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Über Gehirnveränderungen beim Spättod nach Strangulation

  • Wolfgang Wünscher
  • Günther Möbius
Article

Zusammenfassung

Ein 18jähriger Mann begeht Suicid durch Erhängen an einem Baum. Der Ast bricht, der Selbstmörder stürzt herunter und wird bewußtlos mit deutlich ausgebildeter Strangmarke ins Krankenhaus eingeliefert. Bei anhaltender Bewußtlosigkeit verstirbt er 2 Tage später unter Auftreten einer Bronchopneumonie.

Im Gehirn liegen schwere ischämische Schäden vor. In Verbindung mit den bisher erfolgten Mitteilungen über Spättodesfälle nach Strangulation kann auf folgendes geschlossen werden:

Die Hirnrinde und die oralen Abschnitte des Hirnstammes sind hochgradig empfindlich gegenüber Sauerstoffmangel.

Das weitgehende Verschontsein des caudalen Hirnstammes, das auch bei anderen Erstickungszuständen wahrgenommen werden kann, spricht für eine gestufte, regionär unterschiedliche Vulnerabilität des Hirns gegenüber dem Sauerstoffmangel.

Sekundären, durch den Sauerstoffmangel ausgelösten Vorgängen, wie Ödemen und Schwellungen, kommt beim Spättod nach Erhängen in der Regel nur ein bildmodifizierender Einfluß zu. Die intervalläre Verlaufsform nach Strangulation wird wahrscheinlich ebenfalls durch den hypoxydotischen Faktor hauptsächlich bestimmt.

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Copyright information

© Springer-Verlag 1960

Authors and Affiliations

  • Wolfgang Wünscher
    • 1
    • 2
  • Günther Möbius
    • 1
    • 2
  1. 1.Hirnforschungsinstitut der Universität LeipzigDeutschland
  2. 2.Pathologischen Institut des BezirkskrankenhausesSchwerin

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