Die Kindesmißhandlung in gerichtlich-medizinischer Sicht

  • Frau E. Trube-Becker
42. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Gerichtliche und Soziale Medizin in München vom 7.–10. Oktober 1963 IV. Hauptthema: Das Kind in gerichtlich-medizinischer Sicht

Zusammenfassung

Es werden nach Darlegung der einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen des Strafgesetzbuches und nach Erörterung der in der Literatur beschriebenen Fälle acht Fälle von Kindesmißhandlung, die im Institut für gerichtliche Medizin in Düsseldorf zur Obduktion und Begutachtung kamen, behandelt. Die Fälle betreffen ausschließlich Kleinstkinder, die an den Folgen schwerer Mißhandlung durch ihre Eltern verstorben sind.

Zwischen Kindesmißhandlung und Tod konnte trotz der Schwierigkeiten, die regelmäßig der Ermittlung strafbarer Handlungen in der Intimsphäre der Familie entgegenstehen, der Zusammenhang eindeutig geklärt werden. Die Schwierigkeiten wachsen bei der Ermittlung des subjektiven Tatbestandes. Dem nicht geständigen Täter ist die bewußte oder gewollte Mißhandlung oder Verletzung der Obhutspflicht nachzuweisen. Die Rechtmäßigkeit der Körperverletzung bei einer angemessenen Züchtigung erleichtert dem Täter die Berufung auf ein mangelndes Bewußtsein seines Unrechts. Bei der Verschiedenheit der sittlichen Wertvorstellung ist es nur selten möglich, dem Täter einen seinen Vorsatz ausschließenden Verbotsirrtum nach § 59 StGB zu versagen.

Der Richter kann aus der Art der Verteidigung des Angeklagten Rückschlüsse auf seinen strafrechtlichen Vorsatz anstellen. Folge davon ist die für den Laien oft unverständlich milde Bestrafung des Täters.

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Copyright information

© Springer-Verlag 1964

Authors and Affiliations

  • Frau E. Trube-Becker
    • 1
  1. 1.4 Düsseldorf

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