Archiv für Gynäkologie

, Volume 139, Issue 1–2, pp 57–75 | Cite as

Zur Pathologie der Placenta adhaerens und accreta

  • Robert Joachimovits
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Literaturverzeichnis

  1. 1.
    Kermauner erstmal in Handbuch der Sachverständigen-Tätigkeit6, 322. —Prag. Z. Heilk.1900. — Z. Geburtsh.26. — Arch. f. Anat.1912.Google Scholar
  2. 2.
    Ergänzend zuFrankls Theorie, welche die vor Eintritt der Placentalösung erfolgende und u. E. für die Ablösung wesentliche Füllung des intervillösen Raumes neben der Füllung der Spongiosagefäße unbetont läßt.Google Scholar
  3. 3.
    NachFrankls Anschauungen (Mschr. Geburtsh.1919, H. 3), die für die Ablösungder normalen Placenta sicher zum großen Teil das Richtige treffen. —Die Spongiosamaschen mit den in den Septen verlaufenden, dünnwandigen Gefäßen bilden einen Ort geringen Widerstandes in dem System Placenta-Uteruswand. Gleich wenn das Kind geboren ist, also schon vor der ersten Wehe, werden — infolge des luftverdünnten Raumes, der nun im Cavum uteri entsteht — die Gefäße stärker ander Stelle und Schicht des genannten Systems angefüllt werden, an weleher sie am wenigsten gestützt uud durch umgebendes Gewebe geschützt sind. Der Ort solchen geringen Widerstandes ist aber diegesamte Placenta und insbesondere der spongiöse Deciduateil; es wirdalso der intervillöse Raum der Placenta schon vor der ersten Wehe mit Blut vollgefüllt — dabei und bei der folgenden Wehe werden die fetalen Gefäße ausgepreßt — es kommt in den mütterlichen Schleimhautgefäßen gleichfalls zur Blutstauung, und zwar besonders wieder in der spongiösen Schichte der Decidua, wo die Gefäße fast frei zwischen großen Hohlräumen liegen (cf. Abb. 1). Dieerste Nachgeburtswehe verstärkt dann noch diese Blutfüllung der Spongiosa, und zwar werden bei dieser Wehe, wie leicht erklärlich, die betreffenden Gefäße der Placentarstelle zu allermeist gefüllt. Diese Wehe verläuft ja wahrscheinlich so, daß die Kontraktion des Muskels gegen den Ort der Placenta fortschreitet, sie verstärkt schließlich die Blutfüllung der Spongiosa in einem für die Wand noch erhaltener Gefäße der Drüsensepten unerträglichem Ausmaße. Es sind also nur in zweiter Linie die erste Nachgeburtswehe und die Aspiration des Kindes, welche das sogenannte Reserveblut dem eben geborenen Kinde übermitteln. Diese 50 bis 100 ccm Blut, welche das Kind in den ersten 4 bis 8 Minuten vor Erlöschen der Nabelarterienpulsation zugeführt bekommt, werden nach der hier vorgetragenen Meinung zum größten Teil durch die beschriebene Füllung des intervillösen Raumes zustandegebracht. Daß sich hierdurch, wie mir anfänglich scheinen wollte, ein Weg ergäbe, um die maximale Kapazität des intervillösen Raumes zu messen, ist unwahrscheinlich; denn das Volumen des aufgefüllten intervillösen Raumes entspricht nur dem größten Teil des Reserveblutvolumens, mehrere Nachwehen können — besonders bei längerem Haften der Placenta — eine mehrmalige Auffüllung und Entleerung des intervillösen Raumes zur Folge haben, endlich schwanken die bisherigen, auf Wägung des Neugeborenen beruhenden (Lit. beiMayring, Diss. Erlangen, 1879) Angaben der Reserveblutquantität seit der Entdeckung des Phänomens durchBudin (Gar. med. 1876, II). So hatBumm (1917),Stöckl (1923) 50 bis 100 ccm,De Lee (1928) 40 bis 60 ccm angegeben,Illing (Diss. Kiel 1877) gibt bis 114 ccm Blut an. Die übergehende Menge ist gewiß individuell recht verschieden, sie muß es ja sein als eine von den drei Variablen Nachgeburtswehe, Aspirationskraft, Kapazität des Zwischen-Zottenraumes abhängige Funktion.Google Scholar
