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Die Pathologische Anatomie und Physiologie der Trigeminusneuralgie

  • F. H. Lewey
Article

Zusammenfassung

  1. 1.

    Der gemeinsame pathologisch-anatomische Befund in 10 Fällen von typischer Trigeminusneuralgie besteht in nahezu vollständiger retrograder Atrophie des halbmondförmigen Thalamuskerns (nucleus arcuatus, VPM) auf der Seite des Gesichtsschmerzes. Sie ist von einer von Fall zu Fall an Ausdehnung wechselnden retrograden Atrophie des centre médian, des hinteren lateralen Kerns (VPL), des dorsomedialen und zentralen, des roten Kerns und der substantia nigra, sowie einer deutlichen Verschmälerung des centrum semiovale begleitet.

     
  2. 2.

    Die primären Herde wurden entweder in Erweichungen in der inneren Kapsel gefunden oder in ausgedehnten corticalen und subcorticalen Infarkten. Daneben finden sich gelegentlich Herde in Streifenhügel und Pallidum.

     
  3. 3.

    Die Krankheitsursache der Trigeminusneuralgie wird in Spasmen und zunehmender Fibrose resp. Sklerose der Hirnarterien gesehen.

     
  4. 4.

    Die paroxysmalen Gesichtsschmerzen werden gelegentlich von quantitativen Sensibilitätsstörungen, aber regelmäßig von deutlichen qualitativen Störungen begleitet. Diese finden ihren Ausdruck in Summierung, örtlicher und zeitlicher Verschmelzung, Ausstrahlung. Nachdauer der Reize, sowie in Hyperpathie der Gesichtshaut.

     
  5. 5.

    Physiologische Experimente am Thalamus, speziell an seinen retikulären Kernen, ermöglichen ein besseres Verständnis des Mengen- und Ortsfaktors der Erregung auf der einen Seite, des Zeitfaktors auf der anderen. Letzterer kann als das physiologische Äquivalent des klinischen Bildes einer explosiven Schmerzreaktion betrachtet werden.

     
  6. 6.

    Die Abwandlungen im „Empfindungsmuster“, die in falscher Leitung und Interferenz der Reize ihre Ursache haben, sind bzgl. Auftreten und Fortbestehen auf den ungestörten Reizzufluß vom Gesicht angewiesen. Wird dieser durch Unterbrechung des peripheren Nerven, der Wurzel oder der intramedullären Bahnen des Trigeminus abgeschnitten. so fallen die zum Zustandekommen eines erhöhten zentralen Reizzustandes unerläßlichen Impulse weg und die Schmerzanfälle hören auf.

     
  7. 7.

    Trigeminusneuralgie ist eine meist nicht auf das Gesicht beschränkte Erkrankung. Subjektive und objektive Gefühlsstörungen können sich über Teile oder die gesamte gleichseitige, gelegentlich sogar die gegenseitige Körperhälfte erstrecken. Zeichen pyramidaler und extrapyramidaler Erkrankung lassen sich häufig nachweisen, wenn man die Kranken genügend genau untersucht. Sie erklären die mannigfachen primären und sekundären Herde außerhalb der thalamischen Endstätte des Trigeminus.

     
  8. 8.

    Trigeminusneuralgie ist eine Form des Thalamussyndroms, bei dem das Gesicht vorwiegend oder allein betroffen ist.

     

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Copyright information

© Springer-Verlag 1950

Authors and Affiliations

  • F. H. Lewey
    • 1
    • 2
  1. 1.Neuropathol. Labor. d. Neurochirurg. Abt. des Universitäts-HospitalsUSA
  2. 2.Neuroanat. Abt. der Grad. School of Medicine der Universität von PennsylvaniaUSA

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