gefässe. In der Körperbahn entfällt der Hauptdruckverlust auf die präkapillaren Arterien, die bei normalem Tonus eine Drosselung des Stromes bewirken.

Da auch in den Bahnen des Tierkörpers der theoretisch berechnete Energieverbrauch mit dem experimentell bestimmten von gleicher Grösse ist, ist die Annahme einer von den kleinen Arterien am Blutstrom zu leistenden Arbeit überflüssig.

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Copyright information

© Verlag von Julius Springer 1919

Authors and Affiliations

  • Josef Schleier
    • 1
  1. 1.Physiologischen Institut der Universität BreslauPolen

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