Über die chemische Zusammensetzung von Zellstoffablauge-Mycel

  • J. Schormüller
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Zusammenfassung

Das untersuchte Zellstoffablaugemycel bestand in der Hauptsache ausOidium lactis, daneben aus Hefen nicht feststellbarer Art. Zur Ermittlung der chemischen Zusammensetzung wurde das Gesamtmycel sowie eine Reihe verschiedener, aus ihm hergestellter Fraktionen auf ihren Gehalt an Stickstoff- (Eiweiß-), Lipoid-, Phosphor-, Zellmembran- (Rohfaser-), Kohlenhydrat- und Nuclein- (Purin-) Substanzen untersucht und jede dieser Fraktionen weitgehend unterteilt.

Die Stickstoffsubstanz als biologisch wichtigste Fraktion enthält beträchtliche Mengen, und zwar etwa die Hälfte des Gesamtstickstoffs an niedermolekularen Nichteiweißverbindungen (42,74%). Vom Rohprotein des Mycels werden etwa 85%, vom Gesamtmycel etwa 38% durch Pepsin bzw. Trypsin in vitro verdaut, so daß die Verdaulichkeit der Stickstoffsubstanz als ausgezeichnet gelten kann. Der tatsächliche Gehalt des Mycels an Reineiweiß beträgt nur etwa 28%, bei Berücksichtigung des im Reineiweiß üblicher Bestimmung enthaltenen Purin- und Lipoidstickstoffs sogar nur etwa 25%. Rohfett- und Phosphatidgehalt des Myeels (4,11 bzw. 3,20%) liegen an der unteren Grenze der für Hefe gefundenen Werte, desgleichen ist der Phosphorgehalt (1,3%), verglichen mit dem von Hefen verschiedener Herkunft, bemerkenswert niedrig. Die Hauptmenge des Phosphors (0,98%) liegt als säurelösliche Fraktion vor, eine eingehende Unterteilung in die wichtigsten Fraktionen wurde vorgenommen. Durch Pepsinverdauung wird die Hauptmenge des Phosphors mobilisiert und in Lösung gebracht. Nicht lösliche Anteile sind vor allem in der Phosphor-Proteidfraktion gebunden. Die nicht verdauliche Substanz der „Zellmembran” (etwa 60%) besteht im wesentlichen aus „Hemicellulosen”, daneben wurden in ihr quantitativ Chitin, Lignin, Cellulose und Hefegummi bestimmt. Die Rohfaser, des Mycels (5,49%) setzt sich den Versuchen zufolge vorzugsweise aus Chitin, daneben aus Cellulose zusammen. Mengenmäßig liegt der Gehalt des Mycels an Rohfaser, verglichen mit dem der Hefen, reichlich hoch. Die Kohlenhydrate des Mycels bestehen in der Haupt-' sache aus mit verdünnter Mineralsäure zu reduzierenden Hexosen bzw. Pentosen hydrolysierbaren „Hemicellulosen” (etwa 17%), daneben aus Glykogen und Glucosamin. Die „Hemicellulosen” sind gegen Pepsinverdauung bemerkenswert widerstandsfähig und finden sich stark angereichert im unverdaulichen „Nuclein”-Anteil des Mycels wieder. Der Purinstickstoff (0,67%) umfaßt eine Reihe von Unterfraktionen, die eingehend analysiert wurden; von ihnen beansprucht der Nucleinsäure-Stickstoff fast die Hälfte des gesamten Purin-Stickstoffs. Der Gesamt-Purin-Stickstoff des Mycels liegt unter den für Hefen in der Literatur mitgeteilten Werten; er wird bei der Pepsinverdauung in vitro praktisch vollständig aus dem Mycel herausgelost.

Das untersuchte Mycel aus Zellstoffablaugen weist hinsichtlich seiner chemischen Zusammensetzung weitgehende Ähnlichkeit mit demjenigen von Hefen auf. Lediglich im höheren Gehalt an niedermolekularen Stickstoffsubstanzen und gleichlaufend damit im verminderten Gehalt an Reineiweiß, im gesteigerten Rohfaseranteil sowie im niedrigen Phosphor- und Puringehalt unterscheidet sich das untersuchte Mycel von Hefen durchschnittlicher Zusammensetzung. Gleich Hefen weist das Myccl einen hohen, durch Pepsin-Salzsäure nicht verdaulichen, im Körper unverwertbaren Anteil auf, der etwa 60% der Myceltrockensubstanz ausmacht.

Fink undHock hatten in Wachstumsversuchen die biochemische Ähnlichkeit dieser beiden Proteinträger wahrscheïnlich gemacht. Versuche, diese Ähnlichkeit bzw. die biologische Gleichwertigkeit von Hefe und Mycel über die vorstehend mitgeteilten chemischen Untersuchungen hinaus durch Ermittlung des Aminosäuregehaltes von Hefen und Mycelprodukten zu stützen, sind im Gange.

Die vorliegende Arbeit wurde vom Forschungsbeirat der Zentralverwaltung für das Gesundheitswesen durch Gewährung eines Fonds gefördert, wofür auch an dieser Stelle verbindlich gedankt sei. Herr W.Lüttgens unterstützte mich bei der Durchführung zahlreicher Analysen in ausgezeichneter Weise.

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Copyright information

© Springer-Verlag 1949

Authors and Affiliations

  • J. Schormüller
    • 1
  1. 1.Mitteilung aus der Abteilung für Physiologie und Pharmakologie des Robert-Koch-Institutes für Hygiene und Infektionskrankheiten in Berlin und aus dem Forschungsrat der Zentralverwaltung für das GesundheitswesenBerlin

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