  4. 1.
    Zbl. Gynäk.1929.Google Scholar
  5. 2.
    Z. Geburtsh.92.Google Scholar
  6. 3.
    Ich sah 2 solche Falten an einer in situ befindlichen Placenta des 7. Monats; doch hatte die Patientin, von der der im übrigen myomatische Uterus stammte, geblutet, es sind also hier Wehen nicht auszuschließen. Immerhin mag der IdeeGrossers von der Faltung vor Wehenbeginn füreinige solcher Falten, sicher aber nicht für alle, zuzustimmen sein.Google Scholar
  7. 4.
    Halban-Scitz6 (1925); Dtsch. Frauenheilk.5, 5378 (1927).Google Scholar
  8. 1.
    Entsprechend lassen sich 3 Arten von Placenta adhaerens unterscheiden.Google Scholar
  9. 2.
    Vgl. auch Abb. 2.Google Scholar
  10. 1.
    Das gegenwärtige Häufigkeitsverhältnis ist nachHirst (zit. nachWilson, Amer. J. Obstetr.1921, Nr 1, 558) 1∶312 normaler Fälle. Das Material der Wiener Kliniken dürfte kaum mehr als 1% an Adhaerenzplacenten ergeben.Blagodarow gibt auf 13000 Geburten 132 Fälle adhaerenter Placenten an, also ebenfalls 1%.Google Scholar
  11. 2.
    Zbl. Gynäk.1929, Nr 19. —Beckmann, Zbl. Gynäk.1929, Nr 7.Google Scholar
  12. 1.
    Amer. J. Obstetr.1921, Nr 1. Eine Placenta accreta wurde unter Loslösung der Stücke manuell entfernt. Bei der Obduktion war der Uterus schwarz und gangränös an den Stellen, wo die Stücke herausgerissen waren, Thromben im Lig. lat., sowie in der A. iliaca externa links.Google Scholar
  13. 2.
    J. Arkans. med. Soc.1924.Google Scholar
  14. 3.
    J. amer. med. Assoc.82 (1924). Er entfernte bei einer 31 jährigen II-Para eine zum großen Teil accrete Placenta vom Ende der Schwangerschaft manuell 2 Stunden nach der Geburt. Das kind war tot und maceriert. Als Ursache wird ein Thrombus in der Umbilicalvene angenommen. Die Frau genas. Keine histologischen Befunde.Google Scholar
  15. 4.
    Surg. usw.1924. 3 Fälle ein Fall genauer beschrieben. Die Placenta, aus der es gar nicht blutete, war über einem submucösen Myom eingekeilt. Die Häufigkeit der Accreta wird auf 1∶6000 angegeben. Histologische Bilder und Bild des exstirpierten Uterus.Google Scholar
  16. 5.
    Colorado Med. Denver22, 145 (1925) und Trans. amer. gynec. Soc.1923. Bei einer V-Para mit Fehlgebur, im 5. Monat wurde die manuelle Lösung der Placenta 2 mal ohne Erfolg versucht. Die Operation wurde geweigert, die Patientin starb an akuter Sepsis 8 Tage nachher. Am Präparat zeigte sich, daß die Zotten durch den Uterus durchgedrungen waren, nur das Peritoneum lag über der Durchbruchsstelle.Google Scholar
  17. 6.
    Arch. di ost. e gin. Serie II. vol. XII., 1925. Zwei Fälle von Placenta accreta. Der eine Fall bei einer 28 jähr. III-Gravida. Nach Extraktion des lebenden Kindes und erfolglosen, auch manuellen Lösungsversuchen der Placenta, Exstirpation des tamponierten Uterus; Heilung. Der zweite Fall betrifft eine 29 jähr. III-Gravida am Ende der Schwangerschaft, welche bei der 1. und 3. Geburt Zwillinge spontan zur Welt brachte. Bei der zweiten Entbindung mußte die Placenta manuell gelost werden, bei der 3. Entbindung gelang dies nicht, nur Placentastücke konmen mit Mühe losgerissen werden. Totalexstirpation; Heilung. Beide Fälle sind mikroskopisch untersucht.Google Scholar
  18. 7.
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    Canad. med. Assoc. J.17 (1927). Fall einer Accreta bei 32 jähriger IV-Para, abd. Uterusexstirpation. Das kind war 2 Wochen vor der Geburt abgestorben. Die Häufigkeit der Accreta schärzt er auf 1∶8000. Histologische Bilder.Google Scholar
