Die Wertung der Sektionen im Wandel der Zeiten

Eine kulturgeschichtliche Betrachtung
  • Rudolf Rabl
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Zusammenfassung

Ob und wann menschliche Leichen seziert werden durften, war von der allgemeinen kulturellen Einstellung abhängig. Während in der Antike ebenso wie im Orient Sektionen atagelehnt wurden, ist erst in der Renaissance, von Italien ausgehend, langsam der anatomische Gedanke entstanden. Daraufhin wurden Sektionen anfangs zur Unterrichtung von Ärzten, häufig sogar öffentlich durchgeführt. Später bildete sich eine anatomische Forschung aus, die im Gefühl der Statik gebunden war. Mit der Aufklärungszeit entsteht in Westeuropa eine starke dynamische Einstellung, aus der im Anfang getrennt Physiologie und Pathologie hervorgegangen sind. Erst dann wurden Sektionen von Krankheitsfällen häufiger vorgenommen. Seitdem durch den Realismus in West- und Mitteleuropa diese beiden Wissensgebiete infolge des morphologischen Gedankens zu einer einheitlichen Krankheitsforschung vereinigt worden sind, folgt eine so schnelle Entwicklung der Medizin, wie sie früher niemals eingetreten wäre. Hierzu war es nötig, ihre Bindungen aus naturphilosophischen Vorstellungen zu lösen. Die pathologisch-anatomischen Sektionen werden dadurch zur Grundlage einer pathologisch-physiologischen Krankheitslehre, deren Blickrichtung sich allerdings im Laufe der Zeit geändert hat.

Demgegenüber haben weder Zeiten starker naturwissenschaftlicher, jedoch nicht medizinischer Forschung, ein Nachlassen dogmatischer Bindungen noch eine geringere Achtung vor dem menschlichen Leben einen fördernden Einfluß auf die Grundeinstellung zu den Sektionen gehabt. Auch eine feste Organisation des Ärztestandes oder ein Verständnis für Notwendigkeiten von Teilgebieten der Medizin wie der Hygiene sind ohne Einfluß geblieben.

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© Springer-Verlag 1952

Authors and Affiliations

  • Rudolf Rabl
    • 1
  1. 1.Pathologischen Institut des Landeskrankenhauses NeustadtHolstein

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