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  23. 2.
    Amer. J. Obstetr.16, 44–50 (1928). Ein Fall bei einer 37 jährigen II-Para. Er zählt 36 Fälle aus der Literatur.Nathanson schätzt die Häufigkeit auf 1∶20 000 Geburten (dagegenHirst 1∶40 000). Bemerkenswert, aber u. E. kaum zutreffend, ist die AnsiehtNathansons, daß die Unterentwicklung des Corpus luteum mit konsekutiver Schlechtausbildung eine Grundlage für eine Accreta abgeben könne. Histologische Bilder.Google Scholar
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    Gynéc. et Obstétr.1928, 81. Ein Fall einer histologisch nachgewiesenen Acereta bei einer 24 jähr. II-Para 2 Wochen vor Ende der Schwangerschaft. Die Patientin wurde unter der Vermutung einer vorzeitigen Lösung der Placenta einer Sectio unterzogen, dabei zeigte sich, daß ein Adnextumor und eine loklisierte Peritonitis links vorhanden war. Die Placenta ließ sich nicht ablösen, der Uterus wurde per lap. entfernt. Kind und Mutter leben. Hier ist die Möglichkeit von Muskelfalten erwähnt.Google Scholar
  26. 5.
    Bull. Soc. Obstétr. Paris1928. Wie bei dem vonLevy vorher aus der gleichen Klinik publizierten Falle wurde hier eine besonders im Zentrum acereta Placenta einer V-Para vom Ende der Gravidität stückweise durch manuelle Lösung entfernt, wobei einige Stücke in utero verbleiben mußten. Der Uterus wurde mit Dakinscher Lösung nachgespült. Die Patientin genas.Google Scholar
  27. 6.
    Dtsch. Z. gerichtl. Med.12 (1928). Ein letal verlaufener Fall einer Placenta accreta cervicalis, welehe nach einem Abortus im 3.—4. Monat in utero verblieben war. Die Placenta war zum großen Teil manuell ausgelöst worden. Am Präparat zeigte sich, daß die — wohl ursprünglich im Isthmus angesiedelte — Placenta sich in mehrfachen, durch muskulöse Septen voneinander getrennten Divertikeln eingegraben hatte.Google Scholar
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    Zbl. Gynäk.1929, Nr 42. Fall einer Accreta bei Frühgeburt eines macerierten Kindes von 7 Monaten. Die 35 jähr. VII-Para, welche 2 adhärente Placenten in der Anamnese hatte, konnte durch abdominelle Totalexstirp. uteri gerettet werden.Google Scholar
  33. 12.
    Sitz der Placenta oberhalb des Myoms.Google Scholar
  34. 1.
    Die progravide Umwandlung, Auflockerung, Hochschichtung und Durchsaftung der Uterusschleimhaut, ihre immer wieder von neuem in der prograviden Phase sich ausprägende physiologische Dreiteilung, die in der graviden Phase immer deutlicher sich ausbaut, die eigentümlichen, schichtweisen Gefäßerweiterungen, all dies charakterisiert die Uterusschleimhaut als eine wie keine andere im Körper einer bestimmten Aufgabe, nämlich der Eieinbettung zweckvoll angepaßte Formation; und nur in schwacher Annäherung kann unter Zugrundeliegen gleichartiger Umwandlungsbedingungen von einem anderen Gewebe, hier dem Muskelgewebe, für die Schleimhaut in ihrer wunderbaren Zweckanpassung halbwegs Ersatz geschaffen werden.Google Scholar
  35. 1.
    Es fehlen z. B. auch an dem Bilde einer normalen Placenta vom 3. Monate, welchesSellheim in Nagels Physiologie abbidete, die Drüsen.Google Scholar

Copyright information

© Verlag von Julius Springer 1929

Authors and Affiliations

  • Robert Joachimovits
    • 1
    • 2
  1. 1.Gynäkol-Abteilung der Poliklinik in WienWienÖsterreich
  2. 2.III. Geburtshilfl.-Klinik in WienWienÖsterreich